Testbericht: Pioneer DVJ-X1 DVD-Player

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pioneer_dvd_1.jpgScratches, Loops und Vinyl-Feeling mit einer Silberscheibe ist nix Neues? Doch, wenn es sich dabei um eine DVD handelt und ihr zum Audio auch das Video mixen könnt! Unser Test des Pioneer DVJ-X1 DVD-Player.

Text: Nikolai Kaeßmann

Der DVJ-X1 ist eine Weltneuheit. Auf den ersten Blick kann man ihn zwar mit dem CD-Spieler Spitzenmodell CDJ-1000MK2 verwechseln, doch die neueste Schöpfung aus dem Hause Pioneer hat ein entscheidendes Feature mehr: sie spielt auch DVDs.

Der erste seiner Art


pioneer_dvd_7.jpgSchaut man genauer hin, so entdeckt man schnell ein paar optische Unterschiede. Das Display ist leicht schräg gestellt und darunter befinden sich einige zusätzliche Knöpfe. Der DVJ-X1 wirkt ein wenig größer, aber da ich keinen CDJ-1000 zum Vergleich hatte, kann ich mich da auch täuschen.

Die Bedienung ist so einfach geblieben, wie man es von einem Pioneer Player gewohnt ist und jeder, der schon einmal mit einem der Pioneer "Vorgänger" gearbeitet hat, findet sich sofort zurecht. DVD, DVD-R/RW oder CD (CD-R/RW), denn die liest das Gerät selbstverständlich auch, vorne in das Slot In-Laufwerk einlegen und nach 8 (DVD) bzw. 5 (CD) Sekunden geht es los.

Diese Zeit nutzt der DVJ-X1 offensichtlich zum Zwischenspeichern von Daten, denn nur so kann ich mir dir doch recht lange Wartezeit erklären. In Sachen Fehlerkorrektur ist das Gerät aber so auch wieder über alle Zweifel erhaben. Meine Kratzer-CD, die ich Euch im letzten Test ausführlich vorgestellt habe, lief ohne Probleme.

Bedienung


Auch sonst liefert Pioneer gewohntes in der üblich hohen Qualität ab. Zentrales Bedienelement ist das Jog-Wheel, das über zwei getrennte Bedienungs-Zonen verfügt. Fasst man oben drauf, so kann man wie mit Vinyl scratchen, an den Seiten kann man einen Track anschubsen oder abbremsen. Anfahrt- und Bremsgeschwindigkeit sind regelbar und der Vinyl-Modus kann auch ganz abgeschaltet werden.

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Der Pitch verfügt über eine regelbare Geschwindigkeit von +/- 6, 10, 16 und 100 % mit Mastertempo. Mastertempo ist hierbei die Geschwindigkeitsveränderung bei gleich bleibender Tonhöhe des Audiosignals. Dazu gibt es drei speicherbare Hot Cue-Punkte für jeden Track und einen Seamless Loop mit Reloop-Funktion, der wie gewohnt perfekt und rund läuft, wenn man denn mit ein bisschen Rhythmusgefühl und Übung die Takte richtig trifft.

Mit einer leider nicht mitgelieferten SD-Karte, die man in den dafür vorgesehenen Schlitz steckt, kann man Cues und Loops abspeichern. Außerdem wird so auch die Wellenformanzeige pioneer_dvd_3.jpgabgespeichert, die das Display neben allen weiteren wichtigen Infos, wie Tracklänge oder dank eingebauten Beatcounters auch die BPM, anzeigt.

Bei dem von uns getesteten Modell handelte es sich übrigens um eines der ersten Geräte, das auch zwar mit der aktuellsten, aber wohl nicht endgültigen Software-Version lief. So kam es wohl auch zu dem einzigen Fehler, den ich bei dem Gerät finden konnte, als nach heftigem Loop-Einsatz der Player steif und fest behauptete, mein 142 BPM schneller Track hätte ein Tempo von 178 BPM. Da half nur ein kurzes Aus-und wieder Einschalten und der Beatcounter wippte wieder fröhlich im Takt.

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Pioneer hat bereits angekündigt, dass es auch in Zukunft weitere, kostenlose Software-Updates geben wird, so dass auch ein bereits jetzt gekauftes Gerät auch in Zukunft immer auf den neuesten Stand bringen kann. So soll es beispielsweise Mitte nächsten Jahres ein MP3-Update geben und auch über eine DVD+R-Kompatibilität denkt man bei Pioneer nach.

Ein kleiner Schritt für Pioneer...


