Irgendwo im 16: Zukunft Zündfunk?!?

Rubrik » Interview Portrait

zuendfunk-studio.jpgIrgendwo im 16. Stockwerk, gleich neben der Redaktion des Familienprogramms, sitzen die Paradiesvögel des Bayerischen Rundfunks – die Verantwortlichen einer der dienstältesten "alternativen" Radiosendungen schlechthin: dem Zündfunk.

Text: Christian "Tend" Kausch

Diese Münchener Institution braucht man wohl nicht mehr erklären, ist sie doch seit 1974 über die Landesgrenzen hinaus bekannt und hat bereits ganze Generationen mit großgezogen. Angesiedelt in der Jugendredaktion geht es neben spitzen "Aha"-Themen vor allem darum, Leute zu erreichen, deren Musik sonst wahrscheinlich keine andere Radioheimat besitzen würde. Und so bewegt man sich stetig im Spannungsfeld des öffentlich-rechtlichen Auftrags und dem gehört werden, zwischen Mainstream und kulturellem Anspruch, zwischen Standards und Experimenten.

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Gewinntelefon beim Zündfunk

Zündfunk ist aber nicht einfach nur Radio. Die ungefähr 50 Mitarbeiter, bestehend aus vielen freien Satelliten und einigen festen Kümmereren, produzieren nicht nur Ihr Programm vollkommen autark, sondern sie zeigen sich auch für Konzerte und das größte Indoor-Festival "Bavarian Open" verantwortlich.

Drehachse Kreativität

Und so treten im Funkhaus allerhand namhafte Bands (aktuell: Mediengruppe Telekommander) auf, die man absichtlich gern mit unbekannteren paart. Die Newcomerarbeit wird sehr ernst genommen. Dahingegen hat man mit "Bavarian Open Source" ein ARD-weit einmaliges Pilotprojekt eines öffentlich-rechtlichen Netlabels geschaffen. Auf der Plattform werden u.a. Livemittschnitte der veranstalteten Konzerte angeboten, genauso aber auch Tracks von z.B. Deichkind, Dakar & Grinser, Jahcoozi und Nachwuchskünstlern in ansprechender Vielfalt - unser Tipp: Kanmantu aus Weilheim. Kein Wunder, dass sich in den ersten Monaten über 100 Tracks von mehr als 35 lustigen Musikanten angesammelt haben, die in zweiwöchentlicher Abhörsitzung ausgewählt wurden.

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Auch sonst sind die Zündfunker für jeden Spaß zu haben und unheimlich kreativ. Peinliche Zwischenfälle gibt es selten. Einmal ist einem Moderator während der Moderation ein Zahn herausgefallen, wonach er nur noch Nuscheln konnte und seine Co-Moderatorin live in der Sendung einen Lachkrampf bekam. Souverän wurde auch diese Situation gemeistert. Und so kann man schon von einer großen funktionierenden Familie mit verrückten Ideen und ganz normalen Problemen sprechen.

Idylische Scheinillusion mit bitterem Ende?!?

Die scheinbare Idylle hat allerdings einen Riß bekommen. Der Bayerische Rundfunk plant eine Junge Welle ab 2007. Die Zukunft des Zündfunks ist damit leider ungewiß, wobei auf Bayern 2 wahrscheinlich kein Platz mehr für die Sendung sein wird. Hinzu kommt, dass der angekündigte Jugendkanal nur eingeschränkt über UKW ausgestrahlt werden soll, was sicherlich einige Zuhörer kostet. Schade drum, zumal der Zündfunk eher ein Generationen-übergreifendes, ja sogar vereinendes Programm darstellt - aber vielleicht hilft es noch, die Daumen zu drücken, dass letztendlich doch noch alles gut wird.

Newsticker: Letzten News zu urteilen, hat sich der Bayerische Rundfunk durchgerungen, die Sendung in einer für eine ältere Zielgruppe angepaßten Form bestehen zu lassen. Nur wie das dann ausschauen wird, ist noch ungewiß. Scheinbar haben die Unterschriftensammlungen und Stellungnahmen aus Politik und Kultur doch etwas bewirkt. Das macht Hoffnung.

