Deutschland sucht das Superradio

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radiogirl.jpgEs gibt sicherlich in der deutschen Radiolandschaft mehr als nur den viel gescholtenen Dudelfunk. Sowohl Deutschlandfunk als auch Deutschlandradio Berlin bieten gute Wortformate und auch Klassikradio bietet wahrscheinlich ein Programm hoher Güte, aber im Bereich der Popkultur und Elektronik sucht man leider meist vergebens nach interessanten Angeboten.

Das einzige was zahlreich anzutreffen ist, sind "Hitradios" welche ich mal unter der Bezeichnung Dudelfunk zusammenfassen möchte, wobei von einigen Ausnahmen abgesehen relativ egal sein dürfte ob der Sender nun staatlich oder privat ist. Die staatlichen haben manchmal noch ein kleines Geschmacksghetto sind aber im Grunde ihres Herzens genauso schlimm wie die Privaten. Und nein, der Begriff Dudelfunk ist dabei überhaupt nicht diffus, sondern völlig klar umrissen. Dudelfunk bezeichnet schlicht und ergreifend, ein Radioformat bei dem der Radiosender nicht mehr ist als eine Promotionplattform für seelenlosen, vollkommen sinnentleerten Plastikpop, Silikonsoul und Eurodance der fünf großen Musikkonzerne (BMG, EMI, Sonymusic, Warner, Virgin).

Dass diese globalisierten Megakonzerne auch durchaus einige interessante Künstler "im Angebot" haben sei an dieser Stelle nicht unterschlagen. Diese werden aber leider nicht langfristig aufgebaut wie etwa bei City Slang, L'age D'or oder ähnlichen mittelständischen Unternehmen, sondern werden bei ausbleibendem schnellen Charterfolg in der Regel sofort entsorgt. Das auch Unternehmen im Kulturbetrieb langfristig eine gewisse Rentabilität besitzen müssen um weiter bestehen zu können ist soweit vollkommen logisch, aber zwischen langfristiger Rentabilität und kurzfristiger Profitmaximierung liegt dann doch noch mal ein kleiner Unterschied. Das von letzterem dank Breitband-Internetzugang und Filesharingplattformen momentan nicht wirklich die Rede sein kann, führt diese Firmenstrategie dann endgültig ad absurdum. Die lächerliche Verklagungsstrategie paßt da nur allzu gut in's Bild der unglaubwürdigen, profitorientierten multinationalen Musikkonzerne.

Und nein, über Geschmack kann man in diesen Dimensionen nicht streiten. Und ja, man kann Musik sehr wohl objektiv beurteilen. Es gibt einfach Unmengen von "Künstlern" die Tonträger bei Musikkonzernen veröffentlichen deren kreative Leistungen offensichtlich eher den Charakter ein Dienstleistung haben und somit eher vergleichbar sind mit Mietmusikern, die Kaufhausstockwerke oder Betriebskantinen bei Firmenjubliläen beschallen. Es ist vollkommen legitim mit musikalischen Dienstleistungen Geld verdienen zu wollen, jedoch sollte dem aufgeklärten Betrachter klar sein, dass diese Darbietungen eine andere Qualität besitzen als Konzerte in Clubs oder Philharmonien.

Die "Künstler" der Musikkonzerne sind entweder Marionetten der Kulturindustrie, die unter Ausnutzung ihres krampfhaften Bedürnisses nach "Ruhm", dazu instrumentalisiert werden den Konsumenten das Produkt zu liefern, wonach sie nach der Gehirnwäsche durch Werbespots, Productplacement und eben den Heavy-Rotation-Terror des oben genannten Dudelfunks gieren oder sie gehören zu denjenigen, welche die Wertschöpfungskette verstanden haben und nutzen einfach das System um sich ein bequemes Finanzpolster anzulegen.

Im Sinne der Konkretisierung ein wenig Namedropping zur ersten Kategorie: Deutschland sucht den Superstar, Fame Academy, Star Search, Popstars das Duell. Zur zweiten Kategorie: Christina Aguilera, Britney Spears, Jeanette, Atomic Kitten, Scooter, No Angels, DJ Bobo, DJ Ötzi und viele weitere unerträgliche Gestalten.

