Tokyo Dawn: Über die Zukunft von Netlabels und Netaudio

Rubrik » Interview Portrait

prymer.jpgNach sechs Jahren Online-Präsenz mit einem großartigen Backkatalog im Rücken steht Prymer von Tokyo Dawn mittlerweile skeptisch einem Erfolg der Netaudio-Szene gegenüber. Zur Zeit basteln die Macher und Musiker an einer neuen Web-Präsenz. Außerdem ist Hardware für den ganz normalen Plattenladen dieser Welt am Start. Wir wagen mit ihm einen Ausblick in die Zukunft und lassen Marc Klartext sprechen.

Hey Marc, kannst Du Dich kurz vorstellen, wer du bist, was Du machst (Studium...) und wie alt Du bist! Aus welchem Anlass entstand eigentlich Tokyo Dawn?

Sorry, aber wer ich bin ist nicht wirklich interessant, wenn wir uns über Tokyo Dawn unterhalten wollen. Um also gleich zum zweiten Teil der Frage zu springen, Tokyo Dawn ging erstmals online 1997, als Netlabel mit einem naiv-spielerischen und Do-It-Yourself-mäßigen Ansatz, spezialisiert auf Opensource-Musik.

Inzwischen sind wir einer der letzten Dinosaurier unter den Netlabels neben mono211.net. Aber neben dem Online-Ding machen wir auch handfeste Hiphop und RnB Platten, die wir via Groove Attack veröffentlichen. Aber wir verstehen uns in erster Linie gar nicht mal als Label, sondern als Musikerkollektiv, als Team von Freunden, Produzenten, Instrumentalisten, Sänger, MCs, DJs und Designer, die eng zusammenarbeiten, sich gegenseitig mal was beibringen und zeigen, einander helfen usw.

Zur Zeit ist Tokyo Dawn offline. Warum und was passiert gerade bei Euch?

Naja, die Webpage ist für uns nicht viel mehr als ein verdrecktes Fenster zum Reinschauen. Das haben wir gerade zugehangen um unseren Hausputz in Ruhe machen zu können, aber bald machen wir die Sicht wieder frei. Bis dieses Interview erscheint sind wir vermutlich schon wieder online mit den frischen Pages und mit einigen schönen neuen Releases. Diesmal mit dabei sind u.a. Blue Eyes, Lars Berenroth, Comfort Fit, Blaktroniks, Saine, Move-D, Bossanoble und Causes & Forces. Ja nicht verpassen!

In einem Gespräch hast Du uns erzählt, dass Du von der Kostenlos-Mentalität im Netz ziemlich genervt bist. Vor allem kannst Du die Künstler nicht so unterstützen wie Du es möchtest, da über Tokyo Dawn keinerlei Profit gemacht wurde bzw. wird. Jetzt erscheint ein Album über die Vertriebswege von Groove Attack, so richtig old-skool-mäßig. Warum?

Wie du schon sagtest geht es in erster Linie darum, Perspektiven für unsere Künstler aufzubauen und das kann man online nicht wirklich. Die Gesamtsituation hat sich seit unserem letzen Interview auch einfach verändert. Die Netlabel-Szene hat schon längst ihren Exotenbonus verloren und ist trotzdem nicht aus der Mittelmäßigkeit herausgekommen, mal abgesehen von den wenigen Ausnahmen wie z.B. Ageema Blues.

Dank dem Hype gibt es nun Millionen von schlechten MP3s da draußen, die niemanden interessieren. Dementsprechend mies ist die Wahrnehmung von Indiemusik im Netz und das hat zur Folge, daß der MP3-Overkill auch zum Problem für die meisten Indie-Labels und Vertriebe wurde, die noch viel gravierende Existenzkämpfe austragen müssen als die Majors am Anfang dieser Entwicklung.

Und dann kamen auch noch die Supermoves von i-tunes bzw. Apple und veränderten die Perspektiven wieder mal komplett. Aber auch unsere ganz persönlichen Realitäten haben sich seitdem verändert und ich hoffe sehr, daß diese Platte ein Sprungbrett für den einen oder anderen wird, unabhängig davon ob der jeweilige Künstler dann bei TDR weitermacht oder woanders. Es ist schon spannend zu sehen was so alles passiert, wenn man unsere Musik nach so vielen Jahren endlich mal von der Leine lässt.

