Resonanz zum Netaudio Festival in Berlin 2007

Rubrik » Interview Portrait

netaudio07_festival_berlin.jpgReaktionen auf das deutsche Netaudio Festival | "Wie war das Netaudio Festival in Berlin 2007?" fragen wir uns hier in der Phlow-Zentrale. Nach ein paar Emails flattern derzeit nacheinander interessante Reaktionen von disrupt, Elliptic, Martin Donath und Sim Sullen rein. Letzterer versorgt uns hoffentlich die Tage mit ein paar schönen Bildern von der Veranstaltung.

Das Interview bzw. Portrait von Timor Kodal im Tagesspiegel mit dem Titel "Sie treffen sich in einem Garten" finde ich ein wenig merkwürdig geschrieben. Insgesamt stinkt das zu sehr nach GEMA-Bashing und "wir kleinen, wir kommen!". Das liegt vielleicht am Schreiber, vielleicht am Interviewten selbst. Leider stehen in dem Artikel wenig Originalzitate. Das eine, das mir ins Auge gestochen ist, liest sich ein wenig übertrieben rebellenhaft in meinen Augen:

Ich bin Netaudio-Aktivist. Ich möchte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die klassischen Vertriebswege für Musik nicht koscher sind.

Ich frage mich: Was soll daran nicht koscher sein? Die Bedingungen sind klar und selbstverständlich fragwürdig. Doch sind sie vollkommen ok und wer sich darauf einlässt, muss halt gut rechnen. Leider steht in dem Artikel, der vor dem Festival erschien, auch wenig zum Netaudio Festival in Berlin. Fragen wir also mal bei denjenigen nach, die dagewesen sind:

disrupt von Jahtari meint...

In seinem ausführlichen Artikel positioniert sich disrupt von Jahtari äußerst kritisch zum Netaudio Festival. Durch den Bericht und dank seiner Analyse merkt man Jan "disrupt" Gleichmar an, wie wichtig Musik, Musikerdasein und auch die Zukunft seines Label-Daseins ist. Das Geld eine wichtige Rolle ist und "Kommerz" nicht perse böse ist, bringt er exzellent auf den Punkt. Auch für seine Ehrlichkeit gebührt ihm Respekt.

While the general tone sounded like everything is just splendid, „we“ revolutionaries are fighting „them“ evil Major-GEMA dudes successfully with the Creative Commons license concept and that this generally will be the future I think it's also time for some honest criticism.
Well, that party night was really an eye opener. There were three different floors in the RAW. Huge floors. The organization, especially the technial side, was downright amateurish. Total chaos, mistakes happened that wouldn't have happened to us 10 years ago when we were organising parties, being merely out of our teens. But that's not the point. The point is that on all three floors Minimal Techno was being played. Simultaneously and all night long.
Another thing very obvious was the lack of knowledge about the realities of the music bussiness. It all came down to „selfless Netaudio“ vs. „greedy Major companies“. Which is total crap.
Maybe you observed it with yourself, the net just isn't enough as a source of new musical impulses.
No way around it, most mechanisms of distribution of the money just suck. But within the CC scene it almost sounds like a sin, like greedy sell-out, to have money involved. But keep in mind that without any money going to the indie sector the whole sector itself, labels and distributors, will go down the drain eventually.

Jahtari-Artikel: NETLABEL FESTIVAL 2007 - Going Nowhere

Elliptic von iD.EOLOGY meint...

In seiner Email an uns fasste Elliptic vom kölschen Netlabel iD.EOLOGY sein Feedback wohlfein sortiert nach Pros und Cons auf:

Positiv:
+ Den immensen Aufwand einer solchen Veranstaltung für die Netaudio-Szene zu veranstalten!
+ Vorträge mit sich im nachhinein daraus entwickelnden konstruktiven Diskussionen mit Publikum und Vortragenden - auch wenn ich nur 2 mitbekommen habe
+ Das gemütliche Netaudio-Brunchen am Sonntag mit Leckereien und Monomatik-Live-Beschallung!

Negativ :
- Der fast ausschließliche Minimal-Focus, besonders am Samstag wäre bei insgesamt 3 Floors wenigstens einer mit konsequent anderem Stil schön gewesen.
- Die leichte Chaos von der Organisation am Samstag abend auf den Floors(zumindest für die beteiligten Artists)
- Das ganze war vielleicht ein bisschen zu groß angesetzt, dementsprechend haben auch die Besucher dann am Samstag nicht ganz für 3 Floors gereicht.