Ob dieser Zustand der Radiolandschaft einen nur noch zu einem müden Schulterzucken veranlaßt oder Aversionen in einem aufsteigen läßt, unmittelbar gefolgt von der naiven Hoffnung es könnte doch auch alles viel besser sein, sei jedem selbst überlassen. Ich bin jedoch der festen Überzeugung, das es zumindest in den deutschen Metropolen eine nicht unerhebliche Nachfrage für Popkultur jenseits des momentan indiskutablen Mainstreams gibt, der sich etwa abschätzen ließe durch den Verbreitungsgrad der relevanten Printmedien (Spex, Intro, de:bug), deren Jahrescharts und die Zugriffsstatistiken der entsprechenden Onlineforen.

Das es auch anders geht sieht man an regionalen Medien wie dem Zündfunk in Bayern oder Radio Eins in Berlin. Dort sind auf solidem finanziellen Boden zahlreiche professionelle Sendungen vertreten, welche interessante und relevante Inhalte bieten nur nimmt ein Hörer in Köln, Hamburg oder Frankfurt davon höchstens über den qualitativ fragwürdigen Livestream der Sender notiz. Es wäre daher wünschenswert ein Pendant zu den etablierten hochkulturrellen Angeboten mit ebenfalls bundesweiter Empfangbarkeit via UKW und Kabelradio zu schaffen. Sicher gibt es auf dem Weg einige Hindernisse zu überwinden, angefangen bei der föderalistischen Struktur Deutschlands über den allgemeinen Mangel an freien Frequenzen in der heutigen Radiolandschaft bis hin zur Tatsache, dass der Alterschnitt der Entscheidungsträger einige Jahrzehnte über der potentiellen Zielgruppe des Senders liegen dürfte, aber Träume wird man ja wohl noch haben dürfen, oder ?

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Kommentare

Dieser Artikel sprich mir voll aus dem Herzen! Seit geraumer Zeit musste ich feststellen, dass die Radios immer schlechter werden: Alle - ob Privat- oder öffentlich rechtliches Radio - spielen immer nur die Hitparaden rauf und runter, "gewürzt" mit Geplapper von den Moderatoren. Hier wäre für die öffentlich-rechtlichen Radios eine Chance, sich vom üblichen Gedudel abzuheben. Leider schaffen sie es aus irgendwelchen Gründen aber nicht. "Zündfunk" ist nur eine kleine Ausnahme!
Was mir persönlich allerdings bei dem anonsten guten Artikel fehlt, ist die Betrachtung der Webradio-Szene! Ich glaube, hier ist ein riesen Potential für "Nieschen-Kanäle" und vor allem auch für Nachwuchskünstler. Webradios wären die optimale Plattform für z.B. Netlabels! Auch die technische Realisierung ist bei weitem einfacher als über UKW bzw. Kabel! Ein interessantes Konzept verfolgt da z.B. hyperfantasy (www.hyperfantasy.net). Hier wird nicht einfach die Musik als Stream abgespielt, sondern der Hörer erhält zur Laufzeit interessante Hintergrundinformationen zum aktuell laufenden Song und über Nachwuchskünstler. Allerdings befindet sich das Radio noch im Aufbau.
Vielleicht könnte man die Webradio-Szene in einen anderen Artikel weiter vertiefen...?!
Gruß
Klaus

meint: Klaus am 02.01.04

zum thema internetradio: internetradio ist eine illusion. eigentlich kann das gar nicht funtionieren. internet ist ein punkt-zu-punkt medium und wird das auch auf absehbare zeit bleiben. oder hat mal jemand probiert radio über telefon zu machen? so dass du per r-gespräch den sender anrufst wenn du zuhören willst? natürlich ist internet da erstmal viel billiger, aber sobald man eine wirklich relevante anzahl hörer hat führt an rundfunk kein weg vorbei.


