Jahcoozi: Gegensätze ziehen sich an

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jahcozzi1.jpgPortrait von Jahcozzi | Der Name der Band hat nur zufällig etwas mit den Reggaegöttern zu tun und schon gar nichts mit einem Whirlpool. Vielmehr stammt er aus einer frühen Textzeile von Frontfrau Sasha, die einfach zusammenfügt, was gut klingt. Und das ist wahrscheinlich die Gemeinsamkeit, die die drei in Berlin lebenden Musiker zusammengebracht hat. Ein Portrait von Tend.

Text: Tend sprach mit Robert Koch

Ihre Herkunft kann unterschiedlicher nicht sein: Sasha verbrachte ihre Jugend in Londoner Jungle-Clubs, während Robot als Schlagzeuger einer Punkband in einem Kasseler Proberaum stand. Und würde man die Musiksammlungen ihrer ipods vergleichen, fiele die Schnittmenge wohl auch nur sehr gering aus: "Es gibt schon öfters Grundsatzdiskussionen. Aber eigentlich verstehen wir uns sehr gut!"

Sasha wuchs in London auf, ihre Eltern kommen aus Sri Lanka. Nach ihrem Politikstudium zog sie nach Berlin. Robot trat seinen Weg von Kassel aus über Hamburg und New York nach Berlin an und fand durch das Auflegen zur elektronischen Musik. Beide trafen sich zufällig bei einem Freund, bei dem Sasha gerade einen Track einsang. Man hing schließlich öfters zusammen, rauchte und experimentierte ein wenig und mit dem gelernten Tontechniker Oren aus Tel Aviv ging es dann auch ziemlich sicher in Richtung Band, Bühne und allem, was dazugehört.

Nach dem Flickenteppich...

War das erste Album noch ein Wohnzimmer-inspirierter Flickenteppich, der zum großen Teil mit magerem Equipment und billiger Software produziert wurde, entpuppt sich "Blitz’n’Ass" ein amtliches Studiowerk mit durchgängigem Sounddesign: "Wir haben eine hohe Live-Identität und achten immer darauf, dass der Sound drückt und funktioniert. Die Band wurde gegründet, weil wir uns von den normalen Laptop-Artists mit Spaß und Entertainment abheben wollen."

Die drei haben Freude, ihre völlig unterschiedlichen musikalischen Sozialisationen zu fusionieren, die Welt zu entdecken und natürlich das Publikum zu rocken: „Einmal ist mein Tisch zusammengebrochen und ins Publikum gefallen. Geil war, dass der Laptop, trotzdem er auf dem Boden lag, weiter gespielt hatte und nur eine Fehlermeldung anzeigte. So reichte man mir alles wieder nach oben und weiter ging’s!“

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„Die besten Erfahrungen haben wir bisher in Südfrankreich gemacht, wo man am meisten auf wilde Stilmixe abfährt. Die gehen dort ganz anders ab, als in anderen Ländern.“ Und dieses Urteil können sich die Drei wirklich erlauben. Spielen sie doch mitunter an den entlegendsten Orten der Welt: „Transilvanien, St. Petersburg, Singapur, Kuala Lumpur – manchmal ist das aber weniger glamourös als man denkt. Wir haben nicht viel von der Reiserei, ist eben nur Flug, Soundcheck, Party, Hotel, kaum Schlaf und oftmals geht mittags schon wieder der Flieger. Ab und an haben wir aber auch Glück und bekommen von den Veranstaltern ein wenig die Stadt gezeigt und lernen nette Leute kennen. Wir sind zwar regelmäßig ziemlich im Arsch, aber es ist unser absolutes Traumleben.“

Trotzdem muß sich Robot noch entrüsten: „Wir sind immer fasziniert, dass in unseren Konzerten die ersten drei Reihen fast nur aus Mädchen bestehen. Leider interessieren die sich aber nur für die Power von Sasha, die sie mit offenen Mündern fixieren.“

Unbeschreibbar?

Wie beschreibt man schließlich den Sound dieser Formation am besten? Wahrscheinlich geht dies gar nicht, weil man zu viele Elemente verschiedenster Styles und Atmosphären auf einander treffen lässt, ohne bei dieser hohen Vielseitigkeit an Konzept zu verlieren: „Das wird von vielen schon als neues Aushängeschild von Berlin bezeichnet. Es bilden sich gerade so viele Künstler mit neuem Stilmix heraus, der elektronisch, aber nicht Techno ist.“

So treffen wir innerhalb der 15 neuen Stücke zwischen Booty, Grime, Dubstep, Ragga, Dub und Techno auf familiäre Wegbegleiter wie RQM, den tief verehrten M. Sayyid vom Anti Pop Consortium, sowie Stereotype aus Wien. Auskopplungen mit Remixen von weiteren namhaften Künstlern sind bereits angekündigt. Bleibt nur noch zu hoffen, dass die dazugehörige Release-Tour auch in der eigenen Stadt vorbeikommt, um live zu sehen, was man live sehen muß.

Jahcoozi
Blitz’n’Ass erscheint Im November 2007

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