OpenOffice.org - Die freie Office Suite

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ooo.gifFür viele ist Textverarbeitung gleichbedeutend mit Micro$oft Word. Dabei gibt es zahlreiche Alternativen. Eine der besten ist die Office-Suite OpenOffice.org. Sie ist kostenlos, Open Source, plattformübergreifend und wird von einem globalen Team kontinuierlich verbessert. Wir geben Euch einen kleinen Einblick.

2004 scheint das Jahr des richtigen Durchbruchs des Open Source Gedanken zu sein. Ob Software oder offene Inhalte, vieles ist über die Jahre zur Serienreife gewachsen und durchdringt immer mehr Bereiche. So kann das deutsche Musterprojekt LiMux jetzt anlaufen mitsamt seiner Umstellung von 13.000 Arbeitsplatzrechnern und den zugehörigen Servern in der Verwaltung der Stadt München. Auch Frankreich will in diesem und dem kommenden Jahr satte eine Million Rechner im Staatseinsatz auf Open-Source-Software umstellen. Wow!

Office-Paket der Zukunft


"Denn Software ist in ihrem Wesen ein Ausdruck menschlichen Wissens und menschlicher Logik und gehört somit ebenfalls in den Bereich freier und offener Formen der Darstellung menschlicher Ideen und Kreativität"

openoffice.gifZwar pulsiert schon heute auf den meisten Serverrechnern dieser Welt ein Pinguin-Herz, auf den Desktops hat sich Linux jedoch noch lange nicht etabliert, obwohl KDE, Knoppix & Co fleissig am Thron von Micro$oft rütteln. Dahingegen erfreuen sich Open-Source-Programme jedoch immer größerer Beliebtheit. So z.B. die Mozilla-Suite samt ihrer Kinder Firefox und Thunderbird oder der hervorragende Offline-Browser Plucker für Palm-Handhelds. Erwachsen geworden ist aber auch die Office-Suite OpenOffice.org, liebevoll auch OOo abgekürzt.

Diese vereint unter einem Dach eine hochwertige Textverarbeitung, Tabellekalkulation, Präsentationssoftware sowie einen HTML-Editor und ein Zeichnungswerkzeug. Oberflächlich betrachtet erscheint einem OpenOffice.org erst einmal wie Word und Excel. Sicherlich sind die Ähnlichkeiten nicht unabsichtlich in das Produkt eingeflossen, da dadurch dem Neuling ein Umstieg erleichtert wird. Doch es gibt auch jede Menge Verbesserungen, die einem nicht immer mit dem ersten Blick bewusst werden.

Sehr interessant ist zum Beispiel das Speicherformat der Dokumente. Dieses geschieht im plattformübergreifenden XML-Format. Ähnlich wie bei Webseiten, werden auch hier Inhalte vom Layout getrennt. Damit ein Textdokument jedoch nicht gleich zwei oder mehr Dateien ergibt, wird das ganze im ZIP-Format auf der Festplatte abgelegt, was obendrein noch Speicherplatz spart.

Weitere Vorteile:


- Da plattformübergreifend erhältlich kann der Benutzer nach einmaliger Einarbeitung auf allen Betriebssystemen wie Windows, Linux und Mac arbeiten.
- Unmittelbarer PDF-Export aus der Textverarbeitung heraus ohne lästige Plug-In Installation.
- Kostenlose Open Source Software
- Daten werden im Zukunftsorientierten XML-Format gespeichert und lassen sich dadurch gut weiterverarbeiten

Wenige Nachteile:


-Die Rechtschreibprüfung und der Thesaurus fehlen und dürfen in der deutschen Version aus Copyright-Gründen nicht mit der OOo-Distribution ausgeliefert werden. Sie müssen vom User nachträglich installiert werden und sind bei weitem nicht so umfangreich, wie die z.B. bei Word. Glücklicherweise lassen sich sich jedoch mit dem Autopiloten ab Version 1.1 integriert nachrüsten oder mittels OOo-Makro nachinstallieren.
- Umgewöhnung

Buchempfehlung


cover_open_office_buch.gifUm ein umfangreiches Produktpaket richtig nutzen zu können, braucht man eine hilfreiche Einleitung bzw. Anleitung. Natürlich lässt sich auf den Webseiten von OpenOffice.org alles nachlesen, doch ein kompaktes Buch und Nachschlagewerk ist da oft hilfreicher und bietet einen schnelleren unkomlizierteren Einstieg. Thomas Krumbein hat sich in "OpenOffice.org – Einstieg und Umstieg" mit der Suite beschäftigt und stellt das Programm-Paket vor. Mit nüchterner aber hilfreicher Sprache greift er Neulingen unter die Arme.