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ps: "eh hast du was gegen scooter gesagt? ey, pass auf! du!" ;)

meint: usr am 02.01.04

webradios sind als szene-internes medium sicher sehr interessant. für technisch interessierte musiknerds wie mich ein gefundenes fressen, gerade so projekte wie somafm.com oder last.fm begeistern mich seit geraumer zeit und auch dein projekt mit seiner voting funktion und den background infos geht da ja in eine ähnliche richtung. ich habe sie jedoch bewußt weggelassen, da leider für die meisten menschen die technische hürde zu groß ist einen solchen sender zu empfangen.

meinen beobachtungen nach sieht die typische realität musikinteressierter normalmenschen wie folgt aus:

- anfang -

wenn sie radio hören wollen schalten sie ihre kompaktanlage mit integrierter ukw antenne ein und drehen ein wenig am rädchen herum, schalten dann aber wieder schnell frustriert ab, weil nur mist läuft. dann erzählt ihnen ihr freund, dass es in ihrer stadt ein freies radio mit besserer musik gäbe, was man aber nur über kabelradio hören könnte. sie wissen aber nicht was kabelradio ist und wie man das hört. selbst wenn sie wüßten, dass das etwas mit dem zweiten anschluß neben ihrem kabel-tv anschluß zu tun hat, dann würde ihnen das auch nichts bringen, weil sie ihre kompakt-anlage aufschrauben und ein kabel direkt auf der platine umlöten müßten und auch solch abwegige Ideen würden sie nie kommen.

dann hören sie in einem club ihre vertrauens, dass es etwas gäbe wie webradios und dass man zum empfang derer aber wohl einen computer und internetanschluß bräuchte. das freut sie, weil sie sich sowieso gerade einen neuen computer anschaffen wollten, da seitdem ein Freund auf dem alten Ding die neueste Windows Version installiert hat der ja schneckenlangsam ist und bei textetippen unter word immer ständig abstürzt.

also rennen sie in den elektro-discounter ihrer wahl und kaufen das aktuelle windows-pc-angebot und lassen sich vom verkäufer versichern, dass man damit vernünftig mails schreiben und surfen könnte. bei webradio ist sich der verkäufer nicht so ganz sicher, aber das wird bestimmt auch funktionieren.

zuhause angekommen lassen sie sich das ding von ihrem netten nachbarn anschließen und sind begeistert, wie schnell und bunt auf einmal alles ist. so, wie war das jetzt nochmal mit dem webradio ? ach ja, dazu muss man wahrscheinlich ins internet. also kommt nochmal der nachbar rüber und richtet eine internet verbindung für das onboard 56k-modem ein. nun gehts aber endlich los. das mit dem browser das kennen sie ja schon ganz gut vom gelegentlichen mailen. von ihrem bekannten haben sie noch einen handschriftlichen zettel mit der internet adresse, wo es wohl das webradio gibt.

also tippen sie brav die internetadresse ein und nach knapp einer minute ist die seite fertig geladen. nach einigem herumgeklicke finden sie irgendwann den startknopf und dann geht der windows media player auf und...nichts passiert. naja, vielleichts klappts ja im zweiten anlauf. ne, leider auch nicht. ist ja doof, dieses webradio klappt ja garnicht.

zwei wochen später treffen sie dann wieder den bekannten in einer bar und berichten ihm von ihren erfahrungen mit dem webradio. der fragt direkt geziehlt nach namen und version von betriebssystem, browser und audioplayer und überfordert damit denjenigen komplett. um alles nur noch schlimmer zu machen hält er der person einen ausführlichen stark idiologisch gefärbten beitrag über audioformate und betriebssysteme.

wenn sie dann zwei tage später wieder an ihrem neuen rechner sitzen schwirren ihnen immer noch die ganzen begriffe im kopf herum: mp3, windows media player, ogg vorbis, winamp, linux, real audio und irgendwie haben sie aber gar keine rechte lust mehr. zumal der bekannte meinte, dass webradio über 56k-modem sowieso klänge wie dampfradio. auch isdn wäre noch nicht so der hit, erst mit dsl würde die sache wirklich vernünftig klingen. also legt die person cd in ihre kompakt anlage, drückt den playknopf und freut sich darüber, dass es funktioniert.