...ein etwas größerer für das Abspielformat. Alle von mir erwähnten Features funktionieren nämlich nicht nur mit CDs, sondern auch mit DVDs. Und zwar nicht nur mit Daten-DVDs, auf denen sich jede Menge Audiotracks unkomprimiert befinden (also praktisch eine übergroße CD), sondern auch mit Video-DVDs.

pioneer_dvd_6.jpgZur Ausgabe des Bildmaterials gibt es auf der Rückseite jede Menge Anschlüsse vom professionellen Composite-Ausgang über zweimal Cinch bis zu zwei SVHS-Ausgängen. So kann man neben dem Videomixer oder Beamer auch einen Kontrollmonitor anschließen. Für das Audiosignal steht ein analoges Cinch-Päarchen zur Verfügung.

Wer zu Hause auf dem Gerät gerne Spielfilme sehen möchte und auf den Mehrkanal-Sound dabei nicht verzichten kann, muss auf den digitalen Audio-Out zurückgreifen. Im dann zu verwendenden "Normal"-Mode stehen allerdings die DJ-Funktionen nicht zur Verfügung. Und gerade hier liegen die Stärken des DVJ-X1.

Denn zu perfekten Audio-Loops, Scratches und blitzschnellen Cue-Punkt-Mixen läuft das Bild immer synchron mit. Auch Pitches funktionieren super und das Bild bewegt sich in Zeitlupe oder schnell, wie bei einem alten Stummfilm, aber immer synchron. Schließt man einen Kontroll-Monitor an, so kann man nicht nur das Video vorher begutachten, sondern sieht zu den Cue-Punkten auch kleine Vorschau-Bilder und alle nötigen Infos wie Track oder Kapitel auf dem Bildschirm. Gewünscht hätte ich mir vielleicht noch ein paar Video-Effekte zur Verfremdung des Bildes, aber viele Video-Mixer haben so etwas heute schon integriert, so dass man darauf auch verzichten kann.

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Fazit


Klingt alles super, gibt's da keinen Haken? Doch, den gibt es. Pioneer hat als Zielgruppe wohl eher nicht den Heim-DJ anvisiert, sondern vielmehr Clubbesitzer, Veranstalter und Equipment-Verleiher. Der DVJ-X1 kostet nämlich laut Liste heftige € 3600,– und ist somit für den Endverbraucher ziemlich teuer bzw. unerschwinglich.

Dazu kommen noch die Anschaffungskosten für einen Videomixer und mal ehrlich: wenn schon, dann sollten auch zwei Player her, denn sonst macht das Video-Mixen keinen Sinn.

Aber es gibt Hoffnung. Erinnert euch mal zurück, was die ersten Video- oder DVD-Player gekostet haben und schaut euch mal aktuelle Preise an. Der DVJ-X1 ist ein ganz neues Gerät, das bislang völlig allein am Markt ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass in ein paar Jahren das DVD-Mixen so selbstverständlich sein wird, wie heute der CD-Player-Einsatz im Club. Bis dahin ist der DVJ-X1 noch ein seltener Exot, aber dennoch schon jetzt ein klasse Teil.

Vorteile +Nachteile -
- Neuartiges Produkt
- einfache Bedienung
- Spitzenlaufwerk
- sehr gute Verarbeitung
- für Endverbraucher recht hoher Preis
- einer allein macht wenig Sinn

Links

Firmen-Website: www.pioneer.de Produkt-Seite: Pioneer DVJ-X1 DVD-Player
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Kommentare

hat jemand 10.000 euro - würde mir gerne zwei von den pioneers kaufen und ein ordentliches video-mischpult. bin ja mal sehr gespannt, wie lange es dauert, bis solche geräte in akzeptable preisregionen kommen. das könnte der ganzen club-kultur evtl. echt noch einmal einen dicken kick geben

meint: test0ster0n am 11.11.04

Naja, für Clubbesitzer ist das sicher ganz cool, aber für 3000 Euro bekommt man zwei Laptops und hat vielleicht noch etwas übrig für Video/Audio-Software, falls man keine freie nutzen kann oder möchte. Eigentlich braucht man auch keine zwei Laptops, weil man ja unterschiedliche Videos und Audiotracks auch auf einem mixen kann. Da man sowieso einen Rechner braucht, kann man sogar sagen: Statt 3000 Euro bekommt man eine e-VJ/e-DJ-Lösung als Laptopnutzer umsonst. Da fällt die Entscheidung gegen den Pioneer, so cool der sicher ist, leicht.

meint: frank am 15.11.04

laut pioneers webseite planen sie "in naher zukunft", zwei von den teilen + mischer in einem gerät zu vereinen. bin auch sehr auf den preis gespannt..

meint: heinz am 23.12.04

ich hab die live in t-mobile forum, performed by addictivetv gesehen. fucking unbelievable, die party bzw ihre vj-show war einmalig, check:
addictive.com for more information

meint: baistanchev am 26.03.06

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