Rubin Steiner - "Punk"-Jazz mit Groove und Humor

Rubrik » Interview Portrait

site-rubinsteiner.jpgFred Landier alias Rubin Steiner hat im Interview und auf der Bühne ein stetiges Schmunzeln im Gesicht. Seine braunen Augen funkeln amüsant und der kleine Kinnbart verstärkt noch ein wenig mehr, dass man hier einen humorvollen und spleenigen Menschen vor sich hat. Auch wenn er manchmal fast schon brav wie Bambi wirkt, auf der Bühne eher schüchtern den Blickkontakt verwehrt, so blitzt doch in jeder Sekunde der Schalk und die Intelligenz aus den Augenwinkeln. Als Zuschauer sitzt einem das Gefühl im Nacken, dass der Franzose einen hier womöglich ein wenig an der Nase herumführt, was jedoch dem Spaß und Entertainment keinen Abbruch liefert.

site-rubinsteiner2.jpgMit seiner Mischung aus Jazz plus House- und HipHop-Beats steht er eigentlich in der Tradition eines St. Germain, rutscht einem jedoch durch die Hände, weil er weder poliert noch elegant wirkt. Vielmehr tobt sich der Lebenskünstler in trashigen und melodieverliebten Stücken aus, als irgendwo in einer Loungeecke geschniegelt und relaxt zu sitzen und mit dem Kopf zu nicken. Er ist Autodidakt, hat Sampler und Elektronik erst spät entdeckt, gesteht er, und ein richtiger Musiker sei er auch nicht.

So verwundert es einen nicht, dass der Autodidakt mit seinen Freunden locker und ungezwungen in Jeans und T-Shirt die Bühne rockt. Während der Bassist Sylvestre Perrusson mit wuscheligem Schopf sein Instrument mal streicht, mal in bester Beastie-Boys-Manier verzerrt oder auch funky durch einen Wah-Wah-Filter jagt, pustet Benoît Louette gefühlvoll in seine Posaune. Als Kopf seiner Truppe kontrolliert Fred Landier die Sampler, murmelt, schreit und rappt in sein Mikrofon, dass es nur so eine Freude ist. Die Schützengräben, die HipHopper oder House-Heads um sich gezogen haben, zerpflügt er hierbei mit Humor und schert sich den Teufel um Credibility. Denn ihn kitzelt die Abwechslung und so wirkt nicht nur das Album, sondern auch die Konzert unverbraucht und abwechslungsreich.

site-rubinsteiner3.jpgSeinen Kumpels macht die Show mindestens genauso viel Spaß. So hüpft der Bassist während einer Spielpause zu den De La Soul angehauchten Tracks euphorisch über die Bühne und zückt seine schlechtesten HipHop-Schritte, um das Publikum zu animieren. Zur Krönung des Auftritts wird dann noch der kleine Hund des Trios provoziert und die Gäste biegen sich vor Lachen als sie das ärgerliche Gebell des Kohlenkastens übers Mikro vernehmen.

Irgendwie hat das alles mehr Punk-Attitüde als sämtliche derzeitige Retro-80ies Vertreter zusammen. Fred Landier erzählt im Interview, dass er es gut findet, wenn die Leute seine Musik kopieren, mp3eien oder downloaden. Es geht ihm schließlich um Musik und Spaß-Haben und nichts anderes. Dass genießt er sichtlich und scheint wunschlos glücklich. Zum Leben braucht er nicht viel und vielleicht macht er in zwei Jahren wieder etwas ganz anderes, überlegt er. Vielleicht wird er auch wieder Konzert-Veranstalter oder bringt ein weiteres fotokopiertes Magazin heraus. Da gibt es noch genügend zu entdecken und wenn er dann keinen Plattenvertrag haben sollte, veröffentlicht er sein viertes Album eben wieder auf selbstgebrannten Rohlingen. Hoffentlich nicht!(Moritz Sauer)

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