Phil Asher - The Family Man

Rubrik » Interview Portrait

Foner-Interviews sind immer ein wenig difizil. Hat man seinen Interview-Partner noch nie vorher getroffen, so muss man ihn schnellstmöglichst anhand seiner Stimme einschätzen. Wo man bei einem Face-2-Face-Interview interagieren kann, muss man am Telefon ausharren. Da kann man seinem Gegenüber also nicht mal eben einen Café anbieten oder anhand seiner Gesichtszüge beobachten, ob er vielleicht etwas schlitzohrig ein paar interessante Fakten unterschlägt.

Bei Phil Asher entwickelt sich so ein Telefongespräch zum kleinen amüsanten Chaos. Unvermittelt stolpert man in sein Studio, erfährt dass man mitten in eine Aufnahme-Session hineinplatzt und wundert sich daraufhin, dass ihm seine Frau den kleinen Sohn auf den Schoß setzt. Während der in London lebende Engländer seinen Kleinen erst einmal beruhigen muss, brüllt der vor lauter Empörung über abwesende Fürsorge mit voller Fon-Stärke ins Telefon. Da muss die gerade gestellte Frage für kurze Zeit warten.

Ein Grund den Mann erst einmal vorzustellen: Nachdem Phil Asher in den vergangenen Jahren den Kontakt zu Medien und Journalisten gemieden hatte, präsentiert er sich nun mit Interviews und eigenem Gesicht auf dem Cover. Unter seinem Synonym "Focus" veröffentlich er jetzt sein neuestes Werk auf dem französischen Label Versatile. Ohne jegliche Auflagen durfte er dieses nach eigenem Gustus produzieren, denn die Label-Macher wussten worauf sie sich einließen. Denn als versierter Produzent hat Phil Asher schon mit so einigen zusammengearbeitet, die Clubgeschichte geschrieben haben. Dazu gehören neben seinen Freunden Dego und Seiji von 4Hero, die Drum'n'Bass maßgeblich eine Identität gegeben haben, unter anderem auch King Britt oder z.B. Jazzanova.

Kein Wunder also, dass seine House-Tracks auf "Sweet & Sour" mit der Rhythmik und Ästhetik von Breakbeats gewürzt wurden. Trotzdem ist und klingt das nicht gewollt: "Ich produziere die Stücke nicht bewusst in eine solche Richtung. Wie Dego sein Label aus dem Bauch heraus führt oder z.B. Kenny Dope seine Tracks konstruiert, so entspringen meine Beats einfach aus einem Gefühl." Vor allem auch einem Gefühl für die Gemeinschaft. Denn gemeinsam führt und beschallt man nun seit Jahren den eigenen Club Co-Op. Diesen bezeichnet Phil Asher als Dreh- und Angelpunkt der Breakbeat-Kultur weltweit, der in seinen Augen dem 100-prozentigen Breabeat-Party-Vibe Rechnung trägt.

Sein Kontakt zu Musikern, ist meist ein Zusammentreffen von Freunden. "Das hört sich jetzt vielleicht irgendwie nach Gangster-Shit an, aber wenn ich ein Instrument brauche, dann rufe ich einen meiner Freunde an und der spielt das für mich ein." Dabei hegt er ein wenig die Befürchtung, dass das nun zu kühl klänge. Erklärend schiebt er ein, dass auch wenn die Tracks moody und melancholisch klingen die Sessions immer einer humorvollen und lockeren Atmosphäre entspringen und niemand ausgenutzt wird.

Phil Asher möchte seine Mitmenschen an seiner Begeisterung teilhaben und man merkt ihm seinen Sinn für Gemeinschaft an. Jeder soll teilhaben und ob der Funk in seinen Tracks evtl. von Prince beeinflusst wurde, beantwortet er dann doch noch nachdem sich sein Sohn beruhigt hat, indem er seinen Lieblingssong des aktuellen Albums am Telefon vorspielt. Schließlich ist er genauso Fan wie Musiker.
(Moritz Sauer)

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