- ende -

meine vermutung ist, dass sich an diesem zustand sobald nichts ändern wird, was mich nicht daran hindert weiterhin begeistert neue technologien auszuprobieren und zu hoffen, dass gelegentlich vielleicht mal ein monopolist oder ein industriekonsortium eine neue technologie in ihr produktsortiment integriert und somit auch nicht-nerds als zielgruppe erschlossen werden.

die einzige halbwegs interessante perspektive die mir da momentan entgegenschimmert sind produkte wie etwa aus der streamium reihe von philips, bei denen aus einem vordefinierten, adaptierbaren angebot über eine normale stereoanlage im wohnzimmer mp3-streams via wireless lan und dsl-flat mit einfachem knopfdruck gehört werden können. die finanziellen und zeitlichen kosten für die installation und den dauerhaften betrieb einer solche lösung liegen aber ein vielfaches über dem, was ein normalmensch bereit wäre zu investieren, und dass wird sich meiner meinung nach auch in absehbarer zeit nicht ändern.

meint: stefan am 02.01.04

@gregor: definiere "kein publikum". für mich sind 0,4% einschaltquote wie arte sie zur zeit hat schon sehr viel bei dem program, welches sie bieten.

@easty: das problem an der satellitenschüssel ist die meines empfindens geringe überschneidung der nutzer ebensolcher empfangssysteme mit der zielgruppe der von mir und dir erwähnten sendungen. meinen beobachtungen nach werden satellitenschüsseln hauptsächlich von heimatliebenden ausländern, sparfüchsigen häuslebauern und sozialhilfe-empfängern auf ihre balkone und dächer montiert, ausnahmen gibt es sicher. mir fällt spontan kein mensch in meinem bekanntenkreis ein, der eine satellitenschüssel zu seinen besitztümern zählen würde wo hingegen alle ein ukw-fähiges radio und viele einen kabelanschluß besitzen. für mich selbst wäre eine satellitenschüssel wohl auch kaum eine sinnvolle langfristige lösung und wird es auch in den nächsten paar jahren nicht werden, dafür bin ich einfach schon zu oft umgezogen, davon abgesehen davon sehe ich in der massenhaften installation von satellitenschüsseln an fensterrähmen und balkonen nicht gerade einen beitrag zur verschönerung von innerstädtischen wohnvierteln.

meint: stefan am 03.01.04

> spex - 31.000
> de:bug - 42.000
> intro - 116.000
----
also die zahl bei der spex ist eine druckauflage. wenn du 2 zeilen tiefer schaust, liest du folgendes:
Verbreitet: 16.480

bei der intro streiten sich auch die geister... wenn man die auslagestellen befragt, wird nur ein kleiner teil der pakete überhaupt ausgelegt. branchenintern wird gemunkelt, daß nichtmal die hälfte der druckauflage an die leser kommt.

über de:bug kann ich nix sagen. sind ja anscheinend auch nicht ivw-geprüft.

meint: manuel am 03.01.04

das ist genau mein problem: ich behaupte: es gibt KEIN publikum für radio jenseits der dudelei, es gibt lediglich schreihälse, die immer wieder gutes radio fordern (zu denen gehörte ich ohne zweifel auch) und dann natürlich solche, die ihre vision wie du und ich einfach ausleben, in dem sie beispielsweise im lokalen hörfunk ihr bestes geben. was mir jedoch immer fehlt sind aufmunternde worte, die den wenigen, die diesem land alternativen im rundfunk schenken, die nötige kraft geben weiter zu machen. das braucht's.

meint: gregor am 03.01.04

kommen wir mal zu den hörern. alles dudelfunkgeile engdenker. ich wiederum muss nähmlich seit geraumer Zeit feststellen, dass die HÖRER immer schlechter werden. völlig eindimensional gedacht, den schwarzen peter immer den radios zuzuschieben. außerdem ist es ein himmelweiter unterschied, über musik zu schreiben und sie zu spielen. wie sieht er den überhaupt aus, der verbreitungsgrad der magazine. lass mal zahlen rüberwachsen.

meint: gregor am 03.01.04

also, um das ein für allemal zu sagen: alle, die qualitäts-radio hören WOLLEN, können auch - über digitales astra satelliten radio (adr) alle ard-sender einschliesslich zündfunk (in ffm auch im kabel!!!!!), radio1, multikulti und schliesslich über einen qualitativ guten webstream und on-demand alle guten bbc-shows... radioherz, was willst du mehr? hört auf mit dem meckern, checkt stattdessen die nach wie vor vorhandenen guten shows!

