Nikon D 70: Mein Lieblings-Gadget

Rubrik » Interview Portrait

nikon_test.jpgIch kann mich noch gut an die ersten Digitalkameras erinnern. Anfang der 1990er tauchten sie auf, machten furchtbar kleine und pixelige Bilder und ich habe mich gefragt, wer so doof sein kann, für so eine miserable Qualität Geld auszugeben. Das alles hat sich gewandelt und mittlerweile verkauft der Handel mehr digitale als analoge Kameras und die Qualität der digitalen Bilder wird immer besser. Seit etwa anderthalb Jahren gibt es auch digitale Spiegelreflexkameras, die Königsklasse der Fotoapparate, zu bezahlbaren Preisen um die 1.000 Euro.

Text: Markus Erdmann

Begonnen hat alles mit Canons EOS 300 D, der schon bald die hier getestete Nikon D70 folgte. Obwohl die Nikon also nicht mehr ganz frisch ist, belegt sie immer noch die vordersten Plätze in diversen Fotofachmagazinen und genau deswegen habe ich sie zu meinem Lieblings-Tool auserkoren.

Nüchtern

Ganz nüchtern betrachtet bietet die D70 eine Auflösung von 6,1 Millonen Pixeln und wird in verschiedenen Sets mit unterschiedlichen Objektiven geliefert. Ich hatte das Standard-Set mit einem 18 - 70 mm Objektiv, mit dem man recht universell arbeiten kann, da es den Bereich von Weitwinkel bis Tele gut abdeckt und für die meisten Aufgaben im Alltag gut geeignet ist.

Wer mehr Weitwinkel oder Tele braucht, kauft sich einfach die passenden Objektive und schon macht die Nikon D70 genau das, was man von ihr will. Ein riesiger Vorteil gegenüber Kompaktkameras, die eben keine Wechselobjektive haben.

Ebenfalls ganz nüchtern betrachtet, ist die Geschwindigkeit der Nikon D70 zu loben. Während andere Kameras zwischen Drücken des Auslösers und wirklichem Auslösen einige Zeit verstreichen lassen, legt die D70 sofort los. Hier sind Menschen in Aktion auf dem Bild und nicht gerade auf dem Weg aus dem Bild heraus. Auch mehrere Fotos hintereinander sind dank der schnellen Technik kein Problem.

testbild_nikon_1_kl.jpgKlar gibt es einen Blitz und ein Display, wo sich jede Menge Parameter einstellen lassen und auch einen Haufen Motivprogramme als auch einen Automatikmodus, mit dem das Fotoschießen ganz einfach geht und die Bilder auch sehr schön werden. Dabei habe ich fast ausschließlich im manuellen Modus gearbeitet. Denn ich wollte die einzelnen Parameter der Kamera im Zugriff haben. Genau an diesem Punkt lässt die Nikon D70 so ziemlich jede Mitbewerberkamera hinter sich, denn ihr Bedienkomfort ist unschlagbar. Mit der linken Hand den gewünschten Aufnahmebereich am Objektiv einstellen und mit der rechten Hand den Auslöser bedienen. Das sollten und können in der Regel alle Spiegelreflexkameras.

Auf der Rückseite hat die Nikon D70 ein Einstellrad, mit dem sich ganz einfach die Verschlusszeit einstellen lässt. So ein Rad haben auch die meisten anderen Kameras. Die Nikon jedoch hat ein weiteres unterhalb des Auslösers und darauf liegt die Blende. So habe ich wirklich alle wichtigen Parameter direkt im Zugriff meiner Hände und Finger. Klasse, so macht Fotografieren einfach nur Spaß.

Wer hat den Längsten?

Und was mich ganz besonders an der Nikon D 70 fasziniert, ist ihre angenehme Größe. Nicht zu groß und nicht zu klein, genau so, dass man als Fotograf endlich mal ernst genommen wird. Ja, ja, ich höre sie schon wieder alle aufstöhnen, die Feministinnen dieser Welt: "Männer, Männer, Männer, bei denen geht es immer nur um die Größe!". Und Recht haben sie, mir ist die Größe wichtig, zumindest die der Kamera. Was für ein schönes Gefühl als ich bei VIVA - ja, der Fernsehsender mit dem kleinen Personalproblem - zum Interview der "Sarah Kuttner Die Show Band" - auch ein schönes Wort, gelle? - mit den Jungs der Band Richtung Studio an den Sicherheitsaposteln vorbeigehe und problemlos durchgelassen werde.

