EvaServer - Mit Java, Server und Ajax gen Web 2.0

Rubrik » Interview Portrait

max-antoni-evaserver.jpgÜberall bimmelt es Web 2.0. Erst kürzlich trafen sich in Köln zum ersten Mal Softwareentwickler und Web-Geeks zum Webmontag und tauschten Ideen und stellten Projekte vor. Max Antoni fehlte, obwohl er sicherlich eines der kommenden Killer-Werkzeuge programmiert hat. Seinen eigenen EvaServer, der Web 2.0-Applikationen ermöglicht, die noch gar nicht gedacht oder realisiert wurden. Anlässlich der Veröffentlichung seiner Beta-Version interviewten wir den Kölner Softwareentwickler und leuchteten nach, was denn sein Java-Server eigentlich ist und kann.

Text: mo.

Max Antoni ist gebürtiger Kölner, Baujahr 1977. Seine Programmierleidenschaft begann sachte mit den ersten Schritten auf dem Volkscomputer, dem Commodere 64. Als Softwareentwickler bezeichnet er sich seit 1998. Ursprünglich in die Tiefen von C++ abgetaucht, hat er nun hauptsächlich mit Java, das Werkzeug für die Zukunft gefunden. Seit Ende 2004 arbeitet er nun selbstständig und hat fleissig an seinem EvaServer basierend auf Java programmiert.

Dieser soll ganz im Zeichen von Web 2.0 gemeinsam mit Ajax eine clevere und leicht zu handhabende Plattform für neue, schnell zu bedienende Internetanwendungen bieten. Natürlich ist sein EvaServer auch für interne, sprich Intranet-Anwendungen ein heißes Werkzeug. Wir trafen, sprachen und plauderten mit Max Antoni und lassen ihn zu seinem einzigartigen Projekt einfach einmal selbst zu Wort kommen.

Im Zusammenhang mit dem Buzzword Web 2.0 taucht immer Ajax als Schlagwort auf. Damit die Ajax-Technik funktioniert muss Javascript im Browser ausgeführt werden. Viele Benutzer haben jedoch aus Sicherheitsgründen Javascript deaktiviert. Außerdem gibt es Probleme bei der Umsetzung von barrierefreien Seiten, die gleichzeitig Ajax einsetzen wollen. Warum, wie und wo wird sich deiner Meinung nach Ajax durchsetzen?

Meiner Meinung nach wird es sich überall dort durchsetzten, wo Webseiten entweder zum Teil oder vollständig wie Programme funktionieren. Diese interaktiven Dienste werden durch die neuen Technologien neue Konzepte und Trends entwickeln, um die Benutzbarkeit zu steigern und einen Mehrwert für den Anwender zu schaffen.

Barrierefreiheit steht zu alldem grundsätzlich nicht im Widerspruch, da es aus technischer Sicht egal ist, ob die Inhalte über (X)HTML oder über JavaScript auf die Webseite gelangen. Momentan können leider Programme, die beispielsweise Webseiten vorlesen, noch nicht mit dynamischen Seiten umgehen. Das wird aber nur eine Frage der Zeit sein, sobald sich die Konzepte gefestigt haben.

Die Sicherheitsbedenken gegenüber JavaScript habe ich noch nie verstanden. Das Problem waren immer andere Technologien, auf die mithilfe von JavaScript zugegriffen wurde, nicht die Sprache selbst.

evaserver-illustration.gifSeit eineinhalb Jahren programmierst Du mittlerweile Deinen EvaServer, der nun in einer ersten Beta aus dem Netz gezogen werden kann. Dabei basiert der Server auf Java. Wofür kann man den EvaServer gebrauchen und welche Aufgaben übernimmt der Server im Zusammenspiel mit der Ajax-Technologie?

Der EvaServer ist eine vollständige Lösung für verteilte Anwendungen mit Webinterface. Man kann damit Programme erstellen, die in der Bedienung kaum von Desktop-Programmen zu unterscheiden sind. Ich sehe den EvaServer momentan als ein Werkzeug um sehr komplexe Anwendungen schneller als bisher zu erstellen. Große Softwareprojekte werden mit den neuen Technologien kaum angegangen, da man sich zu tief in die Materie einarbeiten muss. Der Fokus vieler Software-Häuser liegt auch meistens nicht in der Entwicklung von dynamischen Webseiten. Solchen Unternehmen erleichtert der EvaServer die Erstellung von webbasierten Anwendungen.

