Renommee Agent: Musik-Lizensierung per 2D-Interface

Rubrik » Interview Portrait

mood-suche.jpgMit dem Renommee Agent tritt eine neue Musik-Plattform auf den Markt, die eine schnelle Lizensierung von (GEMA-freier) Musik für Filme, Spiele, und ähnliche Vorhaben verspricht. Das Besondere am Musik-Agenten entpuppt sich in Form der so genannten Mood-Suche. Diese erlaubt ein intuitives und automatisches Suchen von Musik über ein zweidimensionales Interface. Die Download-Plattform basiert auf der Idee von Marc „Prymer“ Wallowy von Tokyo Dawn und bietet Musikern eine neuartige Möglichkeit über Musiklizensierung Geld zu verdienen. Wir haben mit Prymer zum Start des Renommee Agent gesprochen.

Text: mo.

Eigentlich sollte der Renommee Agent auf den Namen TimeCodeMusic lauten. Das war noch zu der Zeit, als das Projekt "streng geheim" im Kopf von Marc "Prymer" Wallowy brütete. Entstanden aus den Überlegungen, wie man für Musiker Geld verdient und angetrieben durch den Frust angesichts des derzeitigen Musik-Bizniz, entwickelte Marc Wallowy eine Idee: Musiklizensierung auf neuen Wegen.

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Das Herz der Musik-Download-Plattform bildet hierbei ein intuitiv zu bedienendes Interface plus - in erster Linie - GEMA-freie Musik. Diese stammt oftmals von illustren Netlabel-Künstlern, die zum Beispiel auf Jahtari, Thinner oder iD.EOLOGY ihre Musik veröffentlichen. Das Interface selbst entwickelte Marc Wallowy im letzten Jahr im Laufe seiner Diplomarbeit. Bei seinen Recherchen stellte der Tokyo Dawn-Label-Chef fest, dass sich Musik zwei-dimensional anordnen lässt.

Um das umfangreiche Projekt zu starten, benötigte er nur noch einen geeigneten Partner, den er in Agentur Renommee fand. Renommee selbst, ist vielen bekannt durch die ihre Arbeit, Realisierung und Promotion des Mercedes Mixed Tapes und Mercedes Podcast bekannt. Zeit also, zum Start des neuen Musik-Services mit Marc zu sprechen.

Wann und wie und aus welcher Idee heraus ist der Renommee Agent - formerly known as timecodemusic - entstanden?

Nach mehreren Arbeiten für Theater, Film und Werbung habe ich die Notwendigkeit dieses Projekts erkannt. Es gibt ein überfälliges Bedürfnis der Agenturen und anderer professioneller Lizenzkäufer nach einem Partner, der in der Lage ist Musiklizenzierungen sehr schnell und unkompliziert abzuwicklen. Die bisherigen Lizenzverfahren dauern sehr lange und sind verhältnismäßig kompliziert. Renommee Agent hingegen wurde nach den Bedürfnissen der Medienmacher konzipiert - es ist schnell, intuitiv nutzbar und rechtssicher. Hinzukommt, daß die musikalische Qualität der bisherigen Musikbibliotheken im GEMA-freien Bereich meistens sehr unbefriedigend ist. Dieses Projekt soll mit dem Vorurteil aufräumen, daß GEMA-freie Musik nicht auch sehr gut klingen kann.

Wie lange hat die Entwicklung gedauert und welche Schritte bist Du gegangen?

Die Arbeit dauerte beinahe ein ganzes Jahr. Angefangen hat es mit ausführlichen Recherchearbeiten und nach und nach wurden alle weiteren Projektbereiche angegangen: Interface Design, Datenbank-Architektur, Music Supervision, Rechtliches, usw.,...

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In der Netlabel-Szene geniesst Du den Ruf eines Pioniers und Vorreiters. Tokyo Dawn ist eines der ältesten Netlabels. Unter Deiner Schirmherrschaft habt Ihr nicht nur mp3.com gedisst, sondern auch lange Zeit nur Ogg-Vorbis-Musikdateien vertrieben. Als Freigeist warst Du auf dem Netlabel-Panel der c/o Pop 2004 in Köln und hast die Netlabel-Szene verteidigt. Dort warst Du noch recht reserviert gegenüber der Agentur Renommee und hast Sie unter dem Aspekt "Mercedes Mixed Tape" argwöhnisch beobachtet. Wie ist es dann schließlich zu der Zusammenarbeit mit Renommee gekommen?

Auch wenn wir auf den verschiedenen Musikpanels nicht immer einer Meinung waren, haben wir uns hinter den Kulissen immer prima verstanden - das sind richtig nette Leute! Unsere bisherigen Ansätze mögen zwar oftmals sehr unterschiedlich gewesen sein, aber in den Zielen waren wir uns immer einig - Musik muss wieder einen Wert erhalten. Es kann nicht sein, daß Musik heutzutage als die einzige Kunstform gilt, die nicht mehr als solche wahrgenommen wird. Ich bin sehr froh darüber, daß Renommee mir Zeit, Budget, kreativen Freiraum und ein wirklich tolles Team für dieses Projekt zur Verfügung gestellt hat! Die Arbeit macht Spaß!