testbild_nikon_2_kl.jpgPlötzlich sieht der eine der Gorillas meine Nikon D 70 um meine Schulter baumeln und pfeift uns zurück. "Erst akkreditieren", meint er. Das wäre mir mit einer kleinen "Steck mich in die Hosentasche deiner Designer Jeans"-Kamera nicht passiert. Gut, gut, höre ich jetzt den ein oder anderen Leser dieser Zeilen wieder jammern, mit einer ebensolchen Kamera hätte der gute Herr Erdmann auch eine Viertelstunde Zeit bei der Akkreditierung eingespart. Stimmt, liebe Leser, stimmt absolut. Aber dafür war's geil, sich mal als richtiger Reporter und Fotograf zu fühlen. Große weite Welt ich komme, mit der Nikon D 70 werde ich alles ablichten, was nur geht.

Was ich vergaß...

Die Nikon D70 macht einfach nur klasse Bilder. Schnell und einfach und auf Wunsch mit vielen Einstellmöglichkeiten. Selbst in mittlerer JPEG-Auflösung produziert sie Bilder, die so manche andere Kamera vor Neid erblassen lässt. So funktioniert vergnügliches fotografieren, ob als Amateur, Semiprofi oder sogar Profi. Für so "kleines Geld" gab's noch nie eine so coole Gesamtperformance. Und was ich noch gar nicht erwähnt habe bei all der Lobhuddelei: Die Akkulaufzeit ist genial lange. Ich habe in den zwei Wochen ca. 2.000 Bilder mit der Kamera geschossen und der Ladestandsanzeiger war immer noch bei Vollausschlag. Wohlgemerkt, ich war damit draußen in der Kälte und im Schnee und auch das hat der Nikon D70 nichts ausgemacht.

Haben, haben, haben

Ich hätte auch "Fazit" oder "Zum Schluss" über diesen letzten Absatz schreiben und noch mal alle positiven Dinge der Nikon aufzählen können, aber eigentlich finde ich, dass die drei Wörter doch Urteil genug über diese Kamera sind. Ich bin am Wochenende im Fotofachgeschäft mit Hammer und Sparschwein und dann gibt es Scherben auf der Theke und eine glücklichen Herrn Erdmann. Der hat sich dann nämlich sein Lieblings-Gadget gegönnt nachdem er es ausführlich testen durfte.


Technische Daten

Effektive Auflösung (Megapixel)
6.1
CCD-Sensor Größe (B x H) [mm]
23.7 x 15.6
ISO-Empfindlichkeitsbereich (Min-Max, ohne Empfindlichkeitsverstärkung)
200-1600
B/s (Serienaufnahmen): Zwischenspeicher (JPEG/TIFF-Aufnahmen)
3:12
Farbmodi
3. sRGB (skin colour), Adobe RGB (material colour), sRGB (landscapes)
Belichtungssteuerung
Digital Vari-Program, P, S, A, M
Verschlusszeiten [s]
30 - 1/8,000 + Bulb
Schnittstelle
USB 2.0 Full Speed
Autofocus System
Multi-CAM900
ca. Gewicht ohne Akku und Speicherkarte [g]
595
Abmessungen (W x H x D) [mm]
140 x 111 x 78

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Kommentare

Ich kann mich dem nur anschliessen. Meine D70 ist mir heilig :)

meint: der ronny am 31.03.05

Die Nikon D70 macht einfach nur klasse Bilder.

toll!
ich dachte immer fotografen machen klasse bilder.
hab ich jetzt die neuste elektronische errungenschaft, die motivklingel verpasst?

meint: bussibaer am 31.03.05

Geile Kamera, finde ich auch. Schön, dass es jetzt solche Gadget-Texte hier gibt.

p.

meint: piere proust am 03.04.05

nüchtern betrachtet ist das ding doch hier viel zu teuer. eine normale spiegelreflex kostet nunmal mittlerweile nur noch ca. 200-250 euro. und mit diamaterial kann man deren bilder auch einigermaßen groß darstellen. ihr zahlt also einfach mal das vierfache, nur weil digital. ich halte das für quatsch. außerdem kommt es immer darauf an, was man mit der kamera macht und dabei ist es nunmal vollkommen egal, ob analog oder digital. entweder das bild ist toll oder das bild ist mies. und mit 1000-euro digitalkameras kann man auch noch ganz miserable urlaubsfotos machen. und glaubt mir, viele machen genau das.