Java ist eine weit verbreitete Programmiersprache die zudem auf allen Betriebsystemen läuft. Sie eignet sich einfach besonders gut für Web-Anwendungen.
Wie kann man sich als Laie die Funktionsweise Deines Servers vorstellen? Wie gibt man Deinem Server Befehle und warum kann man nicht ein bereits bestehendes Server-Modell nutzen?
Man kann natürlich auch einfach ein bestehendes Server-Modell nehmen, nur geht es mit dem EvaServer wesentlich schneller und leichter. Das liegt daran, dass der EvaServer eine Schreibweise verwendet, die HTML sehr ähnlich ist. Man muss daher nicht vollständig umdenken, wenn man vorher nur statische Webseiten gebaut hat.
Vielleicht stellt man sich den EvaServer als Laie am besten als einen Web 2.0 Baukasten vor, für den man selber neue Steine basteln kann.
Für wen kommt der EvaServer in Frage? In welcher Umgebung siehst Du den Hauptnutzen Deines Servers und welche Art von Applikationen können mit EvaServer realisiert werden?
Die Zielgruppe sind in erster Linie Softwareentwickler. Da als Plattform Java eingesetzt wird, kann man den EvaServer nicht einfach auf einem "5 Euro"-Paket eines beliebigen Anbieters installieren. Daher versuche ich kleine und mittlere Unternehmen anzusprechen, die Intranet-Anwendungen schreiben oder komplexe Software-Projekte auf Java-Basis realisiert haben und dafür eine Internet-Plattform erstellen möchten.

Man kann aber auch kreativ werden und komplett neue Felder ergründen, da der EvaServer nicht für spezielle Anwendungsfälle konzipiert wurde, sondern flexibel einsetzbar ist.
Hast Du Dir schon einmal überlegt den EvaServer eventuell auch irgendwann einmal als Open Source-System wie zum Beispiel den Apache-Server frei zu geben?
Der EvaServer ermöglicht es einzelne Komponenten zu schreiben, die in verschiedenen Projekten wiederverwendet werden können. Ich plane eine Plattform zum Veröffentlichen und Tauschen solchen Komponenten. Der EvaServer selbst wird vorerst Closed-Source bleiben, da ich meine Arbeit über die Lizenzen finanzieren möchte.

Mit Web 2.0 wurde von Tim O'Reilly und seinen Kollegen das Internet nicht neu erfunden, dafür jedoch recht präzise der derzeitige Stand und die funktionierenden (wirtschaftlichen) Modelle formuliert und worin ihre Stärken liegen. Wie siehst Du die Zukunft des Webs? Wenn Du Deine Gedanken und Ideen als Programmierer schweifen lässt, was könnte dann noch an aufregenden Dingen auf uns zukommen und welche Rolle könnte dabei Dein EvaServer übernehmen?

Es ist gerade spannender denn je. Ich denke, das Internet oder webbasierte Dienste werden eine immer stärkere Rolle spielen und teilweise Desktop-Programme ersetzen. Immer mehr Menschen arbeiten an verschiedenen Rechnern zu Hause, am Arbeitsplatz oder im Internet-Café. Verteilte Anwendungen ermöglichen diese Flexibilität erst richtig. Es wird dadurch möglich, Dinge mit anderen über das Internet gemeinsam zu erledigen oder zu Teilen.

evaserver-verpackung.jpgNatürlich hoffe ich, dass ich mit dem EvaServer das richtige Tool zur richtigen Zeit entwickelt habe und es einen Platz am Markt findet. Die meisten Seiten nutzen Ajax momentan "nur" als Ergänzung und das macht meistens auch Sinn. Ich sehe den EvaServer daher in richtigen Web-Anwendungen zum Einsatz kommen. Dort gibt momentan auch Bedarf an neuen Werkzeugen.

Vielen Dank Max für das Interiew!

Links

Website von Max Antoni und seinem EvaServer: www.maxantoni.de


Wichtiges Wissen zu Web 2.0

Der wichtige Artikel, der vieles in Gang gebracht hat: What Is Web 2.0
Eine absolute Empfehlung!

Website, Termine und Informationen zum Webmontag: www.webmontag.de

Erläuterung von Ajax in der Wikipedia.

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Kommentare

jo, danke!

meint: fabien am 30.11.05

was ist das für ein link? diese snipURL sache ist zwar interessant, nur was hat es mit AJAX zu tun?

meint: fabien am 30.11.05

Also ganz stark vereinfacht ausgedrueckt ist AJAX ein Client-Server-Modell, mit dem interaktive Benutzeroberflaechen von auf dem Server laufenden Programmen im Webbrowser dargestellt und genutzt werden koennen. Fuer die Darstellung wird Javascript verwendet, welches ueber ein XML-Protokoll mit dem Server kommuniziert. So wuerde ich das (ohne Gewaehr!) erklaeren... :)

meint: Michael Long am 30.11.05

also scheint ajax absolut nichts neues zu sein. bereiche einer website dynamisch zu aktualisieren ist doch ein alter hut. wieso nennt man das ganze AJAX? (für mich bleibt ajax ein reinigungmittel) das ist doch einfach ein javascript, der mit dem server kommuniziert, was ist daran neu?