Wie funktioniert die Mood-Suche? Sind das Algorhithmen oder Redakteure, die die Suche beeinflussen? Auf welchen Theorien basiert diese neuartige Suche?

Es ist eine Kombination aus Mathematik, Psychologie und Kunst. Eine wichtige Inspirationsquelle waren die Arbeiten von Wolfgang Thies, der wissenschaftlich untersuchte, welche umgangssprachlichen Wörter verwendet werden, um musikalische Inhalte zu beschreiben und wie groß die Diskrepanz bzw. die Schnittmenge zwischen Sprache und Musik tatsächlich ist.

Seine Überlegungen zur Klangbeschreibung habe ich mit den Theorien des Psychologen James Russell verknüpft, der ein recht umstrittenes, zweidimensionales Modell zur Katalogisierung des menschlichen Emotionsspektrums entwickelt hat. Diese beiden Erkenntnisstränge der Klang- und Emotionsbeschreibung habe ich mit den synästhetischen Farbkreismodellen der Bauhaus-Schule verknüpft. Das sind die drei Grundpfeiler, auf denen dieses "One Click"-Musiksuchverfahren aufbaut: Musik-, Farb- und Emotionspsychologie.

Wieviel Musikstücke habt Ihr derzeit in der Datenbank? Erklärt doch einmal wieviel Zeit und Arbeit Ihr benötigt, um einen Track in Euer Portofolio aufzunehmen? Oder arbeiten da nur Computer im Hintergrund, die alles analysieren?

Es sind weit über 1000 handverlesene Tracks, davon ca. 70% GEMA-frei. Pro Track investieren wir 3 Stunden Handarbeit. Recherche, Anfragen, Verhandlungen, interne Abstimmung, Mastering, Verschlagwortung. Es gibt ein mächtiges Verwaltungswerkzeug, das wir selbst entwickelt und programmiert haben, um all diese Prozesse zu verwalten. Mittlerweile gibt es zwar Algorithmen, mit denen Musikstücke anhand von Stilistik, Instrumentierung, Arrangement usw. automatisch analysieren kann, aber erfahrene Musikredakteure sind und bleiben unersetzlich.
renommee dream team
Die Musiklizensierer der Zukunft? René Herzer, Marc Wallowy und Brian Bray

Welche Musiker dürfen beim Renommee Agent mitmachen? Wie kann man sich bewerben und ist das überhaupt gewünscht?

Jeder Musiker und jedes Label darf gerne bei uns mitmachen, wir sind offen für Zusendungen. Die einzigen Vorraussetzungen sind...
  1. ..., dass das Werk eine gewisse inhaltliche, rechtliche und technische Qualität aufweist, d.h. dass es keine Samples ungeklärter Herkunft gibt, dass alle beteiligten Musiker einverstanden sind, dass der Sound den heutigen Anforderungen entspricht und gut aufbereitet ist usw.
  2. ..., dass uns das Recht zur Weiterlizenzierung übertragen wird. Das ist deshalb wichtig, weil sonst eine direkte Online Lizenzierung über agent.renommee.net für den Lizenznehmer nicht möglich ist.

Was muss ein Künstler leisten, wenn Ihr an ihm interessiert seid? Ab wann verdient ein Musiker bei Euch Geld?

Er/Sie muss uns Musik geben, die spannend, neuartig, emotional, funktional und einfach toll ist. Geld verdient der Künstler sobald seine Musik über agent.renommee.net lizenziert wird. Ansonsten entstehen ihm keinerlei Kosten, noch nicht mal für das Mastering.

Eine der Besonderheiten am Renomme Agent ist das Verfahren der Abrechnung. Laut Euren Informationen kann man Musik innerhalb von 10 Minuten lizensieren. Wie ist das möglich?

Jeder Track ist "precleared", d.h. wir haben uns das Recht zur Vermittlung der Werke im vornherein gesichert. Der Lizenzvorgang ist komplett Web-basiert und die Tracks liegen einsatzbereit in den gängigsten Dateiformaten vor. Kurz gesagt: Alles was nervt und Zeit kostet haben wir schon erledigt. Es gibt PayPal, Kreditkarte und Lastschriftverfahren zur schnellen Transaktionsabwicklung. Preisentscheidend ist übrigens nicht die Musik, der Lizenznehmer oder die Bekanntheit des Künstlers, sondern nur die mediale Einsatzbestimmung der Musik.

Wie sieht die Zukunft vom Renomme Agent aus? Habt Ihr schon weitere Features geplant und wird es noch mehr Funktionen geben?

