Barrierefrei: Universales Webdesign für alle

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barrierefrei.jpgUniversales Webdesign bedeutet Zugang für jeden. Ein barrierefreies Internet ermöglicht den Zugriff auf die Informationen, die alle lesen und konsumieren können. Barrierefrei wird hierbei meist als Schlagwort genutzt, doch die wenigsten setzen es um. Wir versuchen es wenigstens...

Text: mo.

"Die meiste Zeit seines Lebens ist der Mensch nicht auf dem Höhepunkt seiner Fähigkeiten."

Seit mehr als einem Jahr beschäftige ich mich immer wieder mit dem Thema barrierefreie Webseiten. Gerne wüsste ich, ob es Menschen mit Behinderungen möglich ist Phlow zu besuchen und leicht zu navigieren. Immer wieder tune ich ein bisschen hier und da in der Hoffnung gutes im Zeichen der Usability und Barrierefreiheit zu tun. Leider habe ich bisher niemanden kennengelernt, der einen Screenreader benutzt oder mit der Braillezeile surft.

Während die Braillezeile blinden Menschen das Surfen im Netz ermöglicht, und über taktile Zeichen das Braille-Alphabet darstellt - die Zeichen, die aus sechs Punkten bestehen - funktionieren Screenreader anders. Diese stellen Informationen meistens in synthetischer Sprache her und lesen die Webseiten vor. Oft werden Screenreader auch für die Bedienung eines Betriebssystems genutzt.

Fragen und technische Herausforderungen

Ob die Accesskeys von Phlow, also die Tastaturkürzel, benutzt werden, weiss ich nicht. Auch nicht, ob sie taugen. Wer es mal selbst ausprobieren will, drückt einfach mal ALT + M oder ALT + S (Firefox oder Internet Explorer). Das sind die Tastaturkürzel beziehungsweise Buchstaben, die oben in der Navigation unterstrichen sind und Euch zur nächsten Sektion von Phlow katapultieren und wieder zurück.

lynx-zoom.gifScreenshot der Phlow-Startseite im Lynx-Browser - Zum Vergrößern einfach klicken

Außerdem wurde auch ein unsichtbarer Link angebracht, mit welchem beim Lesen der Webseiten schnell die Navigation übersprungen werden kann. Das funktioniert hervorragend im Text-Browser Lynx. Diesen könnt Ihr online ausprobieren, wenn Euch eine Website gehört oder frei herunterladen unter www.mein-dortmund.de/browser-lynx.html - der Browser ist glücklicherweise Open Source und kann auf Windows installiert werden. Damit Ihr das Online-Werkzeug nutzen könnt, müsst Ihr zuvor noch eine HTML-Datei namens delorie.html auf Euren Webspace legen. Dann kann gesurft werden.

Ich könnte Euch jetzt nun weiterhin technische Details um die Ohren hauen, die ich gelernt habe und noch umsetzen möchte. Immer wenn ich denke, jetzt habe ich so gut wie alles gelernt, werde ich wieder überrascht und widerlegt. CSS habe ich nun fast schon sehr gut im Griff, der nächste Clou wären Phlow-Webseiten, die allen Anforderungen für Barrierefreiheit entsprechen. Man lernt halt nie aus.

cover_hellbusch_barrierefre.jpgWer jetzt neugierig geworden ist, sollte sich einfach selbst mal informieren. Programmierer und Webdesigner unter Euch kann ich für weitere Ideen und Programmiertipps nur das Buch "Barrierefreies Webdesign" von Jan eric Hellbusch ans Herz legen. Das geht wirklich auf mehr als 350 Seiten in die Tiefe. Hoffentlich kann ich beim nächsten Relaunch so viele Anforderungen wie möglich umsetzen. Und dann muss ich auch endlich mal einen Menschen finden, der mir berichtet, ob sich die Mühen lohnen, und ob er sich für unsere Themen interessiert. Denn wäre doch schon geil, Menschen mit Behinderungen den Zugang zu schöner elektronischer Musik zu ermöglichen. Wie hoch die Hürde ist, dann eine Software für das Abspielen der MP3s anzuwerfen, kann ich leider nicht sagen. Aber ich stelle mir das schon super vor, wenn elektronische Tanzmusik nicht nur in der Disco, sondern auch bei allen Menschen am Computer hörbar ist.