meint: easty am 03.01.04

> kommen wir mal zu den hörern. alles
> dudelfunkgeile engdenker. ich wiederum muss
> nähmlich seit geraumer Zeit feststellen, dass
> die HÖRER immer schlechter werden. völlig
> eindimensional gedacht, den schwarzen peter
> immer den radios zuzuschieben.

ja, das ist korrekt die mehrheit der radiohörer will wohl leider wirklich einen dudelfunk und das wird sich wahrscheinlich nur dann ändern, wenn radio wieder seinen status als hintergrundmedium verliert, was meines erachtens eher unwahrscheinlich ist. der gegenwärtige zustand ist in etwa, dass radio nicht beim bügeln stören darf. meine these ist ja auch lediglich, dass es in ballungsräumen eine signifikante minderheit gibt, welche ein interesse an einer ergänzenden alternative in der oben beschriebenen form hätte. von mehrheiten wage ich hier garnicht zu sprechen.

> außerdem ist es ein himmelweiter unterschied,
> über musik zu schreiben und sie zu spielen.

meine absicht war es nicht die tätigkeit eines musikredakteurs bei einem radiosender mit dem eines print- oder onlinemagazines gleichzusetzen. es ging mir darum die potentielle zielgruppe für den von mir skizzierten sender aufzuzeigen.

> wie sieht er den überhaupt aus, der
> verbreitungsgrad der magazine. lass mal zahlen
> rüberwachsen.

wenn du es gerne konkreter möchte, hier extra für dich: auf den tausender gerundete druckauflage in einheiten pro monat (stand 03/2003, quelle media-daten.de):

spex - 31.000
de:bug - 42.000
intro - 116.000

wie sich diese auflagen geographisch in deutschland aufschlüsseln, dass müßtest du dann aber schon die herren viehmann, kösch und venker selber fragen. steht aber ja vielleicht auch in den ausführlichen mediadaten oder so. es ging mir im übrigen auch nicht darum den ultimativen bis ins letzte detail ausgefeilten masterplan für die machtübernahme in der deutschen radiolandschaft zu entwerfen, ich wollte lediglich perspektiven auf denkbare alternativen darzustellen.

meint: stefan am 03.01.04

@manuel: klar, wenn du ein paar zeilen höher guckst,dann siehst du ja auch, dass ich nichts anderes behauptet habe :-)

meint: stefan am 04.01.04

man wünscht sich ja irgendwo auch so ein mittelding-radio. damit meine ich, dass nicht den ganzen tag freaks-shows laufen. selbst beim zuendfunk ist es oft genug so, dass man die gesamte sendung nicht aushält, weil mal wieder irgendein moderator meint, ein thema bis an die ertragbarkeitsgrenze auszubreiten oder sachen laufen, die vielleicht irgendwann einmal ok waren, nun aber einfach - sorry, meine meinung - lächerlich rüberkommen. damit meine ich sowas wie blumfeld.

die meisten dieser genannten magazine hypen irgendwelche platten, die oft nichtmal eine erwähnung wert sind. oft bekommt man sogar schon promo-cds auf denen ein "INTRO"-aufkleber drauf ist. da fragt man sich schon, welche geheimen verträge da hinter den kulissen ausgemacht werden. oder gibt es sowas wie vorabjournalismus? ;-))

schaut man sich mal so die lesercharts von intro, spex und de-bug an, sieht man deutlich, daß intro wohl dem kommerziellen musikmassenmarkt am nähesten steht, in de-bug und spex auch oft genug platten für gut befunden werden, deren lobigung schon fast als eine art freundschaftsdienst rüberkommt. beispiele lasse ich mal lieber weg, sonst fühlt sich noch jemand angegriffen.

bei den radiosendern, die teilweise interessante musik von kleinen labeln spielen regen mich auch oft die moderatoren auf. da wird nicht viel vermittelt, sondern sehr oft nur bloed dahergelabert, um mal den nicht mehr existenten XXL-bereich beim hessischen rundfunk als beispiel zu nennen.

aendern wird sich daran wohl nie was. wie stefan schon sagt, es sind auch die menschen, die oft nicht bereit sind sich mit komplexen dingen auseinanderzusetzen.

