mem-Kongress: Die Netlabel-Thematik wird langsam erwachsen

Rubrik » Interview Portrait

mem_prymer.jpgAm vergangenen Freitag dem 13. fand die erste deutsche und öffentliche Diskussionsrunde über Netlables auf dem Kölner mem-Kongress statt. Mit an Bord verkündeten die Galionsfiguren von iD.EOLOGY und Tokyo Dawn die leise Revolution, die die (Indie-)Musikindustrie von hinten aufrollt. Ein persönlicher Einblick hinter das Geschehen.

Text: Moritz Sauer

Glücklicherweise war das Panel von Donnerstag auf Freitag verschoben worden. Während der Exklusiv-Gast Marc "Prymer" Wallowy von Tokyo Dawn extra von Venedig eingeflogen wurde, hatte ich schon grob die Präsentation mit Sounds, Stichworten und Grafiken vorbereitet.

Während sich die Opas und Omis auf die Enkelkinder aus dem Urlaub freuten, spazierten die braungebrannten Stöpse aufgeregt aus dem Terminal-Gate am Kölner Flughafen. Freude strahlend und glücklich wurde da Wiedersehen gefeiert. Nur eines der Kleinkinder, das aussah wie Tweety, krähte aus vollem Hals, aber zum Glück kam dann dann der schlacksige Marc, leicht gebräunt, gut gelaunt und ein wenig abgekämpft.

Nachdem uns mein Batmobil brav nach Hause gebracht hatte, wurde erst einmal bei Tequila Sunrise im schwülen Detroit Kölns - Wesseling - diskutiert, erzählt und so... Musik wurde keine gehört an diesem Abend.

Eben noch auf dem Zeltplatz neben dem Nuttenstrich...


...jetzt im Kölner Hyatt.

Am Donnerstag war dann akreditieren angesagt, nachdem wir faulen Säcke erst einmal bis 11 geschlafen hatten. Das erste und vorerst letzte Panel an diesem Tag, welches wir besuchten, drehte sich um Handies, Klingeltöne und Vermarktung. Einziges Highlight war der Berichte von Tobi von digitale Kunstverein Köln. Der rockte die Diskussion mit seiner Präsentation zur Scene und Demos in Grund und Boden. Nee, mem_sierpinski.jpgwas ein 64kb-Demo alles auf den Screen zaubert. Klasse.

Gleichzeitig drehten sich meine Gedanken, um Abseitiges und das eigene Panel. Der Nachmittag verging wie im Flug und nachdem wir kurz die iD.EOLoGY-Jungs in Köln getroffen hatten, wurde Marc nervös. Er wollte auch eine Powerpointpräsentation. Christian Sierpinski hatte vorgelegt.

Eigentlich war abends mem-Party angesagt, nur wir Streber wollten lieber einen gekonnten Vortrag basteln, uns mit Üben und so verbessern sowie im Zimmer auf und ablaufen, um die Nervösität zu verlieren. Schließlich war die Diskussionsrunde unser beider erster Auftritt in dieser Art und wir wussten nicht, was für Geeks, Könner und Major-Fuzzis auf dem Panel aufschlagen würden.

Gegen 23:30 machten wir uns dann in Richtung Hyatt auf, schließlich durfte Marc hier übernachten. Schade das ich keine Bilder gemacht habe, als unser Netlabel-Held das Foyer des Monster-Hotels betrat. Marc wäre am liebsten wieder gegangen. Das schien doch eine Nummer zu groß, oder? Doch ein Schaumbad im Luxushotel nehmen, hat ihn dann doch gekribbelt. Sprecht ihn mal drauf an. Ob er noch ein paar Bunnies eingeladen hat, weiss ich nicht...

Denn nachdem wir die die mem-Sause um 24:00 Uhr erreichten, wehte uns schon der schale Geruch des Abbaus entgegen. Nur noch ein paar leicht Alkoholisierte kicherten uns entgegen, hm, schade, wir haben uns ehrlich geärgert. Vielleicht hätten wir ein paar Kontakte knüpfen können...

