Stadtgrün Netlabel: Die Stadt wird grün!

Rubrik » Interview Portrait

stadtgruenlabel1.jpgDie ersten Releases des noch ganz frischen Labels Stadtgrün lassen großes Erwarten. Wer steckt hinter dem stylishen Auftritt? Alte Hasen aus der Szene? Thomas Höverkamp traf sich mit Axel in Hamburg, wo beide leben und musizieren, zu einem netten Plausch. Vorhang auf für die Vision und Philosophie der Netzmusik von Martin und Axel.

Thomas Höverkamp: Der Name Stadtgruen löst schnell verschiedenste Assoziationen bei mir aus. Was steckt hinter dem Namen?

Axel: Stadtgrün bezeichnet den ausgewogenen Zustand von zwei Dingen. Auf der einen Seite die Stadt, der Kulturaspekt. Auf der anderen Seite der Naturaspekt, Gruen, das dann wieder in einen ausgewogenen Zustand gebracht werden muß. Es entspricht auch meiner Vorliebe für asiatisches Denken, also Ausgewogenheit finden. Diese Mitte muß man aber auch immer wieder neu erstreiten. Streitkultur ist aber eine sehr europäische Angelegenheit. So bezeichnet Stadtgrün für uns diese ausgewogene Mitte, nicht aus dem asiatischen Denken heraus, sondern aus dem europäischen Denken. Die Musik, die wir präsentieren wollen, ist schließlich europäische Musik.

Thomas Höverkamp: Eure Veröffentlichungen sind sehr unterschiedlich. Zum einen du selbst als Lomov mit ruhigen Klängen und eure zweite Veröffentlichung spielt in der härteren Detroittechno Liga mit. Sind das die zwei Seiten von Stadtgruen?

Axel: Wir haben das Label getrennt und zwei Richtungen mit Stadt und Gruen eingeschlagen. Die Stadtseite ist mehr technoid und auf den Dancefloor ausgerichtet. Grün geht schon mehr in die Richtung Ambient. Wir wollen immer abwechselnd ruhige Sachen und Tanznummern veröffentlichen. Es gibt auch Berührungspunkte, z.B. ein Grün Release kann auch mal etwas härter sein oder die Stadt ein smoother Flächentechno. Das ist in unserem Konzept auch so vorgesehen.

stadtgruenlabel2.jpgThomas Höverkamp: Ihr seid ja eigentlich zu zweit bei Stadtgruen. Du wohnst in Hamburg und dein Labelmitbetreiber in der Nähe von Nürnberg. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Axel: Wir haben uns übers Internet kennengelernt. Wir waren beide beim Musikportal myownmusic. Ich hab ihn angesprochen, weil ich einen Track von ihm gehört hatte. Das war genau der Stil war, den ich selber sehr gerne höre. Daraus ist dann eine Internetfreundschaft entstanden.

Thomas Höverkamp: Wie kam der Gedanke ein Netlabel zu gründen?

Axel: Die Qualität bei diesen Musikportalen ist natürlich sehr different. Die Perlen findet man sehr selten. Ich finde den Netlabelgedanken sehr gut, weil da ist eine weitere Instanz involviert. Es gibt jemanden, der sich die Tracks anhört, und nimmt es dann zu seinem Label, oder aber auch nicht. Das ist auf den Musikportalen nicht so, da kann jeder hingehen und seine Musik präsentieren. Ein Netlabel ist konsequenter Weise der nächste Schritt von den ersten Anfängen weiter in die Öffentlichkeit zu gehen.

Thomas Höverkamp: Muss man als Netaudioartist also auf vielen Labels releasen und Netzwerke bilden um glaubhaft zu sein?

Axel: Mann kann sich nicht selbst wirklich auf seinem eigenen Label präsentieren, das hat immer irgendwie einen unguten Beigeschmack. Der nächste Schritt wäre dann ein engere Zusammenarbeit zwischen den Labels. Für Netaudioparties ist das natürlich dann schwierig. Man kann nicht mal kurz jemanden aus Südamerika einfliegen. Innerhalb Deutschlands oder innerhalb gewisser europäischer Grenzen mag das ja vielleicht auch noch gehen. Viele dieser Leute sind auch sehr darum bemüht, herum zu kommen. Das macht das auch wieder sehr lebendig.

Thomas Höverkamp: Denkst du, das die Netaudioszene mit der “normalen” Musikszene zusammenarbeiten sollte oder eher ihr eigenes Ding aufziehen sollte?

Axel: Ich denke schon, dass es eine Zusammenarbeit geben muß. Ich denke mindestens jeder zweite Netlabelartist möchte auch seine ganz normale Veröffentlichung auf einem Plattenlabel haben. Die Label wiederum haben dann die Möglichkeit einfach ins Internet reinzuhören. Was die Netaudioszene noch weiter verstärken kann, ist der Weg, daß jedes Label mehr oder weniger seinen eigenen Stil finden sollte und diesen dann weiterentwickelt. Wir haben lange an der Philosophie hinter unserem Label gearbeitet. Wenn andere Netlabel das auch machen, dann ist die Auswahl dann für ein richtiges Label natürlich einfacher.

Thomas Höverkamp: Das ist ja ein relativ klassischer Ansatz eines Labelbetriebs. Gehen da nicht auch Chancen für Netaudio verloren, wenn man die alten Konzepte einfach ins Netz überträgt?

Axel: Es ist erstmal der einfachste Weg für die "Konsumenten" um sich damit zurecht zu finden. Wenn man es zu extrem anders macht, dann hat man auch nicht die Aufmerksamkeit. Wenn ich mich bei einem Netlabel durch 200 Einzeltracks durchwühlen dann würde ich wahrscheinlich nach dem 10ten aufgeben, wenn ich nicht das finde, was ich suche. Ich sehe aber das was im Moment aufkeimt als elektronische Kultur und da stehen wir erst am Anfang. Mann kann Angst haben, daß wieder verkommerzionalisiert wird aber ich denke, daß es einen Bereich geben wird, der neben dieser allgemeinen Businesszene weiter existiert. Die Netaudioszene ist wirklich die Kreativecke. Die Leute können selbst bestimmen, nach ihren eigenen Visionen, wie Sound in Zukunft aussehen kann. Dort kann man all die Software die entwickelt wird auch ausprobieren. In dem Maße ist das in der Musikszene nirgendwo anders möglich.

Thomas Höverkamp: Vielen Dank für das Interview.

Phlow dankt Thomas herzlich dafür, dass wir das Interview, dass bereits im Mari-Posa E-Zine erschienen ist, spiegeln durften.


Label: www.stadtgruenlabel.net

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