meint: - am 04.04.05

Ja, das mag sein, aber digital hat einfach den Vorteil, dass die Kostenklingel im Kopf ruhig bleibt. Du machst Fotos, wie du willst und schaust nachher, welche gefallen und entwickelt werden sollen. Da sehe ich schon einen Vorteil. Klar schützt dich die Technik nicht vor Scheißbildern, das tut aber auch eine analoge Kamera nicht. Die Bilder sind leztlich nur so gut, wie der Fotograf, aber ein Schnitzer mit einem scharfen Messer kann einfach besser schnitzen, als mit einem stumpfen.

meint: Kai am 04.04.05

die kamera ist in der tad einfach fett! das preis/leistung stimmt im bereich von digitalen-slr's. als wahrscheinlicher schwachpunkt bei mit dieser kamera geknipsten fotos ist i.d.r wohl der fotograf auszumachen. aber übung macht den meister ;)

nochmal zum kommentar analog vs. digital: keine frage, gute bilder lassen sich nach wie vor noch mit einer analogen machen, aber einmal vom digi-virus infiziert, wirst du deine digicam nicht missen wollen. du kannst verschiedene einstellungen testen und die resultate sofort auf dem display betrachten. stichwort übung macht den meister - mit einer digitalen slr kannst du den prozess ohne frage beschleunigen. und was die kosten anbelangt, stimme ich meinem vorredner zu. ich mit meiner digitalen slr bin ich wesentlich experimentierfreudiger geworden als mit meiner analogen. die zwangsläufigen entwicklungskosten hatte ich bei meiner analogen immer im hinterkopf. das war für mich ein eindeutiges hinderniss verscheidene motive und einstellungen auszuprobieren. (zugegeben, bei einem preisunterschied digital/analog von 600 EUR dauert die ersparnis etwas). und noch ein nicht zu vergessender punkt: mit der digicam kannst du schnell mal bilder online stellen, damit sich auch freunde dran erfreuen können.

meint: doppelkeks am 05.04.05

Seit wann gibt es die Nikon D70 eigentlich schon?

meint: Miriam am 18.04.05

Die Nikon gibt es seit ca. 1,5 Jahren.

meint: Markus Erdmann am 18.04.05

Digi Spiegelreflex führt zu einem anderen Stil der Fotografie: Schneller, direkter mit mehr Feedback. Da Du Deine Bilder kurz nach der Aufnahme betrachtest, lernst Du mehr als nach Wochen, bis der Film entwickelt ist. Analog hat noch Vorteile in SW und Dia, aber für Abzüge bis A* ist digital heute eindeutig vorne. Gadget: Ich habe in China Leute auf der Strasse fotografiert, die immer auftretende Spannung, wenn Du fremde Leute fotografierst habe ich ganz einfach umgangen, indem ich Ihnen ihr Bild hinten auf dem Monitor gezeigt habe. Ich war sofort von 10 lachenden Chinesen umringt, und ohne Sprache war das eine Tolle Erfahrung

meint: Stabsy am 25.09.05

Ja ich bin auch total begeistert von der D70 ( mit s ) .Trotzdem behalte ich meine FZ 20 dazu. Es macht einfach nur Spaß und ich bin auch der Meinung, dass digital viele Vorteile hat. Schnelle Beurteilung, geringe Kosten , immer verfügbarer Spaß.

An alle; stets gutes Licht

Gruß

Mathes

meint: Mathes am 24.05.06

Kann mich nur die Meinung vom Markus bestätigen. Die D70 ist ein geniales Werkzeug, welches wirklich absolut empfehlenswert ist. Habe auf meinen Body ein Sigma DC 18-200 montiert - jooop.
Es gibt allerdings einen Punkt, welcher mich wirklich nervt: Die mangelnde Unterstützung des RAW Formates von Nikon. Da legt man(n) oder Frau doch etwas mehr Geld als üblich hin - die Hardware ist wie gewohnt super... Aber wollen wir RAW nutzen und auch bearbeiten ist die Welt nicht wirklich mehr schön. Die Zukaufsoftware ist wirklich zu teuer; eine Suche nach Freeware lohnt sich.

meint: Heiko am 20.11.07

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