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Kommentare

hört irgendjemand noch ausserhalb des autos rundfunk-radio?

höchstens die ältere zielgruppe, als musikgenussystem wird rundfunk wird langsam deutlich überflüssig, nur noch verkehrsnachrichten und morgentliches geschwätz machen sinn. dazu ist die audioqualität beim rundfunk einfach nur grausig, wenn man ein gutes audiosystem besitzt.

meiner meinung nach haben höchstens individuelle radiosysteme, also sich an den hörer anpassende radiosysteme ein chance. und selbst die nur in geringem maße.

radio im allgemeinen hat unser musikempfinden schwer gestört und kräftig (negativ) beeinflusst. musik muss die seele ansprechen, nicht große massen. dennoch sind radios in der regel gezwungen sich an die massen zu halten - unsichtbare scheuklappen für den hörer.

den einfluss von radiostationen in media-control-charts angelegenheiten möchte ich hier gar nicht ansprechen, die meisten kennen das thema ja...

daher als fazit: ich trauere da nichts nach. ich hab mich persönlich nie vom radio angesprochen gefühlt, lieber such ich mir ne CD im laden aus. und kann so jederzeit alles in voller qualität hören und bin sicher, daß der künstler etwas davon hat.

meint: fabien am 07.07.06

liebe(r) fabien,

>hört irgendjemand noch ausserhalb des autos rundfunk-radio?
ja, ich schon.

>höchstens die ältere zielgruppe,
hast recht, bin schon 35

>als musikgenussystem wird rundfunk wird langsam
>deutlich überflüssig, nur noch >verkehrsnachrichten und morgentliches geschwätz
>machen sinn.

der morgenliche dünnpfiff sinn machen. na ja. radio macht meines erachtens als umfassend verbreitetes medium für nachrichten unterhaltung und kunst schon sinn, auch heute. was es bedarf sind leute mit sendungsbewustsein (igitt) die einen immer wieder neues aufzeigen. zündfunk eben oder der ball ist rund als weiteres beispiel.

>dazu ist die audioqualität beim rundfunk einfach
>nur grausig, wenn man ein gutes audiosystem
>besitzt.
gibt sicher bessere qualität, aber im gegensatz zu einem 32k podcast...

>meiner meinung nach haben höchstens individuelle
>radiosysteme, also sich an den hörer anpassende
>radiosysteme ein chance. und selbst die nur in
>geringem maße.
ich persönlich finde an gutem radio gerade vorteilhaft, dass es weniger individulisiert ist. man kocht nicht so in der eigenen suppe.

>radio im allgemeinen hat unser musikempfinden
>schwer gestört und kräftig (negativ) beeinflusst.
>musik muss die seele ansprechen, nicht große
>massen. dennoch sind radios in der regel
>gezwungen sich an die massen zu halten -
>unsichtbare scheuklappen für den hörer.
radio hat für viele musikempfinden überhaupt erst ermöglicht. zugegeben das schwindet oder ist nicht mehr existent. negativ beeinflusst? sicher, so wie jedes andere medium auch. der rest trifft sicher zu, du äusserst es bloss an der falschen stelle, remember der text handelt von zündfunk.

>den einfluss von radiostationen in
>media-control-charts angelegenheiten möchte ich
>hier gar nicht ansprechen, die meisten kennen das
>thema ja...
trifft sicher zu, du äusserst es bloss an der falschen stelle, remember der text handelt von zündfunk.

>daher als fazit: ich trauere da nichts nach. ich
>hab mich persönlich nie vom radio angesprochen
>gefühlt, lieber such ich mir ne CD im laden aus.
>und kann so jederzeit alles in voller qualität
>hören und bin sicher, daß der künstler etwas
>davon hat.
ich persönlich lasse mich auch heute noch vom radio ansprechen, genau so wie von allen anderen medien die mir helfen mich zu informieren und über den eigenen tellerrand hinauszuschauen. der vorteil an zündfunk und vergleichbarem ist und war immer, dass ich der quelle vertraue und mir eben auch mal sachen anhöre, die ich mir sonst nie gegeben hätte (z.B. alleine im laden).

von daher bedauerer ich die entscheidung des br schon.

meint: thorsten am 07.07.06

Beim Radio ist es wie mit CDs oder Netlabels:

Wenn man nicht reinhört, sucht, wühlt, weitersucht etc. kann Radio tatsächlich ziemlich langweilig sein. Und vor allem dann, wenn man nur gelegentlich einen Sender zu bestimmten Uhrzeiten hört und dann fälschlicherweise annimmt, dass ALLE Sender IMMER so seien (vorschnelle Allaussagen machen halt immer Ärger (Logikern juckts spätestens hier unter den Fingernägeln...)). Indische Küche ist ja auch langweilig, wenn man nur die Fertiggerichte aus der Tiefkühltruhe kennt.