Kurz davor ist schon fast vorbei


Die Nacht habe ich nur 6 Stunden oder so geschlafen und bin dann ziemlich aufgeregt gen Kongress gefahren. Dort wartete auch schon Steffen Wurzel, der Moderator der Nezzparade, einer Sendung im SWR (hört! Hört!), die ausschließlich Musik aus dem Internet spielt. Vor allem unterstützt durch Musiker, die ihr Material einsenden, oder Portale wie Besonic & Co. Ein Interview auf Phlow mit dem jungen Spund von 24 Jahren folgt, versprochen!
mem_publikum.jpg

Dann kurz einen Kaffee gekippt, Laptop angeschlossen, rumgezappelt vor Aufregung, ein paar hektische Witze gerissen und los geht's...

Was folgte war ein Panel, dass mir richtig Freude bereitet hat. Die Aufregung war plötzlich wie weggeblasen, was hatten wir schon zu verlieren? Denn die Gäste waren intelligent, hatten sich mit Mühe vorbereitet und positionierten sich trotz Underground-Etikett als tapfere Mitstreiter im Kongress. Und unser Publikum war einfach klasse. Die Leute haben uns berichten, erklären und diskutieren lassen und hin und wieder auch einmal geschmunzelt.

Später habe ich mir sagen lassen, dass es sogar während des Vortrags immer mehr geworden sind. Yeeee!

Bei sonstigen Veranstaltungen bei denen ich bisher anwesend gewesen bin, war in der Regel immer der Übergang in die öffentliche Diskussion der Knackpunkt. Wenn nicht eine rege Neugierde die Nervösität überdeckt, traut sich der bis dato Zuhörer nicht mal eben ans Mikro. Das kostet Überwindung. Unsere Lauschenden haben es getan und gemeinsam haben wir kräftig überzogen. Egal. Dankenswerterweise war der Kongress nicht so eng geplant, was definitiv ein dicker Pluspunkt war.

Resumée - Netlabels im Rampenlicht


Insgesamt ist das Panel gut angekommen, einige haben sich sogar bedankt. Hauptsächlicher Kritikpunkt gebührt mir. Vielleicht hätte ich den ganzen Vortrag und die Diskussion noch mem_mo.jpgein wenig heftiger und fordernder gestalten sollen. Vielleicht hätte ich auch mehr provozieren sollen, und insgesamt die Netlabels als Zukunft von Musikvertrieb & Co herausstellen sollen - als Chance in einem Markt, der bei den regulären CD-Verkäufen zusammenbricht. Vielleicht beim nächsten Mal. Vielleicht wollte ich auch nicht 100% das revolutionäre Potential offenlegen, weil mir die Szene ans Herz gewachsen ist und ich keinen Ausverkauf möchte. Dazu habe ich das kuschelige Phänomen einfach zu liebgewonnen. Aber was gut ist, wird meist größer... wir werden sehen.

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Kommentare

"Der kostenlos-Gedanke unterwandert langsam aber sicher das Bewusstsein für den Wert von Musik. Kann Musik, die an jeder (online-)Ecke kostenlos zu haben ist (abgesehen von den Internetgebühren), noch etwas Wert sein? Der Tauschbörsenmentalität setzt man nichts entgegen, indem man den Benutzern entgegenkommt und ebenfalls unentgeldlich abdrückt, was abzudrücken ist."

Das sind die alten Argumente, die auch von Kritikern der Freien Open-Source-Software (F/OSS) immer wieder hervorgebracht werden. Fakt ist, der Wert ist die Musik selbst. Wenn die Musik keinen Wert hat (ich meine nicht den finanziellen, sondern die Summe aus künstlerische Wert und Unterhaltsungswert) haben nicht nur die Konsumenten nichts davon sondern auch der Künstler hat nichts davon... Keine Auftritte oder Engagements als DJ, keine Chance auf einen Vertrag oder so (hab nicht so den Plan von den "richtigen" Begriffen). Solange Menschen in Grenzen wie (kostenlos = nichts wert) denken wird es die Netlabel-Szene wie auch die F/OSS-Szene schwer haben.

