Eyespot: Über die Schönheit und Vermarktung von LKW-Planen

Rubrik » Interview Portrait

eyespot1.jpgCenk und Dietmar sind Eyespot. Pioniere der Werbung auf Phlow und ganz fleissig, wenn es darum geht die eigene Kiste voranzuschieben. Schaut man da mal hinein, dann sieht man neben Werbemitteln, huu sexy, auch ein paar stylishe Dinge. Wie z.B. Unikate aus robustem Material: Taschen für die nächste Sahara-Tour. Die Jungs wissen wie man sich vermarktet und wir wollten sie einfach mal ein wenig näher kennenlernen. Interview ab...

Irgendwie hat man immer mehr das Gefühl, dass die goldenen Jahre vorbei sind. In den diamant-glitzernden Zeiten der New-Economy konnten Journalisten allein vom Plattenrezensieren leben. Früher, ach ja, da konnte man mit oder über Musik noch Knete verdienen. Da lohnten sich Alben...

Ach und haste mitbekommen? Soundso ist ja als Mediengestalter mittlerweile auch wieder arbeitslos wie PHP-Programmierer Z, schnüff,... und Bernd der Krankenpfleger bekommt auch nur noch Zeitverträge. Und seine Überstunden bekommt Rolf auch nicht bezahlt. Aber hey, lass uns mal beim nächsten Monopolisten-Gigant streiken... Das bringt sicherlich was. Auf jeden Fall ein paar Hundert Arbeitslose mehr ein Jahr später. Aber wir haben auch ein recht auf die 35-Stunden-Woche pochen.

Eigentlich ist das alles egal. Weil Jammern bringt gaa nix. Eigenverantwortung und Selbstaufgabe ist der Schlüssel fürs Geldverdienen. Eigene Konzepte stricken, ausprobieren, optimieren und wieder neu anfangen.

Genauso funktioniert Eyespot. Darum waren wir neugierig, wie die Jungs sich so verkaufen. Schließlich waren sie die ersten Phlow-Sponsoren... Naja, das ist vielleicht ein wenig hochgestapelt, denken wir, es hätten ruhig ein paar Tausend Kröten sein können, aber kleine Beiträge bezahlen schon einmal den Traffic und ein Bier. Vorhang auf für das sympathische Duo aus dem Süden, die gerne mehr als nur Taschen machen würden. Am liebsten gleich die Berliner Bauakademie neu einkleiden oder mit Christo und Jeanne Claude im nächsten Jahr den Central Park zuplanen(sic!). Beworben haben sie sich bereits...

Stellt Euch doch kurz mal vor!

Cenk: Bin zum Erscheinen des Textes dann 36 geworden und gelernter Kerammodelleur, das ist die softe Bildhauervariante im Porzellanfach.

Mein anschliessendes Fachabitur in Gestaltung hat mich aber in andere Richtungen geweht. In dieser Sturm- und Drangzeit haben sich auch viele oder die meisten Screenshots Of Life eingebrannt, die in keine Gerade Linie zu bringen waren. Wir haben ein alternatives Punkzentrum aufgebaut und eigenhändig
zerstört, da liefen Konzerte und Ausstellungen regionaler Mini-Künstler und die Feuerwehr und das Rote Kreuz war auch ständig da. Also richtig Grosstadt-Action, der Antipol zur "ich geh nach Berlin"-Variante, die sich irgendwie uns Sitzenbleibern verschlossen hat.

eyespot2.jpgHier haben sich auch die Interessen Musik + Kunst in jeglichem Sinne manifestiert, die sich mit dem Interesse für Bier trinken ständig messen mussten. Was bin ich für ein Typ, da muss ich die Frage wiederholen. Ich denke, in Bezug auf manche, z.B. Dietmar, eher der Rastlose, Unbeständige, ständig auf nach neuen Ufern Nervtyp. Zu begeisterungsfähig. Jedoch im familiären Sinn erzkonservativ, da kann der Ratzinger einpacken.