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Kommentare

ich errinnere mich an meinem kommentar vor der veranstaltung:


"ich komme langsam drauf: gute freie musik im netz gibt es in allem genres. vor allem die geeks die ständig über eine netaudio "szene" sprechen und ihre projekte bewusst unter diesem brand stellen schränken das spektrum ein - hier scheinen sich nur IT-"Musiker" zu tummeln die auch nur ihresgleichen zulassen.

netaudio ist viel mehr, es nur nicht als solches ausgezeichnet. es heisst dann eben "musik".

"netaudio" ist eben nur eine kleine sehr IT lastige szene, die absolut nicht "musik aus dem netz" bedeutet, sondern eher sowas wie "programmierer und grafiker die sich an musik versuchen"."

das ganze sollte umbenannt werden. von "netaudio" zu "geekaudio".

nun zwei sachen dazu:

"„we“ revolutionaries are fighting „them“ evil Major-GEMA dudes successfully with the Creative Commons license concept and that this generally will be the future I think it's also time for some honest criticism."

fakt ist: netaudio bewegt sich nicht (wenigstens in den letzten 5-6 jahren). es ist eine geschlossene szene mit den gleichen 11-12 protagonisten wie vor jahren. in der masse setzt sich "geekaudio" ;) einfach nicht durch.

creative commons als alternative? alternative zu was?

- zur den vertriebs- und promostrukturen der musikindustrie? nein, es hat nicht das geringste damit zu tun.
- zur gema? überhaupt nicht, CC ist weder ein inkasso-dienst noch kümmert es sich um irgendwelche kommerziellen anwendungen der medieninhalte.
- zu den üblichen künstler AGBs? auch nicht, die sind ja bereits glasklar und entsprechend rechtssicher gesetzlich festgelegt.

CC ist eben eine alternative zu gar nichts. es ist schlicht mode da mitzumachen, nachdenken tut kaum jemand, sonst würde schlicht niemand mitmachen.

CC ist eine völlig nutzlose, hirnlose leere hülse, mehr als doofe banner und 3-4 ohnehin offensichtliche regelungen gibts dort nicht. man könnte genausogut keine "lizenz" angeben und es würde keinerlei unterschied machen (dann greifen eben die üblichen AGBs). gerade für den bereich in dem regelungen essentiel sind - nämlich kommerzielle anwendungen - hält sich CC einfach elegant raus (!). sozusagen ein "lizenzhinweistextundzugehörigkeitsprovider". ich frage mich nur wer sowas wirklich braucht.

ich begreife den CC hype überhaupt nicht und wundere mich (naja, ich bin erschreckt) wie wenig leute sich darüber gedanken machen (bzw wie naiv mit diesem thema umgegangen wird).

wie es bereits vor jahren gesagt wurde: "creative commons ist ein label für mittelmäßigkeit."

meint: Fabien am 10.10.07

"man könnte genausogut keine "lizenz" angeben und es würde keinerlei unterschied machen (dann greifen eben die üblichen AGBs)."

Genauso sieht's in der Realität ja auch aus. Denn auf 90% der Platten auf dem Indie/Elektronik-Sektor steht nur "Copyright Control" (oder eben gar nichts). Heißt, man ist durch die normale Rechtslage geschützt und "es greifen die üblichen AGBs." Für welches Technolabel mit einer Standard-500er Pressung macht GEMA schon Sinn? Und solche Label gibt's ja wie Sand am Meer. Jedenfalls finde ich, daß dieser große Teil unserer Musikkultur immer völlig ausgeblendet wird, obwohl das dort seit Jahren sehr gut funktioniert, zumindest rechtlich. Bei Net-Events läuft's am Ende aber immer auf GEMA-bashing raus (treffendes Wort, mo.), obwohl das für die meisten von uns eh nie relevant sein wird. Und das ist nunmal völlig an der Realität vorbei.

meint: disrupt am 10.10.07

lustig, ich hatte gerade meine eindrücke von der netaudio in einem anderen kontext zusammengefasst und bin weitgehend auf die gleichen punkte gekommen.