Ein weiterer Grund ist sicherlich, daß wir keine Liebhaber von MP3/OGG-Sound sind. Soundkomprimierung ist natürlich ein sehr praktisches Mittel zum Zweck um online veröffentlichen zu können, aber daß die Soundbandbreite dadurch reduziert und verfälscht wird und unsere Musik am Rechner gehört wird, womöglich noch als Hintergrundberieselung beim Arbeiten, das gefällt uns eigentlich überhaupt nicht. Außerdem möchten wir den Bootleggern das Wasser abgraben und hoffen keine weiteren inoffiziellen Whitelabels oder CDs mit Tokyo Dawn Tracks zu finden, wenn wir das künftig selbst in die Hand nehmen.

evoke2003.jpgMusik gegen Spenden. Denkst Du, dass könnte ein schlüssiges Konzept sein, um Künstler durch ein Netlabel zu unterstützen?

Ja, Spenden sind natürlich okay, aber definitiv kein 'schlüssiges Konzept'. Es ist zwar gut, daß diese Spenden ohne Umwege direkt an den Künstler weitergeleitet werden können, aber im Indie-Kontext liefe das eh nur auf ein spärliches Trinkgeld hinaus. Mit Strassenmusik verdient man sogar mehr Geld. Das Internet ist zu anonym für sowas. Im Grossen und Ganzen würden außerdem vorwiegend diejenigen davon profitieren, die sowieso vorne stehen und die Aufmerksamkeit an sich reissen. Songwriter, Studiomusiker und alle anderen hinter den Kulissen würden in der Regel noch weniger vom Kuchen abbekommen, als ihnen eigentlich zusteht und das kann es ja auch nicht sein.

Wenn jemand behaupten würde, dass Künstler nur Musik der Musik willen machen sollten und es nicht wichtig ist, Geld mit Musik zu verdienen, was würdest Du demjenigen antworten?

Meiner Meinung nach ist es viel eher die Frage, wieviele Kompromisse man bereit ist dafür einzugehen. Wenn man es ernst meint mit der Musik, dann will man den ganzen Tag nichts anderes als das machen. Aber von irgend etwas muss man ja leben, also gibt man lieber 'was für eine Platte frei anstatt jobben zu gehen, weil man ja sonst noch weniger Zeit für seine musikalischen Triebe übrig hätte. Das ist doch okay, auch wenn es bei den meisten natürlich nur ein Traum bleibt so leben zu können.

CDBaby könnte man als Quasi-Plattenladen beschreiben, nur dass es online Indie-Labels vertritt und für einzelne Künstler Platten verkauft und anbietet. Man kann dort seine eigenen CDs, selbst gebrannt, geklebt und zusammengestellt hinschicken und sie werden verkauft. Nach Janko Röttgers ist CDBaby, der größte Online-Markt für Indie-CDs nach amazon.com. Was hälst du von der Idee?

tokyo_dawn_record.jpgGrundsätzlich finde ich es super, wenn jedem diese Möglichkeiten offenstehen. Aber ein automatisierter Internetdienst wie CDBaby wird doch niemals alle Aufgaben von einem guten Vertrieb und einem engagierten Label übernehmen können. Außerdem ist mir dort die Wahrscheinlichkeit zu hoch, daß es sich ähnlich negativ wie MP3.com weiterentwickelt. Als Ergänzung ist es vielleicht tatsächlich nett, aber einen herkömmlichen, gut sortierten Plattenladen würde ich trotzdem allemal vorziehen. Nur werden die allermeisten davon spätestens in fünf Jahren von der Bildfläche verschwunden sein oder zu so etwas wie Antiquariatshändler werden, wenn EBay diesen Bereich nicht komplett übernimmt. Viel eher als CDBaby hat Apple vorgemacht wie es in Zukunft gehen könnte.

Hey Marc, vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Moritz Sauer via Email und Telefon.