Dietmar: 32 und hart an der Grenze zu 33. Auf die Idee zu studieren kam ich nie. War da eher unmotiviert was die Richtung angeht. Habe die Mittlere Reife mit anschließender Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel hinter mich gebracht. Danach war’s dann aber auch genug mit Schulbank drücken.

Hobbies klingt für mich immer wie schwimmen, reiten, lesen... Falls nach dem stressigen Job überhaupt noch Zeit bleibt, lege ich ganz gerne meine Beine hoch und hab meine Ruhe. Vor ein paar Jahren habe ich mir die Kunst des Malens autodidaktisch angeeignet. Meine groben Interessen dürften wohl in der Kunst und Musik zu finden sein. Die Typfrage finde ich recht spannend. Wobei sich da jeder ungern selbst irgendwo einordnet, bzw. einordnen lässt. Denke mal das ich eine gesunde Mischung zwischen Sanguiniker und Phlegmatiker bin. Grundsätzlich sage ich lieber einen Satz zu wenig als zuviel und beobachte die Leute lieber erst genau bevor ich jemanden bewusstlos quatsche. Begeisterungsfähig mit einer guten Portion Skepsis. Ehrgeizig, kreativ, geduldig und gerne ein furchtbarer Dickschädel. Eigentlich recht umgänglich.

eyespot3.jpgWie würdet Ihr Eure kleine Firma vorstellen, und wie
heisst die eigentlich?

Dietmar: Eyespot heisst unser Baby. Als wir vor 7 Jahren vor der Wahl arbeitslos oder selber machen standen, haben wir uns für Zweiteres entschieden. Grundsätzlich sind wir eine Werbemittelagentur. D.h. wir beschäftigen uns mit dem Handel von Werbemitteln. Letztendlich alles was sich dazu eignet mit Logo des Kunden versehen zu werden. Seit Anfang 2004 vertreiben wir Taschen aus LKW-Plane.

Ihr produziert stabile Taschen aus LKW-Plane. Das ist an
sich nichts Neues, oder doch?

Cenk: Unsere Erfahrungen und Kontakte im Werbeartikelbereich haben mit dem Kennenlernen ähnlicher Taschen eine Variante in Kombination von Unikat und Industrieller Fertigung und der Möglichkeit auch mal sehr hohe Mengen anzubieten, einen Gedanken entstehen lassen.

Wir sind davon überzeugt, nicht die einzigen zu sein, von denen die Zeit diesen Gedanken gefordert hat, aber wir wollen durch eine allumfassende Abwicklung bestehen. So können wir z.B. jetzt auch Aussenwerbung aller Art, wie Gebäudeverhüllungen etc., anbieten.

Dietmar: Die Münchner beanspruchen auch für sich die beste Weißwurst zu machen, wobei objektiv gesehen selbige wohl dann doch nicht aus München kommt. Wie auch immer. Die Idee Taschen aus LKW-Plane zu machen ist natürlich nicht auf unserem Mist gewachsen und stammt meiner Meinung nach aus den frühen 80ern.

Dafür haben wir eine Möglichkeit entwickelt Unikate anzufertigen die unverwechselbar sind. Man wird selten zwei Taschen finden eyespot_dietmar.jpgdie sich ähneln. Was ich damit sagen will ist, dass jede Tasche für sich sehr unverwechselbar ist. Der Träger kauft sich die Tasche weil er sich nicht eine bestimmte Marke umhängen will, sondern ein gewisses Lebensgefühl vermitteln will. Ich glaube, in unserem Sortiment ist für jeden etwas dabei mit dem er sich nach aussen "darstellen" kann. Wir wollen unsere Taschen nicht als Recyclingprodukt verstehen, sondern als Kunst zum Anfassen. Bei dem kreativen Prozess kann jeder selbst mitwirken indem er seine Tasche auf unserer Homepage selbst zusammenstellen kann.