die organisation war natürlich alles andere als gelungen. allerdings fand ich engagement und persönlichkeit von zwei dritteln des verantwortlichen teams so überzeugend, dass mir das am ende einigermaßen egal war.

viel schlimmer fand ich den musikalischen fokus. minimal wäre ja fast noch ok gewesen (berlin und so), aber minimal auf dem niveau von vor fünf jahren ist dann doch enttäuschend. zumal auch die anwesenden label nicht gerade einen guten querschnitt durch die netaudio-szene (wenn es denn überhaupt so etwas gibt) dargestellt haben.

von den vorträgen habe ich leider nicht viel mitbekommen. aufgefallen sind mir besonders die enormen unterschiede in bezug auf know-how, professionalität und meinetwegen auch vision. aber für solche erkenntnisse ist eine veranstaltung wie die netaudio ja auch gemacht, woll?

meint: holger (monomatik) am 11.10.07

Also ick hab Spaß jehabt. :)

War zwar nur Freitag Nacht und Samstag tagsüber da, aber war ziemlich beeindruckt, was die Jungs da auf die Beine gestellt haben. Das Chaos hat mich jedenfalls nicht wirklich gestört, gehört irgendwie auch ein bisschen zu so einer Veranstaltung dazu und macht sie liebenswert.

War richtig schön, mal all die Leute zu treffen, mit denen man sonst nur über's Netz oder die Musik Kontakt hatte.

meint: Q-Man am 11.10.07

ich war nicht da, kann aber von der NA zürich sagen das die TOP organisiert war- vielleicht auch deshalb weil das gelände etwas überschaulicher war und das diskussions & workshop-angebot kleiner. aber trotzdem. lieber beschaulich & effektiv als übermotiviert. keiner einer konkret was zu london sagen?

meint: sven swift am 11.10.07

Ich kann mich nur anschließen:

toll, dass so eine Veranstaltung in Berlin möglich war,
toll, wieviel Werbung die Organisatoren gemacht haben,
toll, wie hoch zum Teil das Niveau der Vorträge war,
toll, dass endlich mal mit ernsthaften Argumenten eine Diskussion über die Professionalisierung von Netlabels angestoßen wurde.

ärgerlich, dass die Ablauforganisation bezüglich des Lineups/der Auftritte unterirdisch mies war,
ärgerlich, dass der Fokus so einseitig auf Techhouse und Minimal lag
ärgerlich, dass das Publikum sich auf drei Venues verteilte.

Was mir aber - gerade im Rahmen der Diskussionen und sonstiger Gespräche - klar geworden ist, ist der Umstand, dass die meisten Aktiven in der Szene keinerlei oder so gut wie keine Ahnung von den rechtlichen und ökonomischen Aspekten eines Labelbetriebs haben, sich selbst gleichzeitig aber als moralisch-ethisch integeren Gegenpol zur bösen, meist als monolithischer Block porträtierten Musikindustrie empfinden. Um wirklich eine Alternative abzugeben, bedarf es m.E. aber mehr als nur einer geradezu pubertären Verweigerungshaltung. Sowas kann man sich vielleicht leisten, wenn man Dinge besser macht als kommerzielle Labels. Und das würde heissen, künstlerische Freiheit UND finanzielle Vergütung unter einen Hut zu bringen, den Künstlern also eine echte langfristige Perspektive zu bieten. Ansonsten werden die interessansten Netaudio-Künstler auf Dauer zur "bösen Musikindustrie" abwandern, die ihnen immerhin Geld, Promo und ein wirksames, wenngleich nicht beanstandungsloses Inkassosystem zur Verfügung stellen kann. Der erste Schritt in diese Richtung wäre vielleicht, dass die Netaudio-Szene ihr Szene-Bewußtsein aufgibt und die Macher konstruktives Nachdenken über die Entwicklung eines Netlabels als echte Alternative zum konventionellen Musikvertrieb an die Stelle eines dogmatischen und fundamentalistischen Habitus setzen.

