Orangemusic: Selbstvermarktung per Creative Commons-Musikportal

Rubrik » Interview Portrait

Mit orangemusic startet in Österreich ein Musikportal, dass Künstlern bei der Selbstvermarktung helfen will. Das Fundament der Kooperation bilden die Creative Commons-Lizenzen. Das Portal bietet fünf Bereiche für die Kommunikation zwischen Fans und Musikern und will den Künstlern mit mehreren Werkzeugen unter die Arme greifen. Wir befragten Martin Aschauer zu den Ideen hinter dem Portal. Außerdem diskutierten wir mit dem orangemusic-Mitgründer den Sinn und Zweck eines weiteren Portals sowie die Frage: Was nutzen die Creative Commons heutigen Musikern.

Martin, stell Dich und Deinen Hintergrund doch kurz einmal vor!

Vor fünf Jahren machten sich ein paar Jugendliche aus Oberösterreich daran, eine Plattform für Kunst und Jugendkultur zu konzipieren: Ein Magazin zum Mitmachen, zum Erfahrung sammeln, das abseits von Quotendruck andere Themen setzt und trotzdem - oder vielleicht gerade deswegen - frei sein sollte. In den fünf Jahren seines Bestehens entwickelte sich FM5 zu einer innovativen Plattform für Kunst und Jugendkultur. In diesem Sinne beschränken sich die Handlungsräume nicht nur auf herkömmliche redaktionelle Tätigkeiten. Wir geben das Freie Magazin fm5.at heraus, veranstalten Konzerte, betreiben einen monatlichen Club und partizipieren mittlerweile an mehreren Musikplattformen. Wir, das ist ein Haufen junger Menschen die sich fast ausschließlich über das Internet koordiniert, abseits von festen Wohnsitzen oder Büros. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht.

Wie kam es zu der Idee Orangemusic zu gründen, aufzubauen und zu starten?

Da gab es eine Vorgeschichte. Primär haben wir in den Anfangsjahren soviele CDs zugeschickt bekommen, dass wir dem einfach nicht mehr gerecht werden konnten. In Backstage-Räumen ist dann gemeinsam mit MusikerInnen eine Idee entstanden, sie so simpel war: Man müsse Kunst dort abholen, wo sie passiert - nämlich direkt beim Künstler selbst. So kam es dann zu Nolabel. Obwohl man auf Nolabel nach Verwertungsrechten suchen kann, ging Creative Commons-Musik als Ganzes unter. Einige CC-KünstlerInnen haben gemeint, es wäre nett, wenn es eine österreichische Plattform geben würde, die intime Einblicke geben und Möglichkeiten der Vernetzung bieten würde. Orangemusic schafft die Möglichkeit Musik lokalisierbar zu machen und bietet den KünstlerInnen die Chance sich zu vernetzen.

Es gibt mittlerweile so viele Communities auch im Musikbereich, dass man als Musiker eigentlich nur noch in Communities abhängen könnte, anstelle wirklich Musik zu produzieren. Was macht Orangemusic in Deinen Augen besonders und wertvoller für Musiker als eine der anderen Communities?

Vermutlich primär das "Backend". Wir holen jene KünstlerInnen auf die Bühne und ermöglichen Feedback aus in der Musikwirtschaft verankerten Personen und bieten Networking-Möglichkeiten. Orangemusic bietet aber auch eine andere Art von Musik. Soviel österreichische CC Musik auf einer Plattform gesammelt, gibt es derzeit nur eingeschränkt. Alle die Bands noch angreifen, das lokale Element spüren und die Chance jene KünstlerInnen live zu erleben fühlen wollen und darüber lokale Informationen begehren, was denn beispielsweise im Umkreis von 60 Kilometer sich konkret tut, der braucht orangemusic. Es ist immer noch was anderes, ob jemand in Spanien sitzt oder ob ich mit dem im Proberaum gemeinsam was unternehmen kann. Leider funktioniert unser Muisklokalisierungstool derzeit am MAC noch nicht.
Wie gliedert sich Orangemusic? Was findet man auf der Website und wie nutzt man sie am besten als Musiker für sich?
Die Seite gliedert sich im wesentlichen in fünf Bereiche. In Backstage findet man die Bandprofile der Musiker und findet diverse Suchangebote, wie beispielsweise ein von uns entwickeltes Umgebungssuchemodul. Unter Hörgenuss ist im wesentlichen die Musik versteckt. Die Rubrik Player muss in den nächsten Wochen noch ausgebaut werden. Wie der Name schon sagt, wird hier Musik über Playlisten angeboten. Ein Eventkalender ist zwar nicht sonderlich innovativ, findet man darin aber nur CC-Musik entsteht daraus schon etwas sehr interessantes. Deswegen haben wir uns entschlossen auch einen Eventkalender anzubieten. In einem eigenen Magazinteil bieten wir Informationen über Musik im Allgmeinen und CC-Musik im speziellen an. Abgerundet wird das ganze noch über ein Forum und diverse Charts - Usercharts oder Downloadcharts beispielsweise...

Bei Orangemusic dreht sich viel um Creative Commons. Bedeutet das, dass es auf Orangemusic kostenlose Musik geben wird oder warum baut Ihr auf die CC-Lizenzen?

Creative Commons ist in mehrfacher Hinsicht sehr spannend. Erstens: CC trägt der Praxis Rechnung und bringt nicht KünstlerInnen in die unangenehme Position ihre eigenen Fans zu kriminalisieren. Es ist nur fair, wenn der/die Künstler mehr Mitsprache bei den Nutzungsrechten bekommt. Zweitens ermöglicht CC eine viel schnellere Verbreitung von Musik. Ab Herbst gehst du bsp. in unseren Club rein, hörst die Musik der Bands live on stage und kannst sofort jene Songs die dich ansprechen auf Handy, iphone oder ipod mitnehmen. Mobile devices bieten neue Möglichkeiten. Es gilt diese Möglichkeiten für sich als KünstlerIn zu nutzen. Mittels mobile devices kann man ab Herbst zum Beispiel sogar die Playlist des DJ mitbeinflussen.
Heute muss sich jeder Künstler noch genauer überlegen was er eigentlich machen will. Was ist mein Ziel und was will ich konkret in drei Jahren mit meiner Musik erreicht haben. Creative Commons ist eine Lizenz die bestimmte Sachen gut leistet, andere weniger. Es gilt die Vorteile und Nachteile abzuwägen und die daraus resultierenden Angebote und Optionen optimal für sich selbst zu gestalten. Nine Inch Nails u.a. haben für sich Creative Commons gewählt. Gerd Leonhard sagt schon interessante Dinge. Ich stimme ihm bei weitem nicht überall zu. Aber ich glaube nicht, dass das derzeitig strukturierte Tantiemen-System in dieser Form aufrecht erhalten werden kann. Ich fühle mich da bestätigt, wenn sich AKM und GEMA wegen zu teurer Datenbankanpassungskosten schon weigern CC wahrzunehmen. Die Wahrnehmungsgesellschaften reagieren nur noch, agieren aber kaum mehr und schreiben sich so nicht als Akteure der Innovationsgeber ein.

Vielen Dank für das Interview!

Links und so...

Website: www.orangemusic.at

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