Terranova - Let There Be Rock

Rubrik » Interview Portrait

Let There Be Rock - TerranovaLange hat es gedauert bis Terranova endlich mit ihrem zweiten Album wieder aus dem Studio kriechen. Neue Aufträge für Filmmusiken haben immer wieder und wieder dazwischengefunkt. Doch am Ende ist aus der Filmmusik zum Streifen "Jeans" ihr neues Album entstanden und das ist so ganz anders, als man es vermutet hätte.

Betrachtet man das Albumcover und lässt den blutroten Mund auf seinen visuellen Hirnlappen wirken, so schleichen sich Assoziationen zum Knutschmund der Rolling Stones ins Gedächtnis. Spätestens mit dem letzten Track "Goodbye Bye The Ferrari", der in schierem Edit-Wahnsinn Rockgitarren durch alle möglichen Filter schickt, mutet man sich auf der sicheren Seite und versteht es als Anspielung. "Nette Idee", desillusioniert Fetisch, "aber ich wollte nur ein Motiv, dass auch als CD-Cover wirkt und dachte der Mund funktioniert." Trotzdem ist "Hitchhiking Nonstop With No Particular Destination" mit seinen wuchtigen und schmatzenden Basslines, mit seinen treibenden Drums und Riffs Rock in Reinkultur. Andere würden es vielleicht auch Bigbeat nennen, doch damit haben Terranova kein Problem.

Punk lebt

Nicht zuletzt deuten sie ja auch mit ausgestrecktem Zeigefinger, indem sie als Gastsängerin Ariane der legendären Girl-Punk-Band "The Slits" an Bord holten, wohin die Reise geht. Die Tochter von Johnny Rotten, die mit 14 Jahren Punk lebte, um später "im Dschungel ohne Elektrizität zu verschwinden", wie Sebastian erzählt, singt in zwei Tracks über die Instrumentals. Irgendwie reist man mit Terranova in die frühen Achtziger und Neunziger, wo scheinbar viel mehr experimentiert wurde. Veröden heute viele Genres in ihren Nischen, so strotzten viele der damaligen Tracks nur vor Stilvielfalt. Man erinnere sich nur an "M.A.R.R.S." oder auch "The Power" von Snap. Fetisch und seine Kumpanen knüpfen genau da an und drehen am...

Pogo

...-Filter. Krachiges, Rock-Riffs, Jamaika-infiziertes, Raps, tief (g)Rollendes wird hier in einen Topf geworfen, um die Tanzfläche zum Kochen zu bringen. Ohne Retro zu sein, besinnt man sich auf Stilvielfalt und lässt Sebastian gern mal wieder zur Stromgitarre greifen. Obwohl der Ex-Rocker selbst nur gähnt angesichts aktueller Rocktrends, so versucht man doch mittels Software dem Ganzen etwas Neues abzugewinnen. Die Initialzündung für die Stilbrüche mag da vielleicht der Berliner Club Pogo gewesen sein, an den sich Fetisch mit Begeisterung und Wehmut erinnert: "Im Pogo Club ging alles los. Es ist so ein geiler Club gewesen. Da war so die Hölle los. Ausnahmezustand. Es war nie aggressiv. Da habe ich meinen Musikstil geändert nachdem ich so massives Feedback an einem Abend bekommen habe. Vielleicht hat sich das auch auf das Konzept der Platte ausgewirkt."

"Wir sind die Kinder die sich hinter ihrem Spielzeug verstecken"

Trotz Blick in den Rückspiegel schauen die Jungs nach vorne. Begeistert schwärmen sie von den neuen Möglichkeiten des mobilen Power-Book-Studios, haben sämtliche pseudo-moderne Hardware verkauft, hassen die MPC und zücken liebevoll ihren Apple, um im Interview ihre neuesten Verbrechen zu präsentieren. Andere, wie z.B. der befreundete Rob von den Stereo MC's, können gerne ihren Kopf für die eigene Band herausstrecken, Respekt, aber selbst verkriechen sich Terranova lieber im Studio oder rocken den Club.

(Moritz Sauer - Text geschrieben für De-Bug 64)

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