Revolutionen wurden noch nie von Menschen gemacht, die "herkömmlich" denken.

meint: Rene Schmidt am 17.08.04

"Vielleicht hätte ich auch mehr provozieren sollen, und insgesamt die Netlabels als Zukunft von Musikvertrieb & Co herausstellen sollen - als Chance in einem Markt, der bei den regulären CD-Verkäufen zusammenbricht."

Hm, also was mir bei der ganzen Sache noch nicht ganz klar ist: inwiefern verstehen sich die derzeitigen Netlabel denn als kommerzielle Alternative auf besagtem Markt? Prymer ("Exklusiv-Gast"?) und Tokyodawn gehen kommerziell doch auch einen sehr traditionellen Weg (Vinyl, Vertrieb, Laden - oder nicht?) und Ideology ist überhaupt nicht kommerziell orientiert.

Interessanter als der Ansatz, direkt über die kleinen Labels Dateien zum Download anzubieten (was sonst?), erscheinen mir Plattformen, die eine Katalogsfunktion erfüllen und auf denen man stöbern und bei Bedarf zuschlagen kann (Finetunes und Co.). Gerade im Bereich Micropayment lohnt der Aufwand nicht wirklich, solange man keine Lust hat, 50% und mehr der Einnahmen in die Payment-Systeme zu investieren. Gibt es da Pläne bei den Netlabels?

Ich frage in erster Linie, weil ich generell kein großer Freund der kostenlosen Musik bin, aus folgenden Gründen:

1.) Kostenlose Musik lässt genrerll die Qualität vermissen, mit der man bei gekaufter Musik rechnen kann (was jedoch noch lange kein Garantieschein ist...). Wenn sowieso keiner zahlt, kann man ja auch alles raushauen, ohne dafür kritisiert zu werden - es muss ja keiner bezahlen. Musik zu verkaufen anstatt zu verschenken ist eine positive Form der Selektion.

2.) Wieso sollte der Künstler - gerade bei den besseren Produktionen - ohne einen roten Heller ausgehen? Musik machen ist Arbeit und sollte genau wie jede andere Arbeit bezahlt werden. Auf einigen Labels tummeln sich verdammt gute Tunes, in denen jede Menge Arbeit steckt, die jedoch im endlosen Katalog-Kostenfrei der Archive verschimmelt, ohne sich bezahlt zu machen.

3.) Der kostenlos-Gedanke unterwandert langsam aber sicher das Bewusstsein für den Wert von Musik. Kann Musik, die an jeder (online-)Ecke kostenlos zu haben ist (abgesehen von den Internetgebühren), noch etwas Wert sein? Der Tauschbörsenmentalität setzt man nichts entgegen, indem man den Benutzern entgegenkommt und ebenfalls unentgeldlich abdrückt, was abzudrücken ist.

Was tun? Ich habe keinen Schimmer und würde mich gerade deswegen über eine Stellungnahme der "Großen" freuen (vor allem der "Exklusivgäste" ;-)). Geld einfahren muss man, ansonsten spielt man gegen die Künstler, die völlig umsonst (von Promo-Aktionen kann mittlerweile keine Rede mehr sein, da sich die Unmengen von Anbietern gegenseitig die Schau stehlen. So long, jetzt muss ich in die Heia. Ich hoffe, der Kommentar ist nicht so wirr, wie ich mich in dieser Sekunde fühle. Rechtschreibfehler bitte ich zu entschuldigen, ich bin einfach zu faul nochmal gegenzulesen.

meint: gonzo am 17.08.04

"Solange Menschen in Grenzen wie (kostenlos = nichts wert) denken wird es die Netlabel-Szene wie auch die F/OSS-Szene schwer haben (...)Revolutionen wurden noch nie von Menschen gemacht, die 'herkömmlich' denken."

Ich glaube nicht, dass im Bereich Netaudio eine Revolution gestartet wird. Zudem bedarf der Begriff "herkömmliches Denken" einer Definition, sobald es um's Geschäft geht; darum geht es ja: die Künstler für ihren Aufwand zu bezahlen. Inwieweit im Opensource-Bereich Geld gemacht wird, davon habe ich keine Ahnung. Meiner Meinung nach ist das Verschenken von Musik (so schön es ist, mit Hilfe der neuen Medien ein großes Publikum zu erreichen) jedoch demotivierend insbesonder für ernsthafte Künstler, die viel Zeit und Kraft in ihre Produktionen investieren. Am Wochenende auf dem Notebook einen Track zusammenschustern kann heutzutage jeder; Zeit und Kraft investieren, das können sich die wenigsten erlauben und sollten dafür wenigstens ansatzweise entschädigt werden. Und das nicht nur durch das "gute Gefühl", dem Opensource-Ideal zu Diensten zu sein.