meint: Volker Tripp am 12.10.07

erstaunlich finde ich, dass die macher des festivals so tun, jedenfalls kommt es mir so vor, als ob SIE den begriff netaudio erfunden haben, SIE die "aktivisten" sind, SIE die einzigen sind, die netaudio hoch halten.... obwohl gerade IHRE labels erst nach dem bekanntwerden des "netaudio-hypes" (der keiner ist) hinzugestoßen sind.
wo waren die vertreter der wirklichen vorreiter? abwesend!! warum??? dazu sollten die organisatoren mal stellung nehmen

meint: sur am 12.10.07

auch ich finde, das festival hatte gut gelungenes und eher enttäuschendes zu bieten:

positiv:
- wirklich viel mühe in puncto bewerbung
- grossartige location
- grösstenteils interessante workshops und vorträge
- mein persönliches highlight, das äusserst opulente brunch am sonntag in entspannter runde
- also insgesamt die gedanken und mühe, die sich die organisatoren (wobei auch ich hier nur von 2 dritteln sprechen kann) gemacht haben! danke nochmal an dieser stelle!

eher schwach fand ich:
- den musikalisch doch eher beschränkten focus (wobei genau das ja aber auch letztlich schon das spektrum der sogenannten szene wiederspiegelt), bis auf wenige ausnahmen gabs echt überall das gleiche zu hören, und das war auch nicht mal immer spannend und gut produziert.
- technische betreuung kurz vor den auftritten und währenddessen fand wohl so gut wie keine statt und liess einige künstler vorzeitig wieder abreisen oder ratlos da stehen, und sie wussten nicht wann und wo sie dran waren - DAS hätte nicht sein müssen, alles andere lief sonst ja soweit auch ganz gut. und "liebenswert" (zitat q-man) macht es das in meinen augen nicht unbedingt ;)

insgesamt bin ich jedenfalls sehr froh, dass die verantwortlichen das festival möglich gemacht haben, auch ich habe dadurch mal ein paar leute, die man sonst nur aus foren oder vom mail-verkehr her kennt, kennen gelernt, man konnte nochmal explizit in den vorträgen herausstellen, wo die wirklichen schwachpunkte der netlabel liegen, und ich war ebenfalls erschrocken darüber, wie naiv da die meisten anwesenden über den betrieb eines labels ran gingen und was für wissenslücken dort zutage kamen.

letztlich denke ich, hätte man das festival einfach etwas kleiner angesetzt, also nicht auf 3 ebenen sondern nur auf einer oder maximal noch einem kleinen absacker-floor zusätzlich, hätte das ganze um einiges besser funktionieren können. und da unbekannte acts leider immer noch nicht die publikums-masse anziehen, schon gar nicht in einer stadt mit totalem überangebot, war dementsprechend einfach zu wenig publikum dort, was so manchen artist schon mal hat alleine im raum spielen lassen - schade für alle beteiligten.

@ sur: das die macher so tun, als hätten sie den begriff netaudio erfunden, halte ich für ziemlichen mumpitz. wenn man sich die festival-seite mal anschaut ist dort auch relativ leicht die unterseite zu finden, in der zumindest die historie der vorangegangenen netaudio-festivals (denen man im übrigen ja dann allen gleichfalls den vorwurf machen könnte) nachlesen kann und somit klar ist, dass die eben nicht die ersten waren. und ich finds ne gute sache, wenn sich mal jemand findet, der sich um das thema kümmert und es aus dem netz nach aussen transportieren will, also wo liegt das problem? die "alten" sind entweder längst nicht mehr in der szene aktiv oder würden sowas in dem rahmen nie mehr selbst auf die beine stellen. und zumindest thinner waren meines wissens auch zunächst mit vortrag und liveacts vorgesehen, warum die dann doch nicht da waren müsste man wahrscheinlich thinner oder die organisatoren fragen, ansonsten halte ich das für quatsch, den vorwurf von dir.


meint: Monsieur J. am 12.10.07

es war auch nicht nur direkt auf das festival bezogen, eher auf den in vorfeld erschienenen zeitungsartikel

meint: sur am 12.10.07

Als wir Freitag gegen 22:00 Uhr ankamen war, wie erwartet, natürlich nicht viel los. Jedoch füllte sich der Mainfloor (der am Freitag der einzige war) bis 3:00 Uhr dann doch ganz gut, so dass ich voller Hoffnungen war, dass es Samstag gegen 1:00 Uhr, wenn ich an der Reihe war, auch so sein sollte. Während die unterschiedlichen Acts mal weniger und mal mehr rockten, und die Leute eigentlich durchwegs motiviert waren sich ein wenig zu bewegen, traf ich einige Altbekannte wie Monsieur J. oder Sudio und Elliptic zum Plausch wieder. Die Veranstalter waren Freitags noch recht gut aufzufinden, und standen bei Probleme und Fragen eigentlich immer zur Seite.