Wer seinen Horizont doch noch erweitern möchte, sollte mal öfters das Angebot von WDR3-Open bzw. Akustische Kunst sich durch die Hirnwindungen schicken lassen und sich nebenbei in Geduld üben. Ähnliches (und noch mehr) findet man bei DeutschlandRadio (die hatten sogar mal ein nettes kleines Feature über die Legendary Pink Dots).
Es gibt eine Menge zeitgenössisch ausgeformte Features und Hörspiele im ÖR, vor allem in Bayern, aber auch SWR, 1Live etc.
Man hört im Radio noch immer einiges, was nicht Massenkompatibel ist; man bekommt dort Empfehlungen (fast) frei Haus, an die man nie gedacht hätte, erst recht nicht im üppig ausgestatteten CD-Laden. Und wenn das Gehörte nicht (mehr) gefällt, dann kann man sich davon per Knopfdruck verabschieden, ohne dass ein kostspieliger Datenträger zurück bleibt.

Totgesagte leben länger.

meint: Dr. K. Lohr am 07.07.06

danke für die vielen tipps! ich wollte zündfunk keineswegs kritisieren - ich kenne es gar nicht.

ich kann eure argumente gut nachvollziehen, das hier war gerade nur mein derzeitiges empfinden über die ganze radio entwicklung an sich.

nur hier muss ich widersprechen: musikempfinden (auch großer massen) gab es lange vor dem radio... ...und sogar etwas intensiverv denke ich, da mangels medium nur konzerte bzw eigene aufführungen oder einfach eigener gesang in frage kamen. all diese sachen liegen sogar wesentlich näher an der musik als jedes erdenkliche medium.

meint: fabien am 07.07.06

In Berlin gibt es gerade das viel versprechende Radio 1:1 aus dem reboot.fm Dunstkreis.
http://www.radioeinszueins.de/blog/

meint: Tadeusz Szewczyk am 08.07.06

Im Moment stehen die Chancen für eine Zündfunk-Jugendwelle bayernweit auf UKW nicht schlecht. Aber wir kämpfen weiter für "Mehr Zündfunk", z.b. mit einer großen Party am 28.7. - http://www.zuendfunk-retten.de

meint: Patrick Gruban am 10.07.06

> hört irgendjemand noch ausserhalb des
> autos rundfunk-radio?

Ja, ich. Allerdings nicht auf UKW, sondern gezielt per Sat. Halb Europa im Zugriff, fast alle ARD-Programme, Franzosen, Holländer, einige Briten.


> höchstens die ältere zielgruppe

Zur Berieselung sicherlich. Da hat die junge Generation ganz eigene Dinge zur Verfügung. Oft läuft einfach nur die Glotze mit dem ganzen Nachmittags-Müll oder Videoclips. Wer sich von den jüngeren aktiv und bewußt z.B. mit Popkultur auseinandersetzt, hat aber auch im Radio noch gute Chancen, mit etwas Suchen Perlen zu finden.

> nur noch verkehrsnachrichten und
> morgentliches geschwätz machen sinn

Für mich nicht. Beides kommt mir nicht ins Haus. Schwätzer werden abgeschaltet, realitätsferne gute-Laune-Stimmen sowieso.

> dazu ist die audioqualität beim rundfunk
> einfach nur grausig, wenn man ein gutes
> audiosystem besitzt.

Nicht unbedingt. Seriöse Programme bieten selbst auf UKW eine hervorragende Qualität. Die Popdudler klingen freilich alle mieserabel, aber wen stört das da schon?
Abgesehend avon: mir wäre neu, daß im Internetbereich die gebotene Qualität höhrer ist. Sie ist auch grauslig, wenngleich auf andere Weise.

> meiner meinung nach haben höchstens
>individuelle radiosysteme, also sich an den
> hörer anpassende radiosysteme ein chance.

Die halte ich nicht für Radio, sondern für einen wie-auch-immer-zu-nennenden Beschallungsdienst. Zum Radio gehören für mich tatsächlich Redakteure, die sich was ausdenken, was mein Interesse wecken oder meinen Geschmack treffen könnte. Mit der Zeit weiß ich ja dann, wen ich einschalten sollte und wen nicht.

> radio im allgemeinen hat unser musikempfinden
> schwer gestört und kräftig (negativ)
> beeinflusst.

Der Schweinepopfunk auf jeden Fall. Der "Heimatfunk" für die "reifere Generation" ist nicht besser. Unterhaltung fürs Volk ist halt oft billig. Für die Perlen des Radios trifft das Gegenteil zu: die können sehr, sehr wohltuend sein. Egal, für wen. Egal, ob Popkultur oder Klassik.

> musik muss die seele ansprechen, nicht große
> massen.