Das ist die allererste Stufe, die wir nun gezündet haben. Wir bieten in Kürze eine direkte Online Beratung von Lizenznehmern via Live-Chat oder Telefongespräch mit unseren Musikredaktionsprofis an. Als nächstes kann man seinen Film, für den man Musik benötigt, hochladen und gleich schauen, wie die jeweilige Musik zum Film wirkt. Wir werden allen Labels und Verlagen unsere Plattform anbieten, um damit die eigenen Tracks selbstverwaltet zur Lizenzierung anzubieten. Mehr möchten wir noch nicht verraten.

Danke für das Interview!

Danke für die Fragen!

Links

Website: http://agent.renommee.net/

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Kommentare

Tolles Tool erstmal. Auf den ersten Blick sehr sauber und gut umgesetzt. Es erinnert vom Interface her streckenweise stark an www.musiclens.de (bloß dass einem dort immer entsetzlicher mainstream-schrott ausgespruckt wird). Auch die Idee der Plattform stimmt: Der Abnehmer kommt flott und ohne Zicken an guten Sound, der Künster sieht Geld für seine Arbeit, ohne gleich einen Plattenvertrag abschließen zu müssen. Klar ist das ganze kommerziell - wer sich als lupenreiner Creative-Commons Artist versteht, ist hier natürlich falsch. Bevor hier wieder die Sell-out-Debatte losgeht, wenn der Name "Renommee" fällt ...

meint: Rupert. am 27.06.06

Gefällt mir auch. Macht Spaß damit, intuitiv zum Ziel zu kommen. Leider sind die Lizenzen viel zu teuer, wenn man eine nichtkommerzielle Seite betreibt und dort in irgendeiner Form Musik verwenden will.

meint: roman am 28.06.06

Ich denke nicht, dass es hier einen Widerspruch zu Creative Commons gibt. CC ist ja frei für nicht-kommerzielle Nutzung, jedoch liegt die Möglchkeit einer kommerzielle Verwertung in ermessen der Urhebers.

meint: 020200 am 28.06.06

ja, genau diese B2B ausrichtung macht es im grunde für alle künstler sympatisch. aber auch für die andere seite, also filmemacher, werbeagenturen, usw. macht das alles sinn. vor allem im GEMA-freien kontext.

meint: fabien am 28.06.06

> bloß dass einem dort immer entsetzlicher
> mainstream-schrott ausgespruckt wird

och, was wollt ihr denn - bei mir hat das interface gerade "piep, piep kleiner satellit" von blümchen ausgespuckt *grins*

und das mir nun ja keiner mit quod erat demonstrandum kommt ;)

meint: stefan am 28.06.06

@020200: Recht haste, es kommt natürlich auf die Art der cc-lizenz an. Wer seine Tracks bei Renommee lizensiert muss im Zweifel Derivate zulassen (der Käufer kann deinen Track zusammenschneiden, loopen, Sprechtext drüberlegen etc.) und kriegt in der Regel sicher auch keine Attribution (die Künstler werden ja nicht einmal in der Datenbank genannt). Anders macht es für die Verwender aber auch keinen Sinn, sie bezahlen schließlich für die Musik und müssen damit im Rahmen der Verwendungslizenz auch machen können, was sie wollen.

meint: Rupert. am 29.06.06

zurück zur musik; nächste runde..:)
sehr interessant!
weiter so.

meint: matzko am 14.07.06

ne wunderbare geschichte. und progressive musik. schnell und einfach.

wer mag denn schon die abgeluschten sachen hören, die die meisten anderen anbieter im portfolio haben. macht weder spaß noch bringts uns weiter :D

meint: rockmachine am 10.08.06

Ja nicht schlecht, finde das ist auch ein super Konzept, aber die kennen wohl nicht die wahren Marktführer:

http://www.tonarchiv.de

und

http://www.gemafreie-welten.de

mit Ihren Paketdownloads und 100.000 Kunden ?

Naja und vom Klang her bietet GEMAfreie-welten.de ja optimale Sachen an. Und preislich daher sicherlich unschlagbar, oder was meint Ihr ?

Gruss
Patrick

meint: Patrick am 30.08.06

"Ja nicht schlecht, finde das ist auch ein super Konzept, aber die kennen wohl nicht die wahren Marktführer"

naja, schau mal was dein vorgänger geschrieben hat...

"Naja und vom Klang her bietet GEMAfreie-welten.de ja optimale Sachen an. Und preislich daher sicherlich unschlagbar, oder was meint Ihr ?"

ich bezweifle stark, daß deine genannten angebote dieselbe qualität erreichen können und was bedeutet "preislich unschlagbar" für den künstler? ...er verdient dann halt nur 5 euro... ...und wer sind eigentlich diese 100.000 kunden?!

meint: fabien am 16.11.06

Hi !

150.000 Kunden, nicht mehr 100.000 (:-

Es ist eben immer eine Frage der Qualität:

http://www.gemafreie-welten.de/radio/radio-start.html

Wer hat denn hier eigentlich Regie geführt ???

meint: Flashboy am 02.03.07

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