Steve Bug: Fünf Jahre Pokerflat

Rubrik » Interview Portrait

stevebug.jpgSteve Bug ist einer der wichtigsten DJs Deutschlands, wenn es Minimal House geht. Neben gemeinsamen Produktionen mit Größen wie Richie Hawtin, führt er auch sein eigenes Label Pokerflat. Und das ist gerade fünf Jahre alt geworden. Grund genug einmal nachzufragen, wie es denn so läuft – das Pokerspiel. Heiko Kunz sprach mit Steve Bug über Labelchancen, Haare und Privates.

Pokerflat feiert sein fünfjähriges Bestehen. Ein Grund optimistisch zu sein oder eher besinnlich, da die Musikindustrie stöhnt und es vielen Labels derzeit nicht gerade blendend geht?

Für uns läuft alles bestens, das Label hat weltweit einen sehr guten Stand und wir haben dieses Jahr viele starke Release, auch von namentlich bekannten Acts, die bisher nicht auf Pokerflat released haben. Es kommen diverse Album Projekte und auch sonst ist einiges in Arbeit.

Wir haben uns in den 5 Jahren mit unseren Künstlern weiterentwickelt, und es sind neue hinzugekommen. Es sind sehr gute Leute am Start, die alle irgendwie einen eigenen Sound haben, und trotzdem bilden wir eine Einheit, dass ist es, was mir so gut gefällt. Es gibt keine wirklichen Soundvorgaben, die Tracks sollten nur interessant genug sein und uns gefallen um released zu werden. Und ich glaube auch, dass ist es auch, was uns am Leben hält.
Superstition hat sich von seinem Vertrieb EFA getrennt und ist zu Intergroove gewechselt – Pokerflat folglich auch? Welche Gründe gab es für diesen Schritt und wie siehst du die Zukunft von EFA?
Wir waren nicht mehr ganz glücklich mit der Zusammenarbeit, und wir haben für die Zukunft keine großen Chancen auf eine Veränderung gesehen. Näheres möchte ich hier nicht sagen, da es einfach nicht hierher gehört.

Du hast damals RAW ELEMENTS eingestellt und dafür Pokerflat und Dessous ins Leben gerufen. Was hat dich zu diesem Entschluss bewogen und hast du ihn schon einmal bereut?

Wir hatten zu diesem Zeitpunkt sehr unterschiedliche Releases auf raw elements, und kamen zu dem Schluss, dass es besser sei diese auf zwei Label zu verteilen, um nicht zuviel Verwirrung zu stiften. Ich glaube, dass das eine sehr gute Entscheidung war, und habe sie nicht einen Moment lang bereut.
stevebug2.jpgWas würdest du jungen Leuten raten, die ein eigenes Label gründen wollen – ich denke da nicht an Motivationssprüche wie, "ihr müsst einfach an euch glauben"“, vielmehr was rätst du bzgl. GEMA, GVL, Vertrieb, Presswerk, Lizenzierung, Werbung, Veranstaltungen, usw.?
Um ehrlich zu sein, würde ich im Moment niemandem raten ein Label zu gründen. Es gibt bereits tausende Labels und die laufen teilweise leider sehr schlecht. Es gibt einfach zu viele Platten jede Woche, die kann doch keiner mehr kaufen. Ich bin auch hier für Reduktion, weniger Platten, aber dafür Releases auf höherem Niveau. Wenn jemand ein Label machen will, nur um seine eigenen Sachen raus zu bringen, macht es wirtschaftlich vielleicht noch einen Sinn, aber sobald er andere Künstler ausbezahlen musst, kann man schnell mal minus machen.

Wer dennoch eins machen will, sollte sich über Dinge, wie GEMA usw. genauestens informieren, denn wer Jahre lang nicht zahlt, kann auch plötzlich mal eine böse Überraschung erleben, sollte die GEMA jemals hinter die bisherigen Tätigkeiten/Release kommen Die sind da scharf hinterher.

Zu Presswerken, Lizenzen und so gibt es tausend unterschiedliche Meinungen, einfach ausprobieren, wie man selber am besten fährt.
Zum Thema "Reine Kopfsache": Du bist ursprünglich Hairstylist. Schneidest du sehr engen Freunden noch die Haare, so wie es die meisten Frisöre tun oder hast du dein Werkzeug seither nicht mehr angefasst?
Ich bin seit ca. 10 Jahren nicht mehr in dem Beruf tätig, da wäre es wirklich komisch, wenn ich noch immer Haare schneiden würde. Außerdem bin ich natürlich mit Labelarbeit, auflegen, rumfliegen und produzieren ausgelastet und bin froh, wenn ich in meiner wenigen Freizeit nicht arbeiten muss!
Das geht jetzt sicherlich etwas ins Private, aber was macht Steve Bug eigentlich privat?
Da ich tatsächlich fast jede woche7 Tage arbeite, bleibt kaum Zeit für privates, aber wenn ich dann doch mal Zeit finde, treffe ich mich mit Freunden und gehe gerne gut essen. Zusätzlich versuche ich soviel Sport wie möglich zu machen, als Ausgleich zum Club- und Studioleben.
Abschließend versetzen wir dich zu guter letzt in die Rolle eines Visionärs. Wie könnte man sich Steve Bug in 20 Jahren vorstellen. Was macht er, wie und wo lebt er?
Keine Ahnung, mal sehen was kommt.

Label-Website: www.pokerflat-recordings.com


Das Interview führte Heiko Kunz und erschien bereits im Partysan.

Als Favorit speichern » AddThis Social Bookmark Button
Klick-Konzept - Essentielles Webdesign