Info: www.tokyodawn.org

prymer's pop charts late september'03

01. roscoe p. coldchain - new banger - star trak
02. ty feat. bembe segue - groovement - big dada
03. ursula rucker - release - !k7
04. clueso - level instrumental - white
05. lizz fields - say the word - philly soul
06. sunshine anderson - heard it all before (quantic soul orchestra remix) - rebtuz
07. rh factor - poetry (dj spinna remix) - verve
08. deyampert - held him first - sonar kollektiv
09. dwele - angel (yam who mix) - yam
10. ertha kitt - love for sale (prymers dirty love edit) - white
11. oscar brown jr - brother where are you (herbert remix) - verve
12. nick holder feat. jemini - no more dating djs - nrk
13. dudley perkins - money - stones throw
14. madlib feat. medaphoar - please set me at ease / shades of blue lp - blue note
15. georg levin - in your car (dj spinna remix) - sonar kollektiv
16. colonel red - gotta be a place for us - people
17. cuebism - made it - ideology
18. the detroit experiment - too high - planet e
19. manmade science - times & senses - philpot
20. dj oji feat. stay-j - wedding in paradise - poji
21. little brother - make me hot (yam who rework) - yam
22. alison david - dreams come true (afronaught remix) - ADD

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Kommentare

das problem ist nicht das es nicht genügend guten krempel draussen gibt, sondern den zu finden. da liegt der ganze knackpunkt. die schwemme an tracks ist extrem unübersichtlich geworden.

meint: looza am 27.09.03

finde schon, dass mittelmäßigkeit ein problem ist bzw langsam zu einem problem der netlabels wird/werden kann, wenn du dir die ganze bandbreite der labels mal anschaust. sicherlich sind vieles sachen von sehr hohem standard, aber es ist keineswegs so, dass netlabels innovativer sind als hardwarelabels. das wäre verblendeter hype, so eine these zu vertreten. im prinzip ist es natürlich super, dass jeder mitmachen kann, ohne großartig kosten zu haben. demokratisch oder so meinetwegen, aber die zunehmende releasedichte ist mm nach ein problem. es wird wohl wirklich wichtig werden, dass es mehr portale/websiten gibt, die ein wenig vorfiltern, aussortieren, rezensieren und tipps geben. da ist aber ein problem, dass auch nicht zu unterschätzen ist: musikjournalisten und -journalistinnen sind fürchterliche faule langweiler (ich weiss das, bei mir isses ja auch ein hobby), die nur etwas besprechen, wenn sie es schön auf den tisch gelegt bekommen und angewinselt werden, ob sie es doch bitteschön besprechen könnten.
zumindest scheint das bei den großen blättern so zu sein. denke nicht, dass intro über thinner schreibt, wäre zu schön um wahr zu sein...
naja... es ist halt schwer kostenlose sachen loszubringen.

meint: ckid am 27.09.03

netlabel: label.
hardwarelebel: label.
jeder, der schonmal in den kontakt mit vinyl gekommen ist kennt das: es gibt eine heerschaar von labels, die "recht gutes" zeug releasen, dann einige labels mit b-seiten und dann echte kracherlabels, vo jeder release ein muss ist. warum sollte das bei netlabels anders sein? ich denke schon, dass zumindest ein zaghafter anfang bezüglich musikjournalismus netaudio gemacht wurde und wird (siehe debug und phlow), und ich denke auch, dass ein hinweis auf einen absoluten pflichdownload mehr wert ist, als 150 seiten plattenrezesion, wo worthülse an worthülse gereiht wird und die rezensionen lediglich die mittelmäßigkeit oder den guten standart der releases abbildet.

meint: 020200 am 27.09.03

Danke für dieses Interview. Sind viele wahre und interessante Statements drin, die mich zum nachdenken bringen.
Nur die Mittelmässigkeit der Musik im Netz kann ich so erstmal nicht unterstreichen. Klar gibts viel Schund, aber solange man ohne Probleme einen Abend lang wirklich tolle Sachen aus dem Netz spielen kann ist noch nichts verloren.

Die Unterstützung der Künstler ist eine Gradwanderung. Im Grunde sind die Musiker vor wie nach einem Release auf sich alleine gestellt. Schön ist wenn das Netlabel als Community oder als kleine idiologische Insel funktioniert, mit der die Unterstützung auf eine andere Art, als Freundschaft gegeben wird. Netlabels als Unternehmen sollte man wirklich mal kritisch betrachten, gerade weil man die Mentalität der Nutzer schnell komplett falsch einschätzen kann.

meint: [in]anace am 27.09.03

@ looza: vor einem monat war ich bei kompakt in köln und von 10 cds waren 8 bis auf kleine ausnahme-tracks ziemlicher schrott. hätte da lieber die einzelnen tracks gekauft. natürlich wird das internet noch vollgeschwemmter sein, was ja auch damals mit mp3.com passiert ist, aber da müssen sich die label-betreiber eben bemühen. schöne cover, texte und goodies für ihre künstler bereitstellen oder vielleicht auch mal etwas zum verkauf anbieten.