Dabei richtet sich das Buch nicht an versierte Power-User, die Makros, Kalkulationen und Konsorten bis in das letzte Detail ausreizen, sondern es spricht Neulinge und Umsteiger an. Nach einer ausführlichen Dokumentation zur Installation stellt der Autor prägnant die Funktionen vor. Ein Lob gilt dem Schreiber, dass er sowohl Icons, Menueinträge als auch Tastaturkombinationen der jeweiligen Funktionen vorstellt. An einigen Stellen hätte ich mir noch ein wenig mehr lehrgangartiges gewünscht. Also Workshops, die einem genau erklären, wie man z.B. einen Brief samt Briefkopf, Seitenzahlen, Formatierung, etc. gestaltet. Zwar erläutert er die jeweiligen Funktionen, aber in einem nachvollziehbaren Lehrgang übt man meist konkreter den Umgang mit den Funktionen und erlernt deren "Spielweise".

Für diese Lehrgänge war aber leider nicht genügend Platz, da das Buch sämtliche Module behandelt und schon so alleine mehr als 526 Seiten umfasst. Vielleicht wäre hier eine Doppel-Ausgabe sinnvoller gewesen, die einmal genauer auf die Textverarbeitung und in einem zweiten Buch auf die Tabellekalkulation eingegangen wäre.

Trotzdem ist das Buch hervorragend für einen Ein- und Umstieg geeignet. Und wann erhält man heute noch ein vollwertiges Programm mitsamt einem gedruckten Buch für 30 Euro? (mo.)

"OpenOffice.org – Einstieg und Umstieg"
Thomas Krumbein
Galileo Computing
526 S., 2004, geb., mit CD
Preis: 29,90 Euro
ISBN 3-89842-431-6

Das Buch "OpenOffice.org - Einstieg und Umstieg" auf amazon.de kaufen.

Links:

Programm-Download: de.openoffice.org Leseprobe: www.galileocomputing.de

Titelbild des Artikels: Ian Pooley Plattencover/ Souvenirs

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Kommentare

Auf Windows läuft das Open Office recht fein, aber unter Mac OS X gibt's leider bisher nur eine X11-Portierung: "Projected OS X native availability of OpenOffice.org 2.0 is currently Q1 2006"

meint: stefan am 08.07.04

wenn wir schon bein thema open source und schrittweise umsteigen sind....meine hitliste (neben ungezählten linux/free/openbsd distributionen und tools):

http://mozilla.org mail und browser
http://openoffice.org office
http://filezilla.sourceforge.org ftp
http://www.gnupg.org verschlüsselung
http://freemind.sourceforge.net mindmanager
http://www.bugzilla.org bug tracker
http://www.otrs.org trouble ticketing system
http://www.postnuke.com cms
http://http://nucleuscms.org cms mit conversion script für movable type ;)))

meint: kus am 08.07.04

Ich teste OO grad mal wieder. Es hat sich augenscheinlich einiges getan. Ich stehe kurz vor meiner Magisterarbeit und bin am überlegen ob dafuer ein Umstieg lohnt. Viele Dinge gehen bei OO einfach besser von der Hand als bei Word.

Man darf nur nicht vergessen dass das MS Officepaket im günstigsten Fall immernoch 120€ kostet, OO dagegen ist bei gleichem Funktionsumfang umsonst (ich wette die meisten Leute haben auch ein kostenloses Office ;)

meint: David am 08.07.04

Eine "echte" MacOS-Version ist für die Zeit nach v2.0 geplant, das dauert also noch etwas. OOo ist _riesig_ und der Source komplex, da geht eine Portierung nicht so leicht von der Hand. Ich rechne nicht bis einschl. 2006 mit einer halbwegs finalen Version. Aber das ist nur meine Beobachter-Meinung. Ansonsten ist noch anzumerken, dass die MS-Office-Importfilter bei einfachen Dokumenten zwar funktionieren, bei vielem anderem aber versagen. Leider... Trotzdem nutze ich seit einigen Jahren OOo und bin sehr zufrieden. MS-Office-Hansels können mir gestohlen bleiben, ich will von denen PDFs wenn überhaupt. ;)

meint: Rene Schmidt am 08.07.04

also ich bin seit 2 monaten open office user. vorher habe ich das immer am rande notiert. doch mittlerweile möchte ich stückchen für stückchen auf freie (bessere) software umsteigen. bin windows-user und war einfach nur überrascht von diesem profi-paket. freue mich diebisch, dass open source mittlerweile so großartige "populäre" anwendungen hervorrgebracht hat.

meint: mo. am 08.07.04

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