Hofuku Sochi - Interview mit DJ Stachy aka Stachy_G

Rubrik » Interview Portrait

stachy_g.jpgDie alten Helden des deutschen Hip Hop sind heute vermehrt in der elektronischen Stube Zuhause. Michi Beck macht den Turntable Rocker, Koze und Cosmic DJ sind Teil von International Pony. Und der ehemalige Kollege der beiden Pferdchen DJ Stachy aka. Stachy_G geht auch seine eigenen Pfade. Sein neues Album seines Projekts Hofoku Sochi steht jetzt in den Läden und gleichzeitig finden sich im Netz die "Found Tapes" auf Camomille. Im Interview mit Stachy.

Interview und Text: Thomas "Datamat" Höverkamp

T: Mit dem Projekt Hofuku Sochi verkauft ihr richtig Platten. Warum gibt es noch Bonustracks im Netz?

S: Mit Hofuku Sochi müssen wir nicht in erster Linie wirtschaftlich denken. Uns schwebt eine Absatzzahl zwischen 2-4 Tausend Platten vor. Für unsere Musik ist das Netz als Medium relevant, daß wir unsere Arbeit völlig umsonst den Zuhörern bereitstellen wollen. Für die Found Tapes, als Nebenprodukt unserer Arbeit, haben wir den Entschluß gefaßt das zu machen.

T: Wie kam es zu dem Namen "Live in NY 1982 - The Found Tapes "?

S: Der Name ist natürlich ein Fake. Wir haben am Studio Album gearbeitet und nebenbei zur Entspannung rumgejammt, ohne ein festes Ziel. Ich hab das DAT mitlaufen lassen und aus den 4-5 Stunden Material haben wir sechs Stücke herausgenommen. Nachträglich haben wir dann noch ein bißchen editiert. Tangerine Dream haben mit 120 Stunden Live Material aus USA auch ein Album gemacht (lacht). So ist der Name entstanden: Ein imaginäres Konzert 1982 in NYC, Found Tapes, also die lange verschollenen Aufnahmen.

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T: Das Produzieren von Musik ist heute billig wie nie zuvor. Für wenig Geld bekommt man eine perfekte Studioausstattung. Trotzdem benutzt ihr weiterhin LoFi-Geräte wie z.B. Nanoloop. Ist das ein Gegentrend zum perfekten digitalen Klang?

S: Die rauhe Soundästhetik von Nanoloop ist faszinierend. Wir verfügen natürlich über viel bessere Möglichkeiten, möchten aber bestimmte Geräte auf eine besondere Weise benutzen. Unser erstes Album haben wir mit vielen analogen Geräten ganz ohne Midi aufgenommen. Unser Ansatz ist immer noch, die Stücke auf Jam-Basis einzuspielen. Wir sind zu zweit und jeder hat seinen eigenen Bereich, wo er eingreifen kann. Das Ergebnis sind dann 20 Minuten, die runtereditiert werden zu einem fertigen Track.

T: Wie unterscheiden sich die Netaudiosongs zu eurem Album?

S: Die Found Tapes haben keinen ausgeprägten Beat sondern basieren auf flächigen Konstrukten. Dadurch ist die Sache freier und wir haben auch kein vorher durchdachtes Arrangement. Das Album geht in die Richtung Elektronik Instrumental Song. Wir nutzen die gleichen Instrumente mit den gleichen Sounds, aber wesentlich beatlastiger. Wir wollten aber keine Clubmusik machen und haben uns da bewußt zurückgehalten.

T: Wenn du auflegst, benutzt du auch einen Laptop. Wie intensiv benutzt du die neuen Möglichkeiten?

S: Der Laptop ist nur ein Ergänzungsmittel und kein Substitut von Vinyl. Ich benutze Traktor als Werkzeug, um eigene Sachen miteinfließen zu lassen. Ich spiele auch Edits von Stücken, die z.B. lästige Gitarren oder Vocals beinhalten. Zum Teil spiele ich auch Netaudio, was niemals auf Vinyl veröffentlicht wird.

cover_hofuku_sochi.jpgT: Wie verfolgst du die ganze Netaudioszene?

S: Ich beschäftige mich schon seit längerer Zeit intensiv damit. Da ich fast immer unterwegs bin, gehe ich allerdings wenig über die Webseiten, sonder nutze die FTP Server und lade alles komplett runter. Danach entscheide ich dann, was ich behalte. Von einem kompletten Katalog bleiben dann vielleicht 4 oder 5 Stücke auf meinem Laptop.

T: Wie siehst du die Zukunft der Musik im Netz?

S: Ich finde Netaudio klasse! Es gibt aber den Teufel namens E-Commerce und darin sehe ich das größte Problem für den freien Vertrieb von Musik. Es ist eine Frage der Kontrolle und wer sich einmischt, sei es der Staat oder die Wirtschaft. Das Internet ist aber die Basis für eine Entwicklung, die sich parallel zum Plattenmarkt entwickeln wird. Für mich als Künstler ist es ein Mittel, an die Hörer ranzukommen ohne vollständig von der Plattenindustrie abhängig zu sein. Ich glaube, das Internet wird noch viele Anstöße für den normalen Markt geben. Es hat auf jeden Fall Zukunft für die Leute, die sich nicht diesem materiellen Profitzwang unterwerfen wollen. Netaudio muß frei und unabhängig bleiben. Nur so hat es gute Chancen sich weiter zu entwickeln.

T: Vielen Dank für das Interview!

Links

Release: Hofuku Sochi - "live in NYC - the found tapes"
Netlabel-Website: http://camomille.genshimedia.com

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Kommentare

Die letzte Frage und die dazugehörige Antwort sind völlig daneben.

meint: gast23 am 21.12.04

kannst du deine kritik evtl etwas genauer ausdrücken lieber gast23?

meint: datamat am 21.12.04

Mal davon abgesehen ist die Veröffentlichung auf camomille sehr gut und empfehlenswert und es stecken großartige Musiker dahinter.

meint: gast25 am 22.12.04

Naja, liegt doch auf der Hand: Eine Frage, die an jemanden gestellt wird, der sich damit nicht auskennt und dann eben die dazugehörige Antwort gibt. Der gute Mann kennt sich vielleicht mit dem Pressen und Vertreiben von Platten aus, aber wohl nicht mit Netaudio. Und wie kann jemand von freiem Vertrieb von Musik sprechen, wenn er darüber nix weiss. Die einzelnen Sätze auseinanderzunehmen, macht keinen Sinn, sie stehen für undurchdachtes Herumquaken über äusserst komplizierte Themen, die zusammenhängen: Freiheit, Wirtschaft, E-Commerce, Unabhängigkeit. Es macht IMO keinen Sinn, die Themen hier aufgrund dieses Statements zu besprechen. Wenn man das an anderer Stelle machen würde, wär das gut, aber bitte ohne Worte wie Freiheit, Teufel, Staat.

meint: gast24 am 22.12.04

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