@ rené: gerade darum bemühen wir uns doch bei phlow. schöne und wertvolle links aus dem einheitsbrei herauszufiltern. außerdem sind einige blätter durchaus aufgeschlossen. nachdem ich für das dj magazine einen vierseitigen bericht schreiben durfte, gibt es ab der kommenden ausgabe sogar eine kleine kolumne, in der neue musik aus dem netz vorgestellt wird. man muss eben wie im normalen plattenladen "diggen". da liegt ja auch nicht alles vorsortiert.

@ martin: "...als 150 seiten plattenrezesion, wo worthülse an worthülse..." das sehe ich genauso. leider muss man das auch der de-bug bescheinigen. da gibt es nur noch *****-kritiken. dass ist vollkommen unglaubwürdig.

@ datamat: "Ich hoffe das die guten und interessanten Labels nicht von kommerziellen Angeboten überrannt werden." das werden brav die user entscheiden bzw. die qualität der releases etc. das finde ich persönlich das feine am netz. hier können sich ein paar freaks genauso, wenn oft nicht sogar perfekter darstellen, als jeder dicke indie. mit dem internet kann man ja auch hervorragend blenden usw.

meint: Moritz am 28.09.03

Perspektiven für Künstler aufbauen kann man heutzutage langfristig per physikalischen releases auch nicht mehr, in den Genres der unkommerziellen elektronischen Musik zumindest, die für ein breitwandiges Publikum uninteressant sind. Willst Du verkaufen, musst Du Dich anpassen, und ich bezweifle dass dies dann der Authenzität der Künstler noch entspricht. Insofern würde ich niemals wieder eine Platte unter diesem Aspekt der "erweiterten Perspektiven" veröffentlichen, als Labelmacher. Lizensierungen dagegen schon, denn das ist was ich den Artists anbieten kann: Eine Plattform die sich immer weiterer Beliebtheit erfreut. Staving But Happy 1 hat das ja vorgemacht wo das enden kann (Ist die jetzt denn schon rausgekommen?) Vor allem verbietet sich eine physikalische VÖ als unbekanntes Label/Artist aber den derzeitig herrschenden öknomischen Voraussetzungen, aus meiner Perspektive zumindest, andere sehen das aber Anders. Und in Abhängigkeiten begeben von Vertriebsstrukturen, naja ich weiß nicht. Zahlungsmoralen sind diesbezüglich ja geäufig, vor allem hinsichtlich kleinerer Labels. Die Netlabelszene wächst zwar kontinuierlich, aber Konzepte zur Qualitycontrol sind ja in der Mache, das hatten wir ja schon an anderer Ort und Stelle (Marc). Langfristig wird sich da die Spreu vom Weizen sicher trennen, bzw. einige Labels auch abseits des Internets an Hörerschichten heranwagen: Die Wahrnehmung von Indiemusik im Netz hängt primär davon ab, ob das Netlabel bereit ist, promotion auch abseits von Mailinglisten oder Newslettern zu fahren. Ich glaube, außer Thinner macht das im Moment noch kein Netlabel, was ich schade finde. Und die Resonanz bisher ist hervorragend, vor allem im Airplay bereich (Eins Live, HR-XXL). Die sind ganz klar interssiert worums da geht. Wer nicht wagt, wird nicht gewinnen. Das Ansprechen eines breiteren Publikums verbietet dann auch moves, z.B. .ogg zu releasen, wenn man die Schicht der Musikhörer ansprechen will abseits der Computernerds, die stets die neusten Fileformate und Plugins haben. Und selbst das In:tro hat Digitalverein sehr positiv gereviewed ;) Und beim Netlabel verhält es sich so wie bei jedem anderen Unternehmen, in der Anfangszeit, wenn es darum geht eine potentielle Käuferschicht anzusprechen investiert man erstmal in Marketingaktionen, die Rentabilität erschließt sich langfristig. Wobei ich persöhnlich nicht vorhabe davon mal Leben zu wollen, aber durch einen Bekanntheitsgrad wird es umso leichter Bookings zu kriegen. Und die hat Thinner ja heute schon in seiner Regelmäßigkeit, von musikalischen Auslandsaufenthalten ganz zu schweigen, die selbst für etablierte Künstler eher schwer realisierbar sind. Durch steigenden Bekanntheitsgrad wird sich das sicher noch steigern, was dann auf die Gagen der Artists zurückfällt.