Die Frage bleibt immer noch bestehen: wie verdient man als Netlabel Geld? Wie Thinnerism durch T-Shirt-Verkauf? Möglicherweise wären die Käufer eher bereit, für die Dienstleistung Musik zu zahlen, wenn nicht an jeder Ecke umsonst abgedrückt würde. Ich glaube weiterhin nicht, dass Künstler/Labelbetreiber mit ihrer Arbeit kein Geld verdienen wollen. Irgendwann kommt bei jedem der Punkt, an dem man sich fragt (zumindest, wenn man wie bereits gesagt einen Porduktionsaufwand betreibt, der über die Wochenendfrickelei hinaus geht), wieso eigentlich niemand bereit ist, auch nur einen roten Heller abzudrücken.

Wenn Du sagst, "der Wert ist die Musik selbst", dann stimmt ich Dir 100% zu. Daraus ergibt sich jedoch auch, dass dafür bezahlt werden muss, wenn man den Künstler nicht weiterhin ausbeuten möchte. Wieso nicht einfach 96kps Hörproben und den Rest auf CD verkaufen? Wieso (zumindest bezüglich der Codierung) hochwertige Produkte verschenken? Bei großen Labels macht das Sinn, da der Umsatz durch Hörproben nicht geschmälert wird; die kleinen Labels nehmen sich durch das Verschenken ihrer Produkte (und die auch noch in möglichst hoher Qualität!) die Basis für qualitativ hochwertige Produktionen. Als Experiment macht das sicher Spaß (bis in einigen Monaten die Hysterie um die Netlabel wieder abklingt), auf Dauer lässt sich mit der Methode jedoch kein Stein ins Umsatzbrett pressen. Und darum geht's doch irgendwie: den Künstler für seinen Arbeitsaufwand fair zu entlohnen.

@datamat - Ich finde einfach, eine Schallplatte hat im Vergleich zu einer Datei einen materiellen Wert und Charakter. Oder anders gesagt - Schallplatten und Plattenspieler haben im Vergleich zu File/Laptop einfach mehr Sex-Appeal. So sexy wie eine Schallplatte (abgesehen vom typischen Vinyl-Sound) wird eine Datei (was ist das überhaupt?) nicht werden.

meint: gonzo am 17.08.04

wenn ein vinyl platte sexy ist, warum hängen wir uns dann nicht alle Phallus-Symbol-behaftete Rockgitarren um und lassen halbnackte gogos dazu tanzen, finden viele bestimmt sexy. sorry für den etwas zynischen Tonfall.

Für mich sind das alles nur "früher war alles besser"-ausreden

meint: datamat am 17.08.04

Also wenn es einem egal ist, ob man eine Schalplatte (etwas materielles, plastisches, zum Anfassen) in der Hand hält und auf den Teller legt, oder ein paar Nullen und Einsen auf die Festplatte lädt - bitteschön. Zynisch kann ich dann aber auch: solche digitalgeilen Menschen können doch Sexappeal nicht mehr von einer schnellen Grafikkarte und 2 Gigs RAM unterscheiden :-) Aber das ist doch hier eigentlich auch nicht das Thema, es geht doch um Verkaufskonzepte (oder andere Einnahmequellen) vs. "Katalog-Kostenlos"...

meint: gonzo am 17.08.04

Lieber Gonzo,

da du den digitalen Files so skeptisch gegenüberstehst, gibt es in deinen Augen keine Zukunft für die Musik.