Hinzu kommt das wir sehr günstig produzieren und diesen Preisvorteil gerne weitergeben. Wir können bereits ab 50 Stück Kleinstserien anfertigen. Diese Taschen kommen zum Einsatz als Merchandising, Werbemittel, Kundengeschenk etc. Versehen mit einfachen bis hin zu fotorealistischen Drucken. Und dies ist definitiv etwas neues. Und hier dürfte die Luft für die Konkurrenz die ebenfalls Unikate anbietet sehr dünn werden, da auch Auflagen von einigen tausend Stück problemlos in kürzester Zeit lieferbar sind.

Wodurch hebt Ihr Euch von der Konkurrenz ab und wie seid
Ihr auf die Idee gekommen Euer Bizniz aufzuziehen?

Dietmar: Hauptsächlich heben wir uns durch die verwendeten Materialien ab. Wir verwenden neue Plane, neue Autogurte und für den Deckel werden gebrauchte Werbebanner einem neuen Zweck zugeführt. Die Variante wird auch für Industriekunden umgesetzt die Ihre gebrauchten Werbebanner nach dem Einsatz normalerweise teuer entsorgen müssen. So werden die Banner einem neuen Verwendungszweck zugeführt und Kunden oder Mitarbeiter freuen sich über ein langlebiges, wirklich neues Werbemittel was auf Anhieb nicht als Werbegeschenk erkannbar ist. Wir fertigen Topqualität zu einem erschwinglichen Preis. Wir haben ein breites Sortiment. Ausserdem haben wir eine multifunktionale Laptop-Tasche entwickelt die speziell Studenten anspricht, bzw. Menschen die neben Ihrem Laptop ständig noch jede Menge Unterlagen mit sich rumschleppen müssen. Auch hier sind wir preislich konkurrenzlos günstig.

Wie seid Ihr auf Phlow gestoßen und was war der Anlass im
Frühjahr eine Annonce zu schalten?

Cenk: Zum zweiten Teil der Frage kann ich sagen: aus Sympathie und dem Defizit an coolen Kunden, der Anteil an Kreativen, die aus einem ordinären Heftpflaster einen richtig geilen Merchandise-Artikel machen, ist doch vergleichsweise gering. In jedem subkulturellen Segment ist aber die hauseigene Kreativität unausgeschriebene selbstauferlegte Mindestverpflichtung oder irgendwie so.
Dietmar: Ich war irgendwann auf der Suche nach legalen Downloads zu Aphex Twin. Irgendwo hat dann Google auch Phlow ausgespuckt. Ich fand die Downloads sehr gut und habe mich näher mit der Seite an sich beschäftigt. Da die vorgestellten Musikmacher häufig meinen Geschmack tangiert haben, habe ich die Seite öfter besucht und Cenk als Freund der Elektronica ebenfalls mal den Link verraten. Die Annonce haben wir geschaltet, da wir der Auffassung waren und sind das Phlow exakt unser Kunden-Spektrum bedient. Kreative Freigeister und Nonkonformisten mit der nötigen Portion Geschmack und Liebe zum Individualismus.

Danke für das Interview :)

Links:

Website: www.truckbag.de

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Kommentare

also die idee mit der lkw-plane ist ja nicht sehr originell. ich nenn da nur mal freitag oder airbag. gerade das mit den autogurten als träger. sorry... nach machen kann jeder !

meint: jan am 13.12.04

Hallo, Jan,
kurze Stellungnahme unsererseits:
Das wir uns im Wettbewerb befinden, ist uns klar - wir sehen uns in der Hinsicht als eine unter vielen Marken. Und Autos brauchen 4 Räder, nicht weil wir das unbedingt so wollen, aber mit denen fährt es sich am besten. Wir unterscheiden uns von den meisten Mitbewerbern dadurch, dass wir viele Leistungen (Sonderanfertigung, Industrieaufträge, Spitzenpreise) bündeln und an Euch weitergeben. Wenn Du zB Taschen in Micky Maus Form und aus Canvas oder Mesh oder PVC haben wolltest, wärst Du bei uns richtig. Und wenn Du einen Klaviertragegurt haben wolltest, auch.

meint: Cenk am 20.12.04

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