das geht doch mit javascript oder flash doch schon seit einigen jahren, wieso also dieser plötzliche hype? vielleicht lieg ich auch falsch, und hab von ajax nix verstanden.

meint: fabien am 30.11.05

technisches : ajax (asynchronous javascript and xml) sendet zur kommunikation von client/server xml's hin und her, welche immer geparst (zeitaufwändig) werden müssen.

anstatt die daten per xml auszutauschen, nimmt man besser json und ist doch um einiges schneller !
man spürt diese geschwindigkeit sehr schnell in der interaktion....

neu ist an der ganzen technologie eigentlich nicht soviel...

meint: mee am 30.11.05

mhhh was bringt AJAX eigentlich für vorteile gegenüber den klassischen i-frames? ich versteh das nicht ganz... ist doch absolut nichts neues. oder täusch ich mich da? gehen solche spielereien nicht schon seit jahren mit flash? kann mich da jemand bitte aufklären? ausser blöde einschränkungen, ein wahnsinniges gefrickel für den entwickler und ultralahmer seitenaufbau hab ich an AJAX nichts nützliches (und erst recht nichts neues) finden können... ...bin ich falsch informiert?

meint: fabien am 30.11.05

[AKTUALISIERT] sehr gute einführung in ajax: http://tinyurl.com/anqkz - da werden sicherlich einige fragen beantwortet.

Scheisse, dass sollte einfach nur eine verkürzte weiterleitung auf einen wikipedia-artikel sein...

meint: mo. am 30.11.05

ajax ist eher eine art branding. und nicht wirklich neu. am besten ihr lest mal den guten deutschen artikel in der wikipedia unter:

http://de.wikipedia.org/wiki/Ajax_%28Programmierung%29

wollte den link klein machen und habs im ersten anlauf versemmelt, sorry ;)

was aber immer mehr verwendung findet ist, dass ajax genutzt wird, damit die daten bei der eingabe schnell verarbeitet werden. zb. ein chat. schickt man in einem chat eine nachricht baut sich auf der anderen seite die ganze website des chats neu auf. ajax übersendet lediglich die veränderungen. immer mehr anwendungen machen von dieser technik gebrauch. so dass du zb. auch bessere und einfach zu handhabendere webmailer und desktop-feeling erzeugen kannst. der evaserver unterstützt programmierer und bietet verarbeitungsmöglichkeiten.

meint: mo. am 01.12.05

Warum will er EvaServer nicht open Source machen? Weil er seine Arbeit über die Lizenzen finanzieren will? Das ist wieder mal so eine Pappnase die Open Source nicht rafft *gnarf* Eine Software kann Open Source sein und man kann trotzdem Geld mit den Lizenzen verdienen. Beispiele? Typo3, mySQL usw.

Eine solche Serveranwendung als Cosed Source von einem einzigen Entwickler birgt viel zu viel Gefahr für Sicherheitslöcher.

@fabienne:
Was hat der i-frame denn mit AJAX zu tun? I-Frames sind ein HTML-Tag um andere HTML-Dokumente in eine bestehende HTML-Seite einzubinden, ohne dass invalides HTML entsteht. AJAX (Asynchronious JavaScript And Xml) hat damit prinzipiell mal gar nichts zu tun. AJAX ist lediglich das geschickte Verwenden von JavaScript um clientseitig Applikationen auszuführen und XML (über XmlHTTPRequest) um Daten mit dem Server auszutauschen. Du erinnerst dich an das Problem, dass HTTP prinzipiell ein stateless Protokoll ist...

meint: 5V3N.5P4C3 am 04.01.06

@sven:
Der Punkt ist, ich will gar nicht alleine bleiben. Wenn jemand lust hat sich an der Unternehmung zu beteiligen, dann soll er/sie sich gerne melden.

Du hast natürlich nicht unrecht mit dem Argument, dass sich auch mit Open-Source Geld verdienen lässt, aber wenn ich ehrlich bin, mag ich den Code von OpenSource-Projekten nicht. Versteht mich nicht falsch: ich finde viele Open-Source Projekte wirklich toll und unterstützenswert, aber das ist nichts woran ich dauerhaft arbeiten möchte.
Ich mache das nicht des Geldes wegen, sondern weil ich das geil finde.

Wie dem auch sei: möglicherweise werde ich einmal Teile des Quelltextes veröffentlichen, aber bestimmt nicht das ganze Projekt.

meint: Max Antoni am 05.01.06

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