Es wird aber bald vermehrt digital abgesetzt werden, die kleinen Labels werden komplett auf mp3 (oder was noch kommt) umschwenken und werden, um überhaupt wahrgenommen zu werden das umsonst anbieten. Wenn jemand gute Musik auf einem kleinen Label produziert wird er auch in Zukunft noch ein großes Label finden, das ihn entsprechend entlohnt, was wiederum von kommerzieller Verwertbarkeit abhängt. Ist das der Antrieb Musik zu produzieren? Das würde ja heissen, alle wollen mit Musik maximal Geld verdienen und sind somit Dieter Bohlens / Superstars / Scooters in spe. in gewissen Maßen werden auch Künstler auf mittleren Labels Geld verdienen, die digital vertrieben werden. Allerdings vermehrt über Auftritte. Wenn es dir nur um Steine ins Umsatzbrett pressen geht, dann wird die Musik nur kommerzieller und flacher, nicht besser.

meint: datamat am 17.08.04

ach ja, cross media marketing wird zunehemnd an Bedeutung gewinnen. allerdings haben hier die grossen die nase mal wieder vorn. es gibt aber auch ein paar kleinere die davon profitieren

meint: datamat am 17.08.04

Wieso ist man gleich ein Dieter Bohlen verschnitt, wenn man für seine Musik Kohle sehen will? Musikmachen macht Spaß - UND Arbeit. Richtig?

"...da du den digitalen Files so skeptisch gegenüberstehst, gibt es in deinen Augen keine Zukunft für die Musik." Verstehe ich nicht - nur, weil ich handfeste Artikel (CDs/Vinyl/Tape) ansprechender finde als 0101011010101 heißt das noch lange nicht, dass ich den Verkaufswegen ablehnend gegenüberstehe. Ich wage es hier mal zu bezweifeln, dass die Schallplatte und die CD ausgedient haben, nur weil man sich in Zukunft Dateien auf die Platte oder in den Portable kauft. Ich erinnere an die Einführung der CD, damals ist die Schallplatte schonmal gestorben, erinnerst Du Dich?

meint: gonzo am 17.08.04

@gonzo: "Daraus ergibt sich jedoch auch, dass dafür bezahlt werden muss, wenn man den Künstler nicht weiterhin ausbeuten möchte."

Das bestreite ich ja nicht. Ich will ja nicht, dass die kostenlos Musik machen. Die sollen natürlich ihr Geld bekommen, das ist auch im Interesse der Konsumenten. Nur wenn die dumpfe Masse für das "Material" Software und Musik nichts mehr bezahlen will, weil sie alles sowieso kostenlos bekommt, sollte man sich Alternative Geschäftsmodelle überlegen. (Und nicht wie ein wild gewordener Stier auf alles losgehen, was den eigenen Zielen entgegenläuft wie die Musikindustrie)

Die Softwareindustrie kommt so langsam auf den Trichter. Übrigens ist es eine falsche Annahme, OpenSource-Autoren folgten ausschließlich ihren Idealen (die gibts es aber natürlich auch, so wie mich mit meinen kleinen Diddelprogrammen...). Viele Autoren wirklich guter und großer Projekte arbeiten beruflich an ihrer Software (z.B. www.go-mono.org (gehört zu Novell), www.kde.org (viele werden von SuSE bezahlt), www.gnome.org (Ximian, gehört auch zu Novell), www.apache.org, www.mysql.com usw.). Das Geld wird dort mit Dienstleistungen gemacht, z.B. Umsetzung von Kundenwünschen, Zusammenstellung abgestimmter Software, Migration usw. Das scheint zu funktionieren.

Wie genau man nun diese Geschäftsmodelle in die Netlabelszene trägt weiß ich jetzt auch nicht genau, dafür kenne ich mich in der Szene nicht gut genug aus.

Ich könnte mir aber vorstellen, dass ein Künstler, der seine Musik kostenlos anbietet, sie unter eine Creative Commons-Lizenz stellt. Der Attribution-Zusatz garantiert (soll garantieren), dass der Name des Künstlers immer im Zusammenhang mit seinem Werk genannt wird. Daraus entwickelt sich eine gewisse Reputation, die sich dann hoffentlich im Bekanntheitsgrad und in der Anzahl der Engagements niederschlägt. Habs jetzt nur mal locker gesponnen.