ich würde mir sicher auch webradio-streams anhören, nur würde genau das einen immensen finanziellen aufwand bedeuten. neuer rechner, schnellere internet-verbindung usw.

oft reicht mir aber auch schon der aufwand, um an irgendwelche platten ranzukommen. man muß oft mehrere mailorder abklappern, bis man das hat, was man will.

es gab zeiten, da war das alles besser. phonoclub hatte mal scape im programm. hausmusik ist bei vielen sachen mittlerweile einfach zu teuer, kompakt ebenso. 9 euro für 12"-platten ist einfach nicht akzeptabel.

loben kann man solche label wie k7. dort bekommt man jede neue cd für 10 dollar. beim derzeitigen dollerkurs ist das mehr als fair.

ich weiß, ich bin von thema abgewichen - ist halt passiert.

meint: mrcs am 04.01.04

> man wünscht sich ja irgendwo auch so ein
> mittelding-radio. damit meine ich, dass nicht
> den ganzen tag freaks-shows laufen. selbst beim
> zuendfunk ist es oft genug so, dass man die
> gesamte sendung nicht aushält, weil mal wieder
> irgendein moderator meint, ein thema bis an die
> ertragbarkeitsgrenze auszubreiten

yup, ich würde ja auch nicht nach dem aufstehen mit kid606, funkstörung und phonem geweckt werden wollen, also schon klassische latenight-ghettos für die minderheiten der minderheiten ;-)

> schaut man sich mal so die lesercharts von
> intro, spex und de-bug an, sieht man deutlich,
> daß intro wohl dem kommerziellen
> musikmassenmarkt am nähesten steht

ja, das sehe ich auch so. das sollte wohl in etwa das maß der dinge für das tagesprogramm sein.

> bei den radiosendern, die teilweise
> interessante musik von kleinen labeln spielen
> regen mich auch oft die moderatoren auf. da
> wird nicht viel vermittelt, sondern sehr oft
> nur bloed dahergelabert.

ja, ich finde dann kommen die interessanten inhalte unglaubwürdig daher...

> aendern wird sich daran wohl nie was. wie
> stefan schon sagt, es sind auch die menschen,
> die oft nicht bereit sind sich mit komplexen
> dingen auseinanderzusetzen.

also ich denke wenn der skizzierte sender einschaltquoten wie arte hätte, dann könnte man schon von einem erfolg sprechen. mehr kann und sollte man von so einem projekt nicht erwarten. die schallgrenze von 1% zuhörern würde wahrscheinlich höchstens in einzelnen stadtteilen kurzzeitig überschritten werden (hh-schanzenviertel, b-friedrichshain, m-haidhausen, k-belgisches viertel, usw.).

> oft reicht mir aber auch schon der aufwand, um
> an irgendwelche platten ranzukommen. man muß
> oft mehrere mailorder abklappern, bis man das
> hat, was man will.

jo, phonoclub hätte sicher mehr potential. habe ich ja auch erst vorgestern im nanoblogg moniert...

> es gab zeiten, da war das alles besser.

tststs...ich dachte sowas sagt man erst, wenn man als rentner mit pfeife im schaukelstuhl sitzt und auf die jungen leute von heute schimpft ;-)

meint: stefan am 04.01.04

Allumfassende ultimative Darstellung dieses für die Lebensqualität doch nicht unerheblichen Teils des Alltagslebens !... Anders als andere bin ich nicht der Meinung dass das Internetradio ein wirkliche Alternative darstellt (Arbeitsplatz, Auto etc. ?). In Berlin kann man sehen das die für den Mainstream völlig inkompatibele türkischsprachige Musik in eigenen komerziellen Radios ausgesendet wird und damit eine nicht kleine Nische bedient. Scheint sich ja wohl auch finanziell zu lohnen. Das müsste doch auch für die anspruchsvolle Elektronische Musik, Alternativ etc. gehen. Vielleicht hat die Werbebranche auch noch nicht das Potential entdeckt. Die Frage ist, wie ein typischer Hörer dieser Musik und dieses utopischen Musiksenders aussieht(wenn es den typischen Hörer überhaupt gibt): sind das alles mittellose Studenten, die eh nicht das kaufen können , wofür in einem solchen Radio in Spots geworben wird, oder sind das alles junge, gutverdienende, intelligente bla bla und damit ein lohnendes Ziel für die Werbewirtschaft ? Davon könnte der Erfolg eines solchen kommerziellen Radios abhängen und damit auch, ob wir demnächst mal wieder mit interessanter Musik und interessanten Sprachbeiträgen via Radio beliefert werden.

