Heiko Laux - Das Michelangelo Prinzip

Rubrik » Interview Portrait

offshorefunk-01.jpgSchon der Titel des neuen Heiko Laux-Albums verdeutlicht, dass es "offshore" geht - also auf zu neuen Ufern. Mit im Boot sitzt da vor allem Teo Schulte, Studionachbar, Jazzer und Computercrack. "Offshore Funk" ist das fruchtbare Ergebnis einer Annäherung zweier Musiker, die sich langsam aufeinander eingestimmt haben. Vor allem mit gemeinsamen Plattenhören und Ideenaustausch wurde freundschaftlich der Weg für eine Kooperation geebnet.

Dabei gab es keine eigentliche Zielsetzung, wie man es von Konzeptalben her kennt, weil das nicht wirklich Heikos Ding ist, wie er selbst gesteht. Vielmehr führte die Verdichtung von Ideen die Beiden immer wieder zusammen. Schwärmerisch erzählt der Labelbetreiber von Kanzleramt, dass "Teo ein sehr auflösendes Gefühl hat und das mit ihm nichts unmöglich scheint." Unter anderem entsteht dieses Gefühl vor allem dadurch, das Teo Probleme schnell zu lösen weiß. Das führt dann zwangsweise zu einem hohen Spaßfaktor bei den Produktionen, was man als Hörer durchaus in den deepen und melodiösen Tracks nachfühlen kann.

Der Soundskulpteur

Doch wie viel Jazz steckt denn in den Produktionen? Bietet Techno Raum für Improvisation und Dynamik? Die Antwort ist darauf wohl eher ein Jein. Betrachtet man den Produktionsprozess, so entstehen die Tracks schnell, intuitiv. Das Ziel dabei ist es Soundideen und Motive schnell zu "capturen", wie offshorefunk-03.jpger es nennt. Dass kann eine schnell in den Computer "geklimperte" Melodie sein oder ein Jam mit der Ableton Software Live.

Oftmals führt der eine Sound auch zum anderen. "Das ist ähnlich wie das Michel Angelo-Prinzip 'Die Figur war schon immer im Stein'. Ich höre den Sound und weiß, wie ich den zu filtern habe und wie ich die Envelope manipuliere damit sich so einen 'Mood' entwickele, den ich gerade spüre." In diesem Flow, der ihm oft wie vorgegeben scheint, führt ein Bass-Klang zur dazugehörigen Bassdrum zum dazupassenden Sound.

Die anschließende Produktion, die dann im Club diesen kitzeligen Höhepunkt im DJ-Set entwickelt, dauert dann manchmal mehrere Wochen. Denn dorthin, an dem Ort wo man sich für Stunden in der Musik verliert, zieht es Heiko Laux nach wie vor am meisten hin. Das beweisen auch die loungigeren Tracks, in denen immer das Herz des DJs pulsiert.

Rahmenbedingungen

Doch die Club-Tauglichkeit eines Techno- oder House-Tracks hat auch immer offshore_funk_laux.gifseine Schattenseiten. Denn oft entscheidet nicht die Dynamik oder Melodie allein über den Einsatz auf dem Plattenteller, sondern auch immer die Lautstärke. Klar, gerne hätte Heiko Laux mehr Optionen frei für seine detaillierten Sounds. Doch die Funktionalität und der Anspruch sich im Club durchzusetzen macht da das ein oder andere Mal einen Strich durch die Rechnung. Deswegen versucht er seine Klangskulpturen so klar wie möglich freizulegen, damit sie gleichzeitig so prägnant und druckvoll klingen wie es nur geht und nicht vom Mastering-Studiokompressor für mehr Lautstärke zerdrückt werden. Und das ist ihm mit Teo zusammen so ziemlich geglückt. (Moritz Sauer)

Website zum Release: www.offshore-funk.com
Labelwebsite: www.kanzleramt.com

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