re:publica: Auf dem Weg in die Wissensgesellschaft

Rubrik » Interview Portrait

markus-beckedahl.jpgVom 11.4. bis zum 13.4.2007 findet die Berliner Konferenz re:publica statt. Die Diskussionsrunden und Paneles richten sich an Blogger, Netzaktivisten und Menschen, die sich für den digitalen Fortschritt begeistern. Diskutiert werden kulturelle, medienkritische und neue digitale Entwicklungen. Ein Interview mit Markus Beckedahl, einem der Mitorganisatoren der re:publica.

Sicherlich kennen einige von Euch noch Markus Beckedahl aus unserem Podcast-Interview. Wir verspürten Neugier, und haben den Wahlberliner per Email interviewt.

Wie entstand die Idee für de re-publica?

Wir hatten vor einiger Zeit schon die Idee, dass uns eine Konferenz in Deutschland fehlt, die unsere Themen widerspiegelt und wo wir uns wohlfühlen. Normalerweise werden unsere Themen meist eher technisch oder aus der Perspektive der Wirtschaft betrachtet. Wir stellten uns aber einen Ort vor, wo man die aktuellen Entwicklungen im Netz mal von anderen Seiten in der realen Welt diskutiert: kulturell, gesellschaftlich und digital denkend.

Und das mit vielen Menschen, die schon wie wir einen grossen Teil ihres Lebens im Netz verbringen. Die Idee haben wir dann verschoben, weil wir uns unsicher waren, ob die Zeit dafür reif war. Vor wenigen Monaten hatten wir das Gefühl, dass wir es jetzt einfach machen sollten. Und nun steht sie vor der Tür.


Was versprecht Ihr Euch von der re-publica-Konferenz?

Wir wollen einen entspannten Ort schaffen, wo viele Menschen zusammenkommen, die sich an verschiedenen Orten online treffen. Wir wollen eine Plattform zur Vernetzung und zum Austausch anbieten. Wir wollen Debatten aus der Online-Welt auf die Bühne holen, Einblicke in verschiedene gesellschaftliche und kulturelle Fragestellungen der digitalen Welt geben und Menschen zum denken anregen. Mal schauen, ob es klappt.


Die Eintrittspreise für die Konferenz sind äußerst moderat. Trotzdem verpasst sicherlich der ein oder andere den Termin. Wird es für diejenigen, die es nicht schaffen Videostreams, oder Podcasts geben?

Wir haben uns grosse Mühe gegeben, die Eintrittspreise sehr moderat zu halten. Dafür sind wir glücklich, einige Unternehmen als Sponsoren gewonnen zu haben. Anders wäre die Konferenz in der jetzigen Form nicht möglich geworden. Der Normalpreis beträgt 60 Euro. Unternehmen zahlen 100 Euro. Für Blogger, Podcaster und alle, die irgendwo im Internet publizieren, haben wir uns eine Ermässigung überlegt: Durch die Einbindung eines re:publica Banners kostet der Eintritt nur 40 Euro. Wir wollen aber zumindest die Beiträge im grossen Saal auf Audio- und Video aufzeichnen. Und vielleicht klappt das auch mit den Workshops. Es sind ja mehr als 60 Einzel-Veranstaltungen in drei Tagen.

In seinem Beitrag "Bevor es zu Gerüchten kommt" verkündet Don Alphonso, dass er nicht zur re:publica erscheint. Seiner Ansicht nach, geht eine Zeit in der Blogosphäre angesichts von Adical und weiteren Werbemodellen zuende. Wie siehst Du diese Entwicklung und kannst Du seine Behauptungen nachvollziehen?

Ich kann seine Behauptungen beschränkt nachvollziehen, wobei aber das lustige Foto in dem Beitrag echt gelungen ist. Netter Brieföffner und tolle Kutte. Ansonsten sehnt sich die Kunstfigur Don Alphonso vielleicht nach der alten Vertrautheit zurück, als sich in Deutschland noch die meisten Blogger persönlich kannten und alles schön kuschelig war. Die Zeiten gehen aber vorbei und daran finde ich nichts schlechtes.

In anderen Ländern hat es schon mehr Medienevolution durch die grössere Verbreitung von sozialen Medien gegeben. In Deutschland kann man ja seit Jahren nur feststellen, dass wir vom Blog-Entwicklungsland langsam in Richtung Blog-Schwellenland kommen. Und damit entstehen neue Debatten.

Viele denken darüber nach, wie man mit dem geliebten Hobby etwas Geld verdienen kann, um mehr Zeit dafür zu haben. Das ist ja was ganz Normales. Andere denken daran, wie man mit Bloggern das grosse Geld machen kann und sie billig oder gleich kostenlos fürs Marketing einbinden kann. Hier wird es viele Veränderungen geben. Die "Kulturtechnik Bloggen" wird von viel mehr Menschen angewendet werden, bei einigen wird eine Professionalisierung eintreten und gleichzeitig müssen ethische Debatten geführt werden, was geht und was nicht. Welche gesellschaftliche Verantwortung hat man, trotz dass man die Freiheit zum publizieren hat? Was sind ethische Grenzen und wo beschneiden meine Freiheiten die Freiheiten anderer? Diese Frage wollen wir auf der re:publica diskutieren und ich finde es schade, dass Don Alphonso sich dieser Debatte auf der re:publica verschliesst.

Welche Trends siehst Du angesichts solcher Debatten für die kommende Zeit und die Chancen von Personal Publishing?

Die Trends sehe ich losgelöst von diesen Debatten. Die digitalen Werkzeuge zum publizieren und vernetzen werden immer einfacher und dringen immer mehr in das Alltagsleben von großen Teilen der Bevölkerung ein - lokal wie global. Immer mehr Menschen leben mittlerweile digital.

Noch nie in der Geschichte der Menschheit war es so einfach, Zugang zu medialen Produktionsmitteln zu erhalten. Und das wunderbar. Wer Lust hat, kann einen eigenen Radio- oder Fernsehsender betreiben oder eine Online-Zeitung herausbringen. Oder in Gemeinschaften mit anderen Grosses leisten, wie die Wikipedia und Freie Software zeigen. Hier stehen wir erst am Anfang einer Entwicklung auf dem Weg in die Wissensgesellschaft und ich freu mich auf mehr.

Links

Website: www.re-publica.de

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Kommentare

danke, für die entpannte sicht der dinge.

meint: kus am 03.04.07

ich wäre so gern hingefahren und hätte mir den ganzen spass gegeben, leider muss ich zu der zeit fremdbestimmter und ortsgebundener arbeit nachgehen (so ganz bin ich wohl noch nicht in der digitalen boheme angekommen) schade!

aber mal was anderes: wer hat das foto da oben geknipst...? hmmm...? creative commons schützt vor attribution nicht! hätte ich den mo. nicht so lieb gäb´s direkt ´ne abmahnung! NEEE nur spaß! ;)

meint: SimSullen am 05.04.07

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