meint: oli am 04.01.04

@olli: danke für die blumen. wenn ich dich richtig verstehe, dann beziehen sich deine überlegungen auf die mögliche profitabilität eines solchen senders. von dieser option bin ehrlich gesagt an keinem punkt in meinen überlegungen ausgegangen. ich dachte da eher an eine sinnvolle relation zwischen verwendung von rundfunkgebühren und zuhörerzahl. wenn jemand da werbung schalten will, dann schön und gut, aber der betrieb eines solchen senders wäre meines empfindens nach zu ungewiß wenn er von werbeeinnahmen abhängig wäre.

meint: stefan am 04.01.04

@ stefan: ich wollte das nur noch mal deutlich für die mitlesenden herausstellen, daß es nicht so ist, daß druckauflage = verbreitete auflage.

> oft bekommt man sogar schon promo-cds auf denen ein
> "INTRO"-aufkleber drauf ist. da fragt man sich schon,
> welche geheimen verträge da hinter den kulissen
> ausgemacht werden. oder gibt es sowas wie
> vorabjournalismus? ;-))

ich weiß ja nicht, wo du deine promos einstreichst.... falls du beim radio bist, bist du am (vor)letzten glied der bemusterungskette (hab grad neulich erst einen artikel dazu gelesen). printredaktionen werden z.t. mit 3 monaten (oder mehr) vorlauf bemustert und bei vielen themen werden tatsächlich solche deals mit den "großen" magazinen gemacht... wichtige medienpartner werden sicherlich früher bemustert als irgendwelche kleine (wirklich-)indie-mags: da sagt die intro dann ganz schnell: die platte gefällt uns, wird ne empfehlung geben, klatscht da unseren aufkleber drauf mit dem und dem wortlaut! ist aber auch okay, wenn die empfehlung ehrlich gemeint ist von der redaktion.

meint: manuel am 06.01.04

Über Deinen blogg kam ich hierher und freue mich das es wirklich ein paar menschen gibt, die das Radio interessiert.
Ich fahre täglich insgesamt 120 km. Die Radiostationen die mich begleiten sind eigentlich die mit der "2" hintendran SWR2 oder HR2 da läuft nicht nur dämliche Musik sondern es gibt auch mal Klassik Worldmusic und sachen von Garbarek bis Garcia Fons. Die Kommentare wie "SWR2 Wissen" und auch Deutschlandfunk (soweit erreichbar) verkürzen mir die Zeit. Den Rest kann man verbrennen. AFN und HR3 sind noch so lala. AFN erstaunt mich manchmal mit sehr exotischer Musik (selbst NIN habe ich da mal gehört) kann aber auch nerven mit stundenlangem Kaugummigebabbel.

Winamp und Netradio machen wirklich Spaß. ABer wie krieg ich das ins Auto? :-)

Aber danke für den Artikel, der macht mich ein wenig froh. Ich dachte schon wieder es läge an mir, daß mir die Musik nicht mehr gefällt

meint: rollinger am 07.01.04

Interessanter Artikel und noch viel mehr interessante Anmerkungen.

Kann sich noch jemand an Evosonic erinnern? Vor ein paar Jahren gab es mal dieses Nischenradio über Astra europaweit zu empfangen und viele Menschen liebten es aufgrund der vielen tollen elektronischen Musik die dort rund um die Uhr gespielt wurde.
Ich kann mich nur noch dunkel erinnern wie die Geschichte war. Evosonic ging zu Grunde, aus mehreren Gründen wohl: Mangelnde Unterstützung vom WDR als der Sender noch in Köln ansässig war, keine Werbeeinnahmen da es wohl unmöglich war genaue Einschaltquoten zu ermitteln (Satellite-only-Verbreitung), und nicht zuletzt Missmanagement in der Evosonicleitung. Die Chancen waren insgesamt wohl nicht schlecht das Format von Evosonic so beizubehalten. Der Sender hatte sein Stammpublikum auch wenn viel gemeckert wurde weil man den Sender nicht im Auto hören konnte. Es gab streckenweise sogar Werbung von Mobilfunkabietern oder den typischen Versandhäusern für DJ-Equipment und nach dem Umzug nach München war DSF so kulant und gab Evosonic für ein halbes Jahr kostenlos einen seiner Audio-Satteliten-Uplinks… alles in allem nicht schlecht, hat trotzdem nicht funktioniert…