Buchtipp

Barrierefreies Webdesign
Praxishandbuch für Webgestaltung und grafische Programmoberflächen
Verlag: dpunkt.verlag
Autor: Jan Eric Hellbusch
ISBN: 3-89864-260-7
Preis: 44,00 €

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Kommentare

Es sollte jedem Webdesigner auferlegt werden, diesen Artikel wenigstens zu überfliegen. Spätestens dann wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass tatsächlich Handlungsbedarf besteht. Seit ich die Computer einer blinden Frau betreue, hat der Satz "Da muss man nur hier (wo?) den roten (Farbe?) Knopf drücken" eine ganz andere Bedeutung. Alles was sich einem sehenden beinahe augen(<-)blicklich erschließt, stellt für eine sehbehinderte Person schlicht und ergreiflich eine unüberwindbare Hürde dar, es ist eben nicht nur ein Hindernis welches man mit einiger Mühe vielleicht doch überwinden könnte.

Trotzdem bin ich immer wieder überrascht, wie sicher diese blinde Frau in Outlook navigiert, Audiohörbücher ordert und ihre Braillezeilen zur Verwaltung von Telefonnummern, Terminen und Notensatz einsetzt, teilweise in einer Geschwindigkeit, die ich auf dem - extra für mich eingeschalteten - Monitor kaum verfolgen kann.

Leider ist die Unterstützung von Behinderten nur von den sehr großen Seiten, wo noch Geldmittel zur Verfügung stehen, oder von ambitionierten (privat-)Anwendern zu erwarten. Ich vermute, dass die Geldmittel für eine Website einer kleineren Firma - die nicht speziell sehbehinderte Kunden ansprechen möchte - eher spärlich gesät sind. Umso wichtiger Artikel wie dieser. Die einfach an Orten auftauchen, wo man vielleicht nicht damit gerechnet hat.

meint: Monotonist am 29.09.05

Ganz großartig Mo! Ich finde für dieses Thema gibt es wirklich noch sehr wenig Bewußtsein. Blind zu sein in unserer Computerwelt muss schon eine echte Hürde sein. Und Computer sind ja für uns sehende schon schwer genug zu bedienen. Und gerade für ein Musikmagazin schickt es sich an die behinderten Mitmenschen zu denken. Da sollten wohl auch die Netlabels einen Schritt weiter denken....

meint: 020200 am 29.09.05

@monotonist: danke für deinen kommentar. ich möchte die tage unbedingt mal einen artikel zu diesem thema in einer der stadtzeitungen wie kölner stadt-anzeiger oder so veröffentlichen. irgendwie muss ich mir ja meine brötchen verdienen und gleichzeitig wäre es eine tolle möglichkeit auf das thema auch in breiten medien aufmerksamkeit zu erzeugen. hast du eine ahnung, wie ich am besten mit blinden menschen in kontakt komme. für interview oder so. hättest du vielleicht mal lust ein paar bilder von der frau zu schießen - natürlich nur wenn sie mag. würde das gerne hier auf phlow zeigen. bilder sagen ja oft mehr als tausend worte.

meint: mo. am 29.09.05

Da ich gerade heute bei ihr zu tun habe, werde ich sie einmal dazu befragen. Inwieweit sie aber über Erfahrungsberichte hinaus gehen möchte (Fotos, etc. ) vermag ich erst nachher zu sagen.

Alles weitere dann per mail, OK?

meint: Monotonist am 29.09.05

Man sollte allerdings nicht vergessen, dass es nicht nur die 2 Extreme "Blind" / "Nicht-Blind" gibt - ganz abgesehen von anderen Behinderungen.
Für Menschen mit eingeschränkter Sehfähigkeit, die Phlow vielleicht einfach nur mit vergrößerter Schrift oder Bildschirmlupe oder ähnlichen Hilfen benutzen, wäre der Link, um die Navigation zu überspringen wahrscheinlich auch sinnvoll...

meint: daniel am 29.09.05

Einerseits super. Anderersiets sollte Barrierefreiheit nicht beim Webdesign aufhören wie ich finde: http://sum1.onreact.com/index.php?p=610

meint: sum1 am 29.09.05

Endlich nimmt sich mal einer dieses Themas an. Gerade im Netlabel-Bereich trifft man ja oft auf Websites, in denen man sogar als Nicht-Behinderter Probleme mit der Navigation hat. Mir ist es sogar schon passiert, dass ich mp3s von einer Labelsite nicht runterladen konnte! Doch wenn man sich darüber beschwert, wird man zumeist als Depp dargestellt... Danke auch für den Literatur-Tipp, habe grad begonnen, meine Bachelor-Arbeit über das Thema zu schreiben, da kommt mir das Buch gerade zur rechten Zeit :-)

meint: dm am 29.09.05

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