Digital Kunstrasen: Rockmusik trifft Netlabel trifft 8-Bit-Charme

Rubrik » Interview Portrait

digital-kunstrasen.jpgDer erste Blick auf Digital Kunstrasen täuscht. Die 8-Bit-Pixel-Ästhetik verspricht zwar elektronische Musik, doch hinter der Website des Netlabels steckt mehr als nur Chip-Music. Denn wie bei den beiden anderen Ruhrpott-Netlabels 12rec und Analog und Ehrlich rollen die drei Labelheads Rockmusik in die digitale Ebene für mehr Musikvielfalt im Netaudio-Land. Damit gehören Sie definitiv zu den Vorreitern innerhalb der Stromgitarren-Fraktion.

Text: mo.

Stellt Euch und das Netlabel doch einfach mal vor! Wer ist Digital Kunstrasen, was steckt hinter Euer Website/Label für ein Konzept und wohin soll es gehen?

Thomas: "Digital Kunstrasen" ist ein Netlabel, dass sich neben der Veröffentlichung von Musik auch mit Kunst und Literatur beschäftigt. Jan und ich haben das Label im Frühsommer 2005 gegründet, weil wir eine Plattform für unseren eigenen Bands und Projekte und die anderer Musiker schaffen wollten. Manuel kam dann nach zwei Wochen noch dazu.
Jan: Ich beschäftige mich viel mit elektronischer Musik und daher kannte ich auch schon andere Netlabels. Ich fand diese Idee total super, die Musik unbekannter und talentierter Bands und Künstler auf diese Art an die Menschen zu bringen.
digital-kunstrasen-thomas.jpgManuel: Wichtig war uns von Anfang an auch die Musikvielfalt. Wir sind alle selbst Musiker und hören alle drei auch sehr unterschiedliche Musik. Das geht zum Beispiel von elektronischer Musik über Emo, Hardcore, Indie bis hin zu HipHop… Deshalb wollten wir uns nicht auf eine bestimmte Richtung festlegen.

Welche Eurer Musikveröffentlichungen würdet Ihr neuen Besucher als Einstieg empfehlen und ans Herz legen?

Manuel: Selbstverständlich bietet der Sampler "Press Play and Dance" einen guten Überblick.
Thomas: Ich würde da auf jeden Fall auch noch die EP von Schokoknubbel "Menschen lagen auf Böden", The Milboard Message und die Remix EP von but then the self in the tree fell asleep empfehlen.

Schon beim ersten Besuch der Website merkt man Euch eine Liebe für Klötzchengrafiken an. Hört man sich dann Eure Releases an, dann stolpert man in einem Track wie "Select A" von Mini Roc ein weiteres über den Pixelcharme und die Quietschigkeit fast vergangener 8-Bit-Computer-Tage. Wie passt das mit Euren Stromgitarren-Tracks zusammen? Beisst sich das nicht?

digital-kunstrasen-jan.jpgJan: Mini Roc ist ja mein eigenes Musikprojekt, zudem bin ich auch für das Design der Internetseite verantwortlich. Als großer Fan von 8-Bit-Musik und Pixelgrafiken fließt dann sowas auch mit ein. Stimmt natürlich, es hat nicht diese typische "Rock-Ästhetik". Darüber habe ich mir aber auch ehrlich gesagt keine Gedanken gemacht, da wir ohnehin ein Netlabel sind, das ein größeres Spektrum an Musikrichtungen bietet.

Ihr gehört zu einem der Netlabels, die auch rockigen Instrumenten und menschlichen Stimmen einen Platz einräumen. Wie sind Eure Erfahrungen in dem Bereich? Werdet Ihr auch jenseits von elektronischer Musik wahrgenommen? Wenn ja, wie ist die Resonanz?

Manuel: Die ist größer als wir anfänglich erwartet haben.
Thomas: Mit "12rec" und "Analog und Ehrlich" gibt es hier im Pott ja noch zwei weitere Netlabels, die sich mit Rockmusik beschäftigen. Für uns war das von Anfang an ein fester Baustein bei Digital Kunstrasen, weil Manuel mit "Silk Cut" und "but then the self in the tree fell asleep" und ich mit "*goodbyeVega" ja auch Gitarrenmusik machen. Der Kabarett-, Literatur- und Kunstteil war dann eine logische Folge unserer Herangehensweise.
Jan: Wir hatten damit gar nicht gerechnet, dass das bei vielen Bands so positiv ankommt. Wie gesagt, ich kenne die Idee des Netlabels ja schon länger, aber den meisten Leuten aus der Rock-Szene war das noch völlig unbekannt. Das hat mich sehr überrascht.

Habt Ihr eine Erklärung dafür, warum es so wenig Netlabels mit "handgemachter" Musik in Form von Bands gibt?

Thomas: Nein. Ich glaube aber, dass sich in dem Bereich gerade was tut.

Auf Eurer Website gibt es auch Tourdates zu bestaunen? Plant Ihr als Netlabel mit, oder müssen sich darum die Künstler selbst kümmern?

digital-kunstrasen-manuel.jpgManuel: Das ist ein Angebot von uns an unsere Künstler gewesen, was aber leider sehr, sehr aufwändig ist. Deshalb wird es das in Zukunft wahrscheinlich nicht mehr geben. Die Konzerte der Bands selber planen wir nicht, haben aber zum Beispiel schon eine Netlabel-Party mit einigen unserer Bands und Künstler veranstaltet. Und die zweite Netlabel-Party wird es bestimmt geben!

Wie unterstützt Ihr Eure Künstler noch, seit Ihr auch Veranstalter, wird es irgendwann vielleicht auch noch herkömmliche Releases auf Hardware-Tonträgern geben?

Jan: Bis jetzt ist es nicht geplant und auch nicht unser Hauptanliegen. Deshalb haben wir uns ja für ein Netlabel als Release-Plattform entschieden.
Thomas: Bis auf die erste Netlabel-Party haben wir auch noch keine weiteren Konzerte veranstaltet. In Zukunft ist es aber wahrscheinlich, das wir da mehr machen. Es entsteht gerade ein Netzwerk aus mehreren Künstlern und Veranstaltern aus dem Ruhrgebiet. In so einem Rahmen kann man das natürlich viel besser planen.
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Was plant Ihr für die Zukunft? Wie seht Ihr die Zukunft aus Eurer Warte heraus, wenn es um die Themen Netlabel und Rock geht?

Manuel: Ich finde Kooperationen jeglicher Form wichtig und freue mich, wenn so für jeden neue Möglichkeiten entstehen.
Thomas: Den "Digital Kunstrasen"-Kalender soll es auf jeden Fall ab jetzt jedes Jahr geben. Außerdem wird es natürlich weitere Bücher geben. Ach ja, Video-CDs sollen noch dazukommen. Diese Dinge erfährt man dann aber noch über unseren Newsletter.

Danke für das Interview :)

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