Mir ist nur wichtig, dass endlich dieses "kostenlos=nichts wert" aus den Köpfen geht, denn diese Gleichung ist falsch und dafür gibt es BEWEISE. ;))

meint: Rene Schmidt am 17.08.04

Als nur „Fan“ von Musik/Netaudio hier mal ein paar Gedanken die mir kamen nachdem ich die Kommentare gelesen hatte:

Kosten:
Bandbreite verursacht doch mittlerweile für die netaudio Label keine Kosten mehr oder ? Die meisten Label bunkern ihr Zeug doch bei archive.org, scene.org oder was spricht dagegen die „releases“ über p2p z.B BitTorrent bei http://www.legaltorrents.com/ zu verbreiten? Bei Downhillbattle wird fleißig an BitTorrent rumgebastelt, die haben was zusammengebastelt, der Client wird beim click auf die gewünschte Datei installiert und dann die Datei runtergeladen. Siehe hier: http://tinyurl.com/5smq7


Hier darf auch nicht der Fehler gemacht werden, den die Plattenindustrie gemacht hatt und den tech. Fortschritt zu unterschätzen. Heute ist DSL der Standard und selbst für Downloads im Gigabyte Bereich ausreichend, aber bei großen Mengen seitens des Hosts teuer. Aber wer weiss denn schon welche Bandbreiten in einigen Jahren verfügbar sind. Ich kann mich an einen Artikel aus der ISDN Anfangszeit erinnern (viele hatten noch kein ISDN) als jemand aus der Industrie meinte er sehe aufgrund der langen Downloadzeiten keine Gefahr durch das Internet !!!


Geld verdienen:
Am 4.8.04 schrieb Digitalis: „wir haben aufgrund unserer teilnahme (am Mercedes Mixtape) bereits bezahlte auftragsproduktionen machen können.“ Die Jungs von Thinneris.com schaffen’s sogar auf Tourne zu gehen, was nicht mal die „Einstürtzende Neubauten“ schafften. Gut als Laptop DJ reicht für eine Tourne das Handgepäck, wohingegen EN Tonnen von Zeug mitnehmen müssen. Für die, die’s nicht wissen, EN brachten eine CD raus, die nur durch Fans (Sog. Supporter) finanziert wurde.

Thinner geht einen guten Weg, mit T-shirts, Live Veranstalltungen und Bezahlung auf freiwilliger Basis. Sobald ich mal endlich richtig Geld verdiene, bekommt von mir jeder Kohle der Musik veröffentlicht, die mir gefällt. Die Micropayment Systeme werden auch immer besse, Pay Pal setzt sich immer mehr durch. Dann gibt’s ja auch noch Potato ( http://tinyurl.com/476u9 ) quasi ein legales und faires Pyramidensystem bei dem anscheinend wirklich jeder ein wenig, und der Künstler am meisten verdient, allerdings noch in der Testphase.

Qualität:
Klar gibt’s bei den netaudio Sachen Mist, genauso viel Mist wie auf CD oder auf Platte denke ich mal. Das schöne an den Kostenlosen Dateien ist, diesen Mist kann man löschen und man hatte keine Kosten.

Klang:
Nach Tests in der Ct können selbst die Musiker ihr Stück von CD nicht von der MP3 Datei unterscheiden. Thinner wiederum setzt (soweit ich weis) auf 192 kbs. Sexappeal von Platten kann ich keinen erkennen. Kann mir mal einer erklären was das sein soll?
Und Gerede vom „wärmeren Klang“ von Vinyl kann ich eh’ nicht mehr hören. Wahrscheinlich sind meine Ohren zudem schon so geschädigt, dass ich eine Platte nur an den Knacksern von der CD oder vom MP3 unterscheide.

Pro Netaudio:
Geh mal in einen Laden und frag nach philipinischer elektronischer Musik, oder nach türkischem Microsound.

Kontra Netaudio:
Gibt’s für den Konsumenten eigentlich nicht. Auf Seiten der Musiker, Geld macht man durch VERKAUFEN DER MUSIK keine, aber das machen wohl sowieso nur die „großen“. Nachteile sehe ich keine, höchstens ein „Problem“: die Zahl der Veröffentlichungen ist erschlagend, ich selbst lade hauptsächlich nur noch Compilation oder Mixe runter, gefällt mir dann davon etwas schaue ich natürlich noch mehr vom entsprechenden Künstler runter.

