Downloadplattform Finetunes - Kritik ausdrücklich erwünscht!

Rubrik » Interview Portrait

finetunes_logo.gifKommerzielle Downloadplattformen sind in diesem Jahr schon zahlreich auf unseren Bildschirmen erschienen. Schließlich haben wir jahrelang warten müssen, während sich die grossen Musikfirmen dagegen mit klagenden Händen und Füssen gewehrt haben. Jetzt macht sich ein Downloadportal auf und will die Indies unterstützen. Ein Interview mit Oke Göttlich.

Text und Interview: Thomas Höverkamp

Durch Klagen gegen Tauschbörsennutzer scheint das Terrain geebnet, um weiter ordentlich Kohle zu machen und dem Nutzer noch ein paar Rechte mehr wegzunehmen. Die kleine Hamburger Downloadplattform Finetunes will da andere Wege gehen. Das Programm ist auf kleine Non-Major Firmen konzentriert, die Indies, und dürfte auch für Freunde der elektronischen Musik ein Hinkucker sein. Die Plattform befindet sich nach Oke Göttlich in einem ständigen Beta-Test. Kritik ausdrücklich erwünscht! Erstmal ein paar Fakten:

oke_goettlich.jpgThomas Höverkamp: Wie kam die Idee zu Finetunes auf?

Oke Göttlich: Wir saßen irgendwann zusammen und haben überlegt, dass es im Netz eine Lösung für Independentlabel geben muss. Den Majors dürfen die digitalen Vertriebskanäle nicht völlig überlassen werden.

Thomas Höverkamp: Mit wem arbeitet Finetunes zusammen?

Oke Göttlich: Wir sind da eigentlich völlig offen. Da wir mit dem Verband Unabhängiger Tonträger (VUT) zusammenarbeiten, konzentrieren wir uns natürlich auf die Non-Major-Firmen. Wir wollen aber auch Netlabels, die keine physischen Tonträger herstellen, die Möglichkeit geben einen Umsatz zu generieren. Tatsächlich gibt es aber bei uns auch schon Exoten, wie z.B. Helge Schneider oder Kindermusikverlage.

Thomas Höverkamp: Was bietet Finetunes den Labeln?

Oke Göttlich: Wir sehen uns als Dienstleister auf 3 Ebenen: Erstens bieten wir den Labels an, ihren Katalog zu digitalisieren und stellen ihn zu deren Verfügung. Wir bereiten alle denkbaren Formate wie MP3, OGG, ATRAC, AAC usw. auf. Zweitens bieten wir den Labels an, ihr Programm an andere Plattformen wie z.B. iTunes zu vermitteln. Die Labels sind nicht exclusiv an uns gebunden, d.h sie könnten die von uns aufbereiteten Dateien selbst verwerten. Drittens bietet es sich natürlich an, wenn man ein digitales Warenhaus hat, die Inhalte selbst zu verwerten. Deswegen gibt es unseren Webshop und die Clientsoftware.

Thomas Höverkamp: Warum habt ihr beides? iTunes läuft z.B. über eine eigene Software, bleep.com hat eine Browservariante.

Oke Göttlich: Mit der Client-Software ist man mit dem Blick in die Zukunft besser aufgestellt. Man kann sich unterwegs einloggen und seine Tracks hören, wenn man irgendwo am Strand liegt. Das DVD-Format und Klingeltöne sind sicher bald ein Thema und lassen sich über eine Software besser einbinden. Die Browservariante, wie auch bleep.com sie verwendet, hat natürlich eine gute Usability. Es ist einfach und schnell. Im Gegensatz zu uns hat Bleep bei der Vorhöroption einen Vorteil. In Deutschland würde sich das aber keiner trauen!

Thomas Höverkamp: Warum würde sich in Deutschland keiner trauen einen kompletten Song zum Vorhören bereitzustellen?

Oke Göttlich: Der GEMA Vertrag schreibt vor, dass Ausschnitte von höchstens 30 Sekunden in deinem Portal erscheinen dürfen. Wir als Finetunes müssen dafür sogar GEMA-Gebühren abführen. Sie sorgen sich darum, dass jemand die Tracks in dieser schlechten Qualität via Ripper direkt aus dem Vorhörmodus "klaut".

Thomas Höverkamp: Die GEMA ist ja schon immer ein Punkt, an dem sich die Geister scheiden.

Oke Göttlich: Man darf die GEMA nicht einfach so verteufeln, wie das mancherorts passiert. Es ist eine Institution, die vielen Künstlern die Butter aufs Brot schmiert. Faktisch ist es aber so, dass es keinerlei Bewegung gibt und im europäischen Vergleich Deutschland in einem Vakuum schwebt. Wenn man alle Richtlinien der GEMA einhalten würde, ist keiner der momentan existierenden Downloadshops legal.

Thomas Höverkamp: Ein weiteres ungeliebtes Thema ist auch Kopierschutz oder DRM. Wie steht ihr dazu?

Oke Göttlich: Als wir angefangen haben, wollten alle Labels DRM. Heute ist es aber so, dass kein Label bei uns Kopierschutz oder DRM benutzt. Sie definieren sich als Indie-Firmen eben darüber, dass sie ihren Kunden vertrauen wollen. Wir glauben daran, dass die Musikkäufer die harte Arbeit sehen, die man einsetzt, um die Platten produzieren und verkaufen zu können. Eimsbush z.B. würde es heute noch geben, wenn die Leute nicht gedacht hätten, "Die machen ja eh auf dicke Hose und brauchen unsere Kohle nicht mehr". Es ist aber anders, die CDs wurden lieber gebrannt und das Label ging pleite. Das ist zwar etwas vereinfacht dargestellt, trifft aber den Punkt.

Thomas Höverkamp: Wie siehst du denn die Zukunft des Musikmarkts?

Oke Göttlich: Es kann gut sein, dass die CD Käufe noch weiter zurückgehen und die kleinen Labels verstärkt auf Vinyl setzten. Das ist immerhin das kopiergeschützteste Medium. Ausserdem wird es immer Nachfrage von DJs geben. Weiterhin wird sich natürlich viel ins Netz verlagern, daran führt kein Weg vorbei. Wie es aber aussieht kann ich nicht sagen, nur soviel, dass wir mit Finetunes dabeisein werden.

Thomas Höverkamp: Danke für das Interview!

Links

Website: www.finetunes.net Original-Interview: Das Interview gibt es auch im Original zu hören, in Thomas Höverkamps Radio-Sendung Interjamp. Die könnt Ihr Euch unter archive.org heruntersaugen.
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Kommentare

Klingt ja nach ner Prima Sache, bin mal gespannt wie erfolgreich die Jungs da sein werden!

meint: Elliptic am 04.08.04

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