Viele Grüße
Sebastian

meint: Sebastian am 28.09.03

zu Moritz,

"das werden die User entscheiden" hmm Abstimmung mit Füßen also. Nur wenn man jetzt nicht langsam die "breite" Masse von Liebhabern elektronischer Musik mobilisiert, werden die Fußfaulen dann auch nur zu den großen Angeboten surfen. Die es ja noch nicht gibt. Bücher im Netz kauft man ja auch eigentlich nur noch bei Amazon... Es bleibt also noch Zeit und Thinner ist da sicher auf dem richtigen Weg, mit der Promotion und vor allem den Weg weg vom "Nerdigen" Image von Netaudio. Ach ist das mal eine schöne Diskussion :-)

meint: datamat am 28.09.03

ja ja die netlabelszene. Im Moment passiert dort wirklich viel und ich denke, dass sich die Netlabelszene in der elektronischen Musik der "richtigen" Labellandschaft anpasst. Es kommen doch mehr Leute auf den Trichter, das Netaudio auch zum Bekanntwerden lohnt und mit einem kleinen Vinyllabel verdient ja auch keiner was.

Mit der Qualität ist das so eine Sache. Ich persönlich fand es immer super, das irgendwelche Leute aus dem hintersten Winkel des Globus ihre musikalische Vision ins Netz stellen. Wenn das dann mal nicht so eine hohe Qualität hat, who cares? Das ist schließlich das schöne im Netz. Jeder der will, kann. Ich freue mich aber auch über tolle Releases der "alten" labels wie z.b. Thinner oder TDR und erwarte mit Spannung die Entwicklungen a la Textone.

Allerdings dieses wettern von De-BUg gegen IDM im Netz kann ich nicht untersützen. Ich freue mich auch über 4er Beats und klasse Techno aber IDM sollten auch die Netlabels nicht missen.

Ich hoffe das die guten und interessanten Labels nicht von kommerziellen Angeboten überrannt werden.

meint: datamat am 28.09.03

@datamat: "wettern von de-bug gegen IDM im Netz"...
Wenn das jemand macht bei de:Bug, dann meistens ich, weil ich nicht an objektiven journalismus glaube und zu sehr den fanzine-hintergrund habe = subjektivität, Janko findet die Sachen von Mono211 immer wieder klasse, ich teilweise auch, aber eben nur teilweise. Doch es ist bei mir wie mit Hardware-Releases: geh mir weg mit IDM, zumindest in 80% aller Fälle. Kollektiv von "de:BUG basht IDM" zu sprechen, wäre etwas vereinfacht, wenn schon, dann "der rm, der idm basht". Danke. Finde es einfach gut, wenn es nach und nach endlich mehr stilistische Vielfalt gibt im Netaudio, wie ich eben auch Ideology prinzipiell nicht als meine Tasse Tee werte, finde ich es doch sehr gut, da es das Angebot doch um Facetten erweitert.

@moritz: ich weiss, dass sich phlow darum bemüht und dass es einen artikel im dj mag gab. doch ich finde: wenn die dichte weiter steigt, wird einfach noch mehr gefiltere und auswahl/rezi notwendig werden, weil die leute gar nicht die zeit haben, sich alles runterzuladen und durchzuhören. ist ja schön, wenn das so ist, da gibt es dann arbeit zu tun und entdeckungen in hülle & fülle... aber das kann phlow, dj mag und die debug alleine nicht schaffen, bzw. ich vermisse es noch immer in den anderen mags wie groove oder spex oder intro...

@sebastian: dorian von simball records liegt im echten leben seit mehr als 7 monaten im koma. die jungs von languis kümmern sich rum, mit september 2003 wird es wohl nix mehr. verschiebungen bei labels auf diesem level sind aber sowieso gesetz.
es wäre jetzt auch nicht so gewesen, dass mit sowas geld zu machen wäre. aber wenn jemand das geld hat und das risiko tragen möchte, habe ich da großen respekt vor. mit hardware erreichst du immer noch andere hörer und nicht jeder nutzt seinen rechner als jukebox.

ihr müsst bedenken: demographisch wird d immer älter, irgendwann kommt das vinylrevival und ferrocassetten wird es auch wieder geben ...
:-P

meint: ckid am 29.09.03

ckid; klar das es bei so einer Lizensierungsgeschichte nicht um Geld geht, was ich in meinem Post diesbezüglich eher meinte ist dass es eine gute Sache für Artists ist, wenn Sie *durch* das Netlabel zum Release kommen. Und wenn sogar die komplette Compilation lizensiert wird ist das sogar noch besser.

