Kaum ein Netlabel scheint so geölt und exzellent zu funktionieren wie Thinner. Manches Mal kann man fast auch schon von einem Corporate Sound sprechen. Denn die Künstler und Crew um Sebastian Redenz legt Wert auf einen guten Sound, tourt durch die Welt und drückt eine Veröffentlichung nach der anderen raus. Wie Thinner sich auch im kommenden Jahr aufstellt erfahrt Ihr im Interview.Text: mo.
Fotos: Karsten Fähnrich
Thinner funktioniert, weil das Label präzise sowie zuverlässig agiert und sich professionell aufstellt. Neben Bemusterung, Pressetexten, T-Shirts und Künstlern, die auch live gerne auftreten, hat sich zwar manches Mal auch ein wenig Divatum eingeschlichen, aber hey, sie sind halt stolz und das zurecht.
Wie Thinner auf 2004 zurückschaut und 2005 begegnen wird, dazu haben wir Martin Juhls und Sebastian Redenz befragt...
Martin: 2004 war ein sehr spannendes Jahr für die Netlabel Szene. Zum einen weil es durch Szene-Magazine, interessierte Radiomacher und Webseiten wie Phlow und Tonspion erstmalig eine breitere Medienresonanz gab, zum anderen aber auch, weil auf einmal aus den abgelegensten Winkeln der Welt neue Netlabel auftauchten. Andererseits zeichnete sich ab, das Quantität nicht zwangsläufig auch Qualität beinhaltet und das Releasen auf Netlabels nicht immer eine erfolgreiche Zusatzpromotion für die Künstler sein muss. Letztendlich gab es aber vor allem unter der Vielzahl der Releases eine Menge interessanter Projekte zu entdecken von denen man sicherlich auch in Zukunft noch einiges hören wird.
Martin: Bezüglich der Entwicklung für 2005 könnte ich mir gut vorstellen, das einige Label durch konstante Qualität, sorgsame Releaseauswahl, ein ansprechendes Design und eine userfreundliche Benutzerführung auf längere Zeit das Interesse einer Vielzahl von Hörern auf sich ziehen werden. Immer mehr (vor allem bereits etablierte) Künstler werden sehen das ein Release auf einem solchen Netlabel viel stimmiger, unkomplizierter und öffentlichkeitswirksamer ist als das Anbieten von kostenlosen MP3s auf der eigenen Homepage.
Martin: Die Aussenwahrnemung von Seiten der Medien und Clubs ist oft gering. Die Medien wissen dieses neue unkommerzielle Format nicht wirklich einzuordnen und machen lieber mal ein allgemeines Feature als regelmässig Reviews zu schreiben. Bei der Flut der Releases ist es sicherlich auch schwierig mit geringem Zeitaufwand einen guten Überblick zu behalten.
Martin: Die Label Surfaces und Kyoto waren eine grosse Entdeckung für uns. Sebastian war selbst von den beiden Labels Stadtgruen und Epsilonlab sehr angetan.
Martin: Da die Thinner-Acts über die ganze Welt verteilt sind, kommunizieren wir weitestgehend per Mail und in Chats.
Martin: Die gebrannten CDs gibt es nun ja schon länger. Jeder Künstler kann eine limitierte Auflage von CD-Rs bei Konzerten und über seine Homepage verkaufen. Wir haben damit allerdings nichts zu tun. Das ist rein die Sache der Artists. Eingeführt haben wir dies weil es da anscheinend ein grosses Interesse von Seiten der Hörer gab, dass auch etwas damit zu tuen hatte, das manche Hörer dem Künstler gerne etwas für die Musik zahlen wollten. So kam es ja auch zu den Paypal Buttons und letztendlich zu den T-Shirts nach denen wir auch sehr oft gefragt wurden.
Sebastian Redenz: Ich mach das ganz gerne und hab es auch eine Weile lang auf archive.org gemacht, habe dort aber den Spaß verloren, da die Review Funktion dort nicht als solche verstanden wird, sondern eher als Comment Button, sei es um sich selbst zu featuren, oder um einen Release zu hypen/zerreißen, ohne das festgestellt wird, was genau daran gut oder schlecht ist. Jedenfalls habe ich Bleed gemailt und angeboten Reviews zu schreiben, zumal die Netaudio Reviews so langsam aber sich in Vergessenheit gerieten. Generell denke ich, dass es - für alle Netlabels - ganz wichtig ist dass Feedback da ist. Gibt es einen spektakulären Release, wie zuletzt die HC100, poste ich das auch als News.
Martin: "Eigentlich ist es eher so, das bei Thinner eine Menge Menschen involviert sind, die in ihrer oftmals spärlichen Freizeit daran arbeiten. Vom erhalten eines Demos bis zum gemasterten Release mit Promotext, Künstlerinfo, Flash-Cover und Medienpromotion kann es da schon mal etwas dauern. So haben wir in diesem Jahr eigentlich viel weniger und seltener veröffentlicht als wir es gewollt/gekonnt hätten. Wenn man dann nach einem Monat Sendepause fast täglich Mails von Hörern bekommt, die den nächsten Release gar nicht abwarten können, dann ist von überfordern wohl eher weniger die Rede.
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meint: Elliptic am 30.12.04Mal wieder ein sehr interessantes und gelungenes Interview, wie die anderen "Netlabel-Interviews" bisher auch!
Sehr schön!
meint: Wedgie am 31.12.04Thinner ist neuerdings ein e.V.?! Gar nicht schlecht, die Idee...vereinfachtes Agieren in juristischer Hinsicht (zumindest nach außen) und potentiell lukrativ hinsichtlich beitragszahlender Mitglieder. Und wenn's nur einsfuffzig im Monat sind, könnte die Masse da was bringen, vermute ich (?).
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