Zudem ist die stilistische Auswahl beschränkt durch die wohl größtenteils Laptop-Produktionen, sehr klein. Gut, der ein oder andere wird sagen, es gibt doch Techno, House und und und. Für mich fällt das alles in das sehr große Feld der elektronischen Musik. Wer sich hier bestens aufgehoben fühlt, lebt mittlerweile wohl im Schlaraffenland, ich höre zwischen Folklore und japanischen Noise so ziemlich alles was mir gefällt.

meint: Swen am 17.08.04

Das potatosystem sieht wirklich vielversprechend aus, danke für den Link.

meint: gonzo am 17.08.04

Hey Gonzo,

ich kann ja verstehen, das man kostenloser Musik skeptisch gegenüber steht. Ich bin es manchmal auch!

aber zu deinen Punkten:

>1.) Kostenlose Musik lässt genrerll die Qualität vermissen, mit der man bei gekaufter Musik rechnen kann (was jedoch noch lange kein Garantieschein ist...). Wenn sowieso keiner zahlt, kann man ja auch alles raushauen, ohne dafür kritisiert zu werden

Stimmt, du widersprichst dir allerdings selbst, wenn du später sagst, das es ein paar richtig gut gibt. Wenn man die Netlabels elektronischer Ausrichtung mit der physikalischen Szene vergleicht, wird beim Plattenpressen meist das Mastering vom Presswerk übernommen. Ist halt relativ schwierig das selbst zu machen. Außerdem gibt es vieleicht klanglich bessere Produkte, was aber nicht bedeutet, das die Musik klasse ist, und ich das kaufen würde.
Eine positive Art der Selektion? Welches Label macht denn Geld mit Verkäufen unter 10.000 und wer erreciht denn 10.000 Verkäufe. Für mich ist das ein Geldverbrennen zu Promozwecken und zielt auf das gleiche ab, was Netlabels wollen. Allerdings ohne Geld verbrennen. Ein Argument für Vinyl ist allerdings die veraltete DJ-Struktur die eben am "Schwarz-Weiss-Fernseher" hängt und ihre Wäsche noch im Fluss wäscht, weil es einfach das Originale ist. Würden mehr auf Traktor oder Final Scratch umsteigen, würde sich das schnell ändern.

zu 2. Welcher kleine bis mittlere Künstler (ich habe belegte Aussage dazu!!! ;-) verdient denn mit Platten Geld? Die bekommen ihr Geld über Auftritte, sei es als Live Act oder als DJ. Ich würde es auch besser finden, wenn so manchner keinen Live-Act oder ein DJ-Set spielen müsste, um Geld zu verdienen. Gute Musik zu produzieren macht leider keinen guten Liveact oder DJ. Ich könnte ruhig auf einige verzichten. Durch kostenpflichtigen Vertrieb im Internet könnte man zumindest ein paar Kröten an den Künstler senden. die Vertiebskosten sind geringer und heben so den Gewinn.

zu 3. stimmt, gebe ich dir völlig recht. Wer Musik verkaufen will, soll es meiner Meinung nach tun. Die Werteverschiebung ist allerdings schrecklich und wird meist von irgendwelchen zukunftsweisenden Profs vertreten, die ihre enormen "Gagen" vom Staat bekommen (oder Studiengebühren...). (und das aus meinem Munde)


Problematisch ist allerdings die Rolle der Rechteverwerter wie z.B. Gema, hiermit möchte ich jetzt eine neue Diskussion eröffnen :-)

Wann passiert da endlich was mit der Gema?

meint: datamat am 17.08.04

Zum Gema-Thema fällt mir gerade herzlich wenig ein, deswegen nochmal was zur einleitenden Diskussion :-)

Vinyl halte ich nicht für veraltet und auch nicht vergleichbar mit "Waschen im Fluss", da Platten a)im Vergleich zu einer Datei immer noch einen materiellen Wert an sich darstellen (und außerdem schick anzusehen sind) und b)qualitativ den momentanen Encoding-Standards noch weit voraus sind (128kps) - wenn man anfängt, 256kps Dateien anzubieten gibt man schnell die Kohle für den Traffic aus (überspitzt gesagt), die man auch auf's Presswerk "verschwenden" könnte.

