Lemonjelly - Der Horizont ist bunt und leuchtet

Rubrik » Interview Portrait

"Lost Horizons" heißt das langerwartete Debüt-Album von Lemon Jelly, aber welche Horizonte sie verloren haben, wissen sie angeblich selbst nicht. Trotzdem geht es Fred Deakin und Nick Franglen so richtig gut. Die gute Laune und Freude, die die abgerundeten acht Downbeat-Stücke verbreiten, spiegelt sich auch im Interview immer wieder.

Dabei sind sie genauso wenig albern oder aufdringlich komisch wie ihre Musik, sondern amüsieren sich und uns. Intelligent streuen sie bei Fragen, denen sie am liebsten ausweichen möchten, ein wenig Nonsens. Ist das der Fall fabulieren sie halt ein wenig und erzählen z.B. von Mike ihrem Nachbarn, der sich angeblich die Hälfte seines Kopfes rasiert hat und ein skurriler Zeitgenosse zu sein scheint.

Diese kleinen Ablenkungsmanöver gelingen ihnen vortrefflich und das ein oder andere Mal spielen sich Nick und Fred gekonnt die Pointen zu und witzeln vor sich hin. Irritiert muss man sich immer wieder sammeln und fragt sich, bei welchem Thema man den eben noch gewesen ist. Belustigt stellt man fest, das man es hier mit einem zusammengewachsenen Team zu tun hat. Kein Wunder, haben die beiden Briten doch nächtelang zusammengesessen und bis tief in die Nacht hinein vor dem leuchtenden Bildschirm verbracht.

Im Gegensatz zu vielen anderen Downbeat-Künstlern haben sie dabei jedoch nicht in Plattenläden und auf Flohmärkten nach Samples und Loops anderer geforscht, sondern ihr eigenes eingespieltes Material sondiert. Die Sequenzen und Melodien haben sie dabei immer wieder hierhin und dorthin geschoben, haben getüftelt und ausprobiert bis zu dem Moment, an welchem der Track plötzlich seine Stimmung fand. Vor allem war ihnen bei ihrer Arbeit wichtig keine simplen Stücke zu schreiben. Glücklich darüber, dass sie nicht gezwungen waren funktionsorientierte Musik zu schreiben, die in nur eine Situation passt, legten sie Ebene um Eben übereinander.

Herausgekommen sind dabei wunderbar sanftmütige Tracks. Melodisch wechseln sich Piano-Läufe mit Gitarrenschleifen ab, drehen Querflöten Pirouetten und schrauben sich die Songs in ihrer Euphorie nach oben, stoppen und landen wieder dort wo sie abgehoben sind. Lemon Jelly versprühen Lebensfreude durch mitreißende Naivität. "Du musst Dir das ungefähr so vorstellen: Wenn wir unsere Musik machen, dann ist das so als ob wir zwei im Sandkasten sitzen wie zwei kleine Jungs. Und dann versuchen wir eben so viel Sand in unsere Hose zu füllen wie es geht.", schmunzelt und flunkert Fred.

Der Vergleich mit der Kindheit passt eigentlich hervorragend, denn irgendwie hat man das Gefühl, dass hier behütete Kinderträume in zwei Erwachsenen weiterleben. Zwar ist nicht alles nur schön im Lemon Jelly-Universum, aber auch wenn einmal etwas düstere Momente durchschimmern, werden doch sämtliche Zweifel im nächsten Moment wieder lebhaft davongeweht. Das Leben ist zu schön für Trübsal blasen und genau das transportieren die beiden in ihren Soundtrack-angehauchten Geschichten.(Moritz)

Als Favorit speichern » AddThis Social Bookmark Button
Klick-Konzept - Essentielles Webdesign