Jimi Tenor - Die finnische Glamour-Eule

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jimi_tenor.jpgJimi Tenor, dass ist dieser schrille Finne auf der Bühne. Das ist der mit dem stoisch gelassenen Ausdruck, die männliche Diva par excellence. Der es mit Housestomper "Take Me Baby" bis in die Frauenzeitschriften schaffte. Die Faszination mit der Musikfans den Skandinavier die letzten Jahre verfolgte, wurde oft von seiner irrwitzigen Mischung aus Trash und Glamour gespeist. Selbstironisch inszenierte Jimi sich mal als schlappohriger Hase im goldenen Glitzerkostüm, mal als weiss schimmernder Zauberer mit Querflöte bewaffnet. Dabei beackerte er seine Orgeln, blies die Flöte und sang, während seine Musiker um ihn herum seine Songs nachspielten.

Neben seinen furios-komischen Auftritten, legte er einen bemerkenswerten Weg auf Labels wie Sähko, Warp und jetzt Kitty-Yo zurück. Gleichzeitig war der nölende Entertainer der Schreck eines jeden Musikschreibers, geleitete er doch den ein oder anderen bei seinen Antworten in eine endlose Warteschleife und beantwortete auch die cleversten Fragen mit wortkargem Gestottere und einem abschließenden "...you know."

Doch auch wenn sein neues Album "Higher Planes" so einige Überraschungen parat hält und schwungvoll jugendlich und hier und da kauzig knarzt, so wirkt Jimi Tenor im Gespräch doch weitaus mitteilsamer. Natürlich murmelt er immer noch eher, als das er frei heraus artikuliert was ihm auf der Seele liegt. Aber er ist weitaus aufmerksamer als früher, auch wenn er immer wieder an seiner Querflöte nestelt und ungeduldig den Auftritt erwartet. "Die Auftritte sind mein Elixier, auf sie freue ich mich wenn ich toure, ansonsten bleibt doch wenig Grund zur Freude." Wie auch, wenn man den halben Tag auf der Autobahn zwischen Hamburg und Frankfurt hockt.

Vielleicht wurde Jimi Tenor auch durch die Geburt seiner Tochter erwachsener, aber seine Musik beeinflusst das seiner Meinung nach nicht sonderlich. "Eher mein Alter...", schmunzelt er und lässt die Erklärung und das anschließende Fragezeichen einfach im Raum wie einen Rauchring schweben.

Das Album jedenfalls mäandert in vielfältigen Formen und wirkt ehrlich und ernsthaft. Logisch, dass man sich nie in Sicherheit wähnen sollte, steht man doch urplötzlich auch einmal vor einer Wand verzerrter Orgelklänge, um anschließend gleich wieder mit schmeichelnd funkigen Lovesongs in einen kuscheligen Frotté-Bademantel gehüllt zu werden. Wie ein Lebewesen atmet "Higher Planes" und lebt von seinem Live-Aspekt und seinen vielfältigen Ausflügen. "Ich habe keinerlei Samples benutzt.", berichtet Jimi stolz und außerdem wurden die Songs nicht wie bei früheren Alben noch einmal mit dem Computer editiert. Obendrein hat er in den letzten Jahren viel dazu gelernt, was das Schreiben der Partituren anbelangt. Dabei war ein effizientes Arbeiten auch unumgänglich, investierte das Multitalent doch sein eigenes Geld und bezahlte die Bigband selbst bis er fast blank war.

Im Gespräch räumt er auch so einige Missverständnisse aus dem Weg. Seine freakigen Auftritte, ob in Videoclips, Fotos oder auf der Bühne entstanden immer aus der Leidenschaft für Bilder und nicht aus Bizniz-Gründen. Jimi liebt Fotografie, ist ganz der Entertainer und hat bei all seiner Visualität keineswegs Angst auf diese reduziert zu werden. Schließlich soll es unterhalten und Spaß und Witz versprühen. Und das tut es.
(Moritz)

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