"2. Welcher kleine bis mittlere Künstler (ich habe belegte Aussage dazu!!! ;-) verdient denn mit Platten Geld?" Wenn man selber zum Presswerk rennt und machen lässt wird man natürlich arm, allerdings kenne ich schon den einen oder anderen, der gelegentlich einen Track über ein Hardware-Label veröffentlicht und dafür Kohle sieht. Ist auch nicht die Welt, aber im Gegensatz zum verschenkten Tune ein riesiger Unterschied. Allerdings funktioniert das so derzeit wohl nur bei Techno/Tanzmusik, andere Genre auf Vinyl gehen mit Sicherheit weniger gut. Kostenpflichtiger Vertrieb im Internet ist sicherlich die Alternative, was mich da interessiert ist die Art und Weise der Bezahlung etc. Übrigens - wie würde wohl ein DJ reagieren, wenn Du ihm rätst, auf Laptop/Software umzusteigen?

Mehr kommt gerade nicht, bin auch gerade erst aufgestanden ;)

meint: gonzo am 17.08.04

Was würde ein DJ sagen, wenn ich ihm raten würde auf Laptop umzusteigen?

Frag doch mal Richi Hawtin, Jay Haze, Josh Wink etc, die machen das schon lange. und die ausrede "da läuft ja alles automatisch" kontere ich immer mit dem Argument, ob es denn wirklich darauf ankommt, ob ein DJ es auf die Reihe kriegt, das zwei Tracks mit MK2s zu synchronisieren oder das Mixing und die Trackauswahl. Es gibt massenweise Leute, die 2 Platten synchonisieren können und dann Nena und Madonna mixen. also auf was kommt es an? Das Publikum hat sich mittlerweile auch daran gewöhnt.

meint: datamat am 17.08.04

Zum Sexappeal von mp3: also ich find es regelmässig sexy, den Großteil meiner aktuellen Musiksammlung immer dabei zu haben (Laptop). Dabei kann ich auch spontan und mit null Vorbereitungszeit ein DJset in's Partyvolk kicken. Denn Traktor (also die Schallplattenspieler) sind auch immer dabei. Auf diese Weise habe ich in den letzten zwei Monaten "als Lückenbüsser" zwei DJsets spielen dürfen und sogar ein wenig Kohle eingeheimst. very very sexy imho!

@gonzo:
zum Thema "ich arbeite als Musik-Künstler und zwar mehr als nur mal am Nachmittag und am Wochenende". Ich kenne ein paar Leute aus dem Komponistenumfeld. Die produzieren echte Kunstmusik und arbeiten an einem Stück gut und gerne mal ein ganzes Jahr. Die verdienen ihr Geld meistens damit, dass die Auftragskompositionen erstellen und ihre Werke aufgeführt werden. Durch das Verkaufen der Kompositionen auf CD oder Papier ist glaub noch kein Komponist zu lebzeiten reich geworden....

Was bedeutet das für Netaudio?
Möglicherweise ist der aktuelle gangbare Weg zu Schotter zu kommen für den Jedentagsmusiker tatsächlich der Liveauftritt. Bei entsprechender Ausdauer und Qualität geht da glaub einiges. Digitalis z.B. können sich vor Angeboten kaum retten und ich habe sie selber mal Live und als DJs erlebt und es war gigantisch! Unterstützung sollten wir bekommen durch die GEMA, die ihre Arbeit einfach nicht macht! Ich als Label (2063musc) will Tracks veröffentlichen von Musikern. Das Label und die Musiker sollten entlohnt werden, wenn die Musik in Clubs und im Radio (also in einem kommerziellen Rahmen) gespielt wird. Fazit: Zeigefinger auf GEMA und noch mehr Airplay und Bekanntheit für das Netaudiophönomen, damit unsere Musier Öffentlichkeit bekommen.

meint: 020200 am 23.08.04

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