Samstag sah das anders aus. Sicher war es stressig mit dem ganzen Umbau vor und nach der Konferenz, die sich thematisch meiner Meinung nach nur im Kreis drehte. Standardfragen wie: 'Wo liegt die Zukunft für Netaudio?' oder 'Was sind neue mögliche Vertriebswege?' hat man einfach als eingesessener Nerd schon zig mal gelesen und diskutiert, aber vielleicht bin ich auch ein wenig abgestumpft oder gesättigt davon, dass sich (zumindest in meinen Augen) die Szene eigentlich nur selbst hört und Netaudio eben oft (nur) 'nett' ist.

Jedenfalls war samstags niemand irgendwie zuständig. Ich persönlich finde es wirklich notwendig, dass (auch wenn es gilt das Orga-Team auf drei Floors zu verteilen) immer jemand da ist, der den Künstlern bei Fragen bereit steht. Ich habe z.B. als ich nachts um 4:00 Uhr nach meinem Set gehen und meine Fahrtkosten einfordern wollte niemanden angetroffen. Das hat mich schon etwas geärgert.

Was mich sehr geärgert hat, war die Tatsache, dass unser Künstler 'Dubsuite' nach der Konferenz spielen sollte (was ohnehin keine gute Zeit ist, da nach zwei Stunden sitzen jeder mal an die frische Luft und sich die Beine vertreten muss, und somit der Floor leer ist). Da sich aber alles um eine Stunde verzögert hatte, sollte Martin (Dubsuite) nur noch 30min spielen, da für den Abend ja noch Aufräumarbeiten erforderlich waren, und der Floor geräumt werden musste. Dafür ist er doch nicht hunderte von Kilomertern gefahren. Letztlich hat er dann vor ca. 10 Leuten sein Set zum Besten gegeben, und Monomatik spielten unter ähnlichen Bedingungen.

Da sich alles verzögert hatte war ich nicht erst um 2:00 Uhr dran, wogegen ich allerdings nichts einzuwenden hatte. Die Leute hatten trotz der ständigen Aussetzer des Sounds, die durch irgendwelche Reparaturarbeiten am Mischpult entstanden (während ich spielte) ihren Spass. Irgendwann kam dann während des Sets noch jemand zu mir, und nahm mir den Monitor, somit hatte ich etwas Schwierigkeiten zu hören, was ich da überhaupt fabrizierte. Sehr erfreulich.

Der Mainfloor war Samstags um 3:00 Uhr jedenfalls gut gefüllt, die anderen beiden Floors waren tendenziell eher unterbesucht.

Trotz der organisatorischen Schwierigkeiten, für die ich letztlich dann auch etwas Verständnis habe, weil es nicht so einfach ist ein Festival zu organisieren, war es aber doch eine ganz nette Party und vor allem eine Möglichkeit einige nette Leute (mal wieder) zu treffen.

meint: Martin Donath am 12.10.07

Ich war nur Samstag da, der ja hier im Fazit tatsächlich als "schwacher" Tag bewertet wird (3 Floors waren zuviel usw.).

Die Nachmittags-Diskussionen, denen ich selbst nur zuhörend beiwohnte, waren doch - wahrscheinlich einigermaßen logisch (so war ja die Veranstaltung konzipiert) - aus Sicht der Labelmacher geführt, und da haben wir m. E. schon die Crux: ich als dann doch simpler Netaudio-Hörer vermisste ein wenig so eine Hörerperspektive, nämlich: was ist eigentlich so toll daran, warum überhaupt z. B. noch das Prinzip "Labels" und nicht sowas wie Jamendo oder anderes portaliges?

Allerdings: habe ich auch den Vortrag des Tonatom-Menschen verpasst, der wohl dahingehend schon argumentiert hat, wie ich aus den Resten der Nachdiskussion mir zusammenbastelte.

Insgesamt: das Fazit, dass das eine reine "Geek"-Veranstaltung gewesen sei, kann ich nachvollziehen - wahrscheinlich ist so aber auch die Lage.