Mein Reden!

> dennoch sind radios in der regel gezwungen
> sich an die massen zu halten

Die Nischenprogramme eigentlich nicht. Ihre Existenzberechtigung müssen sie halt dennoch leider oft über die Quote holen, selbst, wenn es sich dank Werbefreiheit nicht unmittelbar im Budget niederschlägt. Das ist ein gesellschaftliches Problem: Kultur hat in diesem Land keine Lobby, sobald sie nicht die sogenannte Hochkultur ist, mit der sich die selbsternannte Elite umgeben will. Inzwischen ist man aber auch munter dabei, die ARD-Hochkulturwellen zu beschneiden...

> ich hab mich persönlich nie vom radio
> angesprochen gefühlt, lieber such ich mir ne
> CD im laden aus.

Ich habe "meinen" Sender 1992 verloren. Da war ich 18. Seitdem zappe ich durch die Programme. Nicht wneige CDs in meinem Regal sind allerdings Radio-inspiriert. Sei es Tom Liwa, Death Cab for Cutie oder Peter Licht. Läuft alles im Radio. Man muß nur wissen, wo. Zum Beispiel hier:

Radio EINS
www.radioeins.de
Eigentlich fast das komplette (Abend)Programm, vor allem die guten Musikspecials. Tagsüber ist es mir zu aufgesetzt, zu lifestylemäßig. Auch da ist die Musik aber um Welten besser als auf den meisten anderen Programmen.

DLF / D-Kultur
www.d-radio.de
Man muß sich halt die Mühe machen, die Programmvorschau durchzugehen. Es lohnt!

Zündfunk
http://www.br-online.de/jugend/zuendfunk
In Deutschland nach wie vor die Referenz unter den Jugendradios.

FM4
fm4.orf.at
Das Jugendradio aus Österreich. So stelle ich mir auch eine deutsche Vollzeit-Jugendwelle vor.

NDR Info Nachtsendungen
http://www1.ndrinfo.de/ndrinfo_pages_std/t_spm-684_.html
Immerhin kompetent ausgesuchte und moderierte Musik. Unter anderem mit Paul Baskerville: http://www.paul-baskerville.de .

Fritz
www.fritz.de
Tagsüber inzwischen teils unerträglich quietschender Teeniefunk, abends nach wie vor teils gute Musikspecials und Talkradio stark schwankender Qualität.

EinsLive
www.1live.de
Tagsüber siehe Fritz, wenngleich in Nuancen anders. Abends auch teils gute Musikspecials ("Raum und Zeit", "Kultkomplex") und sogar experimentelle Radioformen in Richtung Hörspiel.

"Pops tönende Wunderwelt"
Bremen 1, Sonntag 22:05-24:00
www.popwelt.de
Ein wirkliches Hör-Abenteuer: eine Stunde Musik von überall her (nur nicht von den Chartsradios), in der zweiten Stunde gibts die kultige Fortsetzungsgeschichte vom geschwätzigen Moderator. Die Fans schneiden mit, schreiben auf, zeichnen Landkarten, veranstalten Treffen, leiten es per Kassetten weiter, ...

"Der Ball ist rund"
hr3, Sonntag, 23:00
http://www.hr-online.de/website/radio/hr3/index.jsp?rubrik=11522

"Rebell" mit Volker rebell
hr3, Sonntag, 21:00-23:00
http://www.hr-online.de/website/radio/hr3/index.jsp?rubrik=3182


Habe ich was vergessen im deutschen Raum?

meint: Radiowaves am 11.07.06

hmm empfange ich glaube ich alle nicht im Auto. Daheim ist Radio sicher kein Thema, da kann man perfekt die Dudelsender umgehen. Aber gerade im Auto wäre ich für abwechslungsreiche und anspruchsvolle Sender dankbar, da die CDs doch immer recht schnell durchgehört sind.

meint: Nörmi am 12.07.06

Radio unterwegs ist ein Problem - zumindest in den meisten Regionen Deutschlands. DAB hilft da auch nicht viel weiter, denn das Angebot dort ist oft mehr als dürftig und nur selten eine wirkliche Bereicherung. Da hilft offenbar wirklich nur der MP3-Player am Line-in des Autoradios. Inzwischen gibts ja auch genug Geräte, die sogar USB-Sticks oder Speicherkarten fressen - ideal auch für Podcasts. Oder Geräte, die halt MP3-Daten-CDs im Laufwerk wiedergeben können. Eine volle CD mit 192er MP3s läuft schon paar Stunden. ;-)

meint: Radiowaves am 12.07.06

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