meint: Sebastian am 29.09.03

hmmm... ja, es ist toll, dass ein ganzer release als cd releast wird... aber sbh1 ist auch wieder ein beispiel dafür, wie lange es dauert so ein release als hardware auf den weg zu bringen. ging beim anorak album, das nun draußen ist ähnlich langsam. das ist nunmal so, wenn die labels nebenher gemacht werden und privatleben oder job turbulenter sind.
nun, es ist eine chance, ein hardwarerelease zu machen, aber tatsächlich ist es fraglich ob du damit _mehr_ leute erreichst. in unserem falle wohl eher nein, das sind dann eben _andrere_ leute.
mir persönlich sind hardware-release einfach lieber, da ich da was anpacken kann, momentan geht das aber scheinbar immer schlechter, dass dieses dinger dann auch verkauft werden, aber das ist ja wiederum ein ganz anderes thema. :-)
netaudio ist eine alternative. noch ist alles halbwegs nachvollziehbar, aber es wird immer undurchsichtiger und voller.
das tracklisting von sbh1 wurde komplett überarbeitet, zwei tracks gedroppt und drei andere dazu gefriemelt, was auch nicht allen geschmeckt hat, aber die frage war dabei: kaufen es die leute, wenn es bisher umsonst war?
ich bleibe gespannt, denn allein der sound (128kbps waren es eigentlich und die original wavfiles wurden für die cd im mastering studio von tortoise in chicago richtig gemastert...) ist besser... naja, egal. schaun mer mal. die hippocamp cd, die ein kleines label aus d geplant hatte, scheint auch wie eine seifenblase zerplatzt zu sein,... schade!

meint: ckid am 29.09.03

Hallo, nah wo waeren die musik kunstler ohne das netz ? Wo waeren tokyo dawn ? Problemen, die es jetzt noch gibt werden sehr schnell andern, technik und zahlungs formats werden sich innerhalb 5 jahren 'breitmachen'.
Das es auch im netz problemen mit qualitaet und marketing gibt ist wahr, aber im vergleich mit 'gestern' ist zugang zu die musikwelt nicht langer das perogativ von selbsteingenommenen manager und ihre puppchen. Und das kann die qualitaet nur gut tun.
Kunstler wie tokyo dawn werden noch einige jahren warten muessen, ehe es eine erste echte ernte gaeben wird, und wie immer gibt's keine garantien.
Unter den strich muss es immer den willen zur musik machen gaeben und das ist gut so, denn ohne das waere die ganze musik-industrie uberliefert an die teflon-opportunisten.

meint: toxi am 30.09.03

Die Releaseflut geht doch eigentlich schon in Ordnung, das Problem ist: Wie komme ich als Hörer an die Musik die ich will? Wurde ja hier schon in etwa so gesagt.

Da liegt nun die Hauptfunktion eines Label, aus Sicht des Hörers: Durch eine klare Auswahl ein Profil schaffen, bei dem man in etwa vorher Wissen kann, was einen erwartet. Tokyodawn und Thinner sind da doch sehr schöne Beispiele.

Aber wirklich interessant wird es aus Sicht der Musiker. Klar können viele mit einem Release auf einem "großen" Netlabel Publicity bekommen. Da kann dann schon mal ein "echtes" Release abfallen. Schön erst recht, wenn man wie bei Thinner Bookings bekommt. Aber die Perspektiven die sich auftun sind meiner Meinung nach noch um einiges größer. Ich glaube reine "Spenden" an die Musiker wären schön und gut, aber auf lange sicht wäre es besser, wenn an Labels (freiwillig) gezahlt werden kann, wobei ein Teil des Geldes immer für neue Musik eingesetzt werden sollte. Den Leuten kann man doch klar machen, dass sie mit einer Spende nicht nur den Künstler für sein Stück entlohnen, dass er schon gemacht hat, sondern dass sie vor allem in zukünftige Stücke investieren. Wenn man die Musik liebt, dann kann man ja durch Zahlungen erreichen, dass es künftig noch mehr davon geben wird. Und genau an der Stelle müssen die Labels nach meiner Meinung ansetzen.

meint: Mama am 01.10.03

hey, im realen leben bin ich sozialhilfe-empfänger ... :)

meint: looza am 01.11.03

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