Ich denke, bei künftigen Veranstaltungen könnte man deshalb a) weniger größenwahnsinnig sein (bisschen boshaft formuliert) b) stärker darüber nachdenken, ob man nicht irgendwie andere "fachfremden" Perspektiven reinbekommt (ihr merkt: ich hab da auch jetzt erstmal auch keine wirkliche Idee).

Oder man macht eben wirklich konsequent ein Netlabelmacher-Kaffeekränzchen und fertig, mit weniger Programmatik, sondern halt so. Was ja auch okay ist.

meint: roland am 14.10.07

zunächst mal vielen dank für diese (zumindest in teilen) erhellende diskussion!

mit einigen punkten habt ihr sicherlich recht, andere punkte wiederum mögen sachlich richtig sein, aber schwer umzusetzen, und wieder andere punkte empfinde ich als unangebracht.

ich versuche mich mal kurz zu fassen und möchte dabei betonen, dass ich dabei insbesondere von mir selbst spreche und mich hier nicht stellvertretend für die übrigen organisatoren äußern möchte:

wie selbstverständlich es bei solch großen events auch zu technischen problemen im verlauf kommt, scheint vielen von den hier mitdiskutierenden schlichtweg nicht klar zu sein. eine veranstaltung dieser art und größe geht IMMER auch mit unvorhersehbaren komplikationen einher. das ist schade und es gab sicherlich einige punkte, die auch mich zB sehr erregt haben am samstag abend, aber das ist nun einmal so und lässt sich im vorfeld allerhöchstens abmildern!

man kann es auch positiv sehen: trotz des komplettausfalls einer anlage auf einem floor ging nach gerade mal 2 stunden auch dort wieder der ton an, weil wir mitten in der nacht eine ersatzanlage organisiert haben! einige sets haben sich deshalb erheblich verzögert, aber die artists sind alle trotzdem zum zug gekommen.

ein lineup für ein derart großes event zu erstellen, ist alles andere als leicht, und wird nie alle beteiligten zufriedenstellen können. dass beim festival der timetable am samstag bei den hinteren beiden floors durcheinandergeraten ist, war äußerst bedauerlich, so etwas kommt aber nun einmal vor und lässt sich auch im vorfeld bei einem solch großen event nicht grundsätzlich ausschließen. wir konnten nichts weiter tun, als kurzfristig eine weitere anlage dazuzubestellen, die ca 2 stunden später auch stand!

desweiteren wollten wir das musikalische rahmenprogramm komplett den teilnehmenden netlabeln überantworten und haben inhaltlich kaum einfluss auf das musikalische angebot genommen!

GERADE netlabel, die nicht im bereich techhouse/minimal/house angesiedelt sind, wurden von uns bevorzugt ausgewählt, weil auch wir an einem musikalisch vielfältigen lineup interessiert waren! der recht enge fokus auf minimal und techno war demnach nicht von uns gewollt - im gegenteil!

das lineup des netaudiofestivals 2007 ist ein abbild der gegenwart der netaudioszene und nicht etwa unseren musikalischen vorlieben entsprungen. im gegenteil - ich persönlich stehe zB gar nicht auf minimal techno und wünsche mir mehr musikalische vielfalt im netaudiobereich!

AUCH DAS ist ja ein grund, warum solche festivals von solch elementarer wichtigkeit sind! Immerhin haben wir ca 1500 menschen ein wochenende lang mit dem netaudiophänomen vertraut gemacht, und trotz aller technischen schwierigkeiten und sonstigen (hier gerechtfertigt oder ungerechtfertigt vorgetragenen) organisatorischen problemen haben wir ein überwältigendes feedback von den besuchern des festivals bekommen!

vlt sollten wir also diese diskussion etwas konstruktiver führen und uns nicht selbst gegenseitig zerfleischen, noch bevor die öffentlichkeit so richtig notiz von der bewegung genommen hat..

wir wünschen uns wohl alle etwas mehr vielfalt in der netlabel-welt, aber es ist nun einmal fakt, dass techno und minimal dort dominieren, und ein festival, das netaudio abbilden möchte, muss diesem umstand rechnung tragen.

ich möchte nochmals betonen, dass ich diese diskussion sehr wichtig und gut finde und auch die kritik, die hier geäußert wurde, sehr ernst nehme und auch an meine mitstreiter weiterleiten werde!

auch hier gilt: wer die netaudiowelt verändern möchte, der muss sich zunächst selbst verändern.

meint: teamore am 14.10.07

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