Momentan aktuell und jenseits vom Dudelfunk: Radio GAGA auf subsource.de http://www.subsource.de/submix/024/ ;)

Viele Grüße
Dirk

meint: Dirk am 07.01.04

Gegenbeweis und kleiner Trost für alle: Es kann tatsächlich funktionieren, zeigt unser kleines Nachbarland Österreich. Dort wird genau das bundesweit ausgestrahlt, was hier - so wie ich es verstanden habe - gefordert wird, nämlich ein Radio für den Mainstream der Minderheiten.
Die musikalische Mischung setzt sich aus Elektronika aller Art, Alternative und eigentlich allem zusammen, was im Mainstream-Radio nicht läuft, tagsüber gut gemischt, gegen Abend und nachts in Formatsendungen dann genre-spezifisch. Das ganze teils in Englisch, teils in Deutsch, frei nach dem Motto: Jeder spricht in seiner Muttersprache, solange diese verbreitet ist. Die Moderationen sind teilweise arg aberwitzig, aber nie nervig.
Finanziert wird das ganze übrigens öffentlich-rechtlich, das ganze ist Teil des ORF - und hat mittlwerweile genug Erfolg und eine so treue Zuhörerschaft, dass niemand mehr daran zweifelt, dass dieser Sender seinen Sinn hat.
Wer's nachprügen will: fm4.orf.at, einen guten Stream gibt es unter http://fm4.amd.co.at/, das ganze gibt's auch über Sattelit in D (ASTRA). Eine Liste der 100 meistgespielten Künstler und Songs gibt's unter http://www.xfreaks.net/fm4_statistics.html - taugt zumindest für einen ersten Eindruck.

Und kleiner Gruß an Stefan: Ich hab' eine Schüssel, da ich keinen Kabelanschluß hatte und wegen fm4! Und weil ich die Gegend nicht verschandeln wollte, hab ich sie im Hinterhof aufgehängt, der war vorher auch schon häßlich...

meint: dieter am 07.01.04

Noch ne Anmerkung: Die Links funktionieren alle, einfach mal copy-paste versuchen, falls es direkt nicht klappt!

meint: dieter am 07.01.04

Taufrisch: http://www.zeit.de/2004/03/Fernsehen Grüße, Gregor

meint: gregor am 08.01.04

@dieter: die fm4 statistik sieht recht vielversprechend aus, dürfte für den typischen intro-leser gut verdaulich sein ;-)

@rollinger: nein, es liegt nicht definitiv nicht an dir.

@dirk: habe von diesem evosonic mal gehört, es aber leider nie mitbekommen, weil ich nie eine satellitenantenne besaß.

@gregor: habe den artikel gelesen. fernsehen finde ich jetzt nicht so problematisch, solange es arte in der jetzigen form gibt. natürlich wäre eine art musik-tv-pendant zu meinem radiovorschlag eine interessante angelegenheit, seitdem es kein viva2 mehr gibt.

meint: stefan am 09.01.04

kurz nen paar stats zu Evosonic Radio:
evo war pleite, als sie on air gingen, das war am 1.5.1997. Leider schaffte es weder die immer geringere Belegschaft noch der später eingesetzte Krienmanager, den Sender profitabel zu machen.
Das Programm widmete sich der elektronischen Musik in all ihren Spielarten ( Untertitel : electronic dj music radio )und war zum einen über ASTRA D1 europaweit und in sehr vielen Kommunen auch über Kabel zu empfangen. Da Kabelradio damals noch sehr erklärungsbedürftig war, kreiierten die Hotze-Schöpfer BRINGMANN & KOPETZKI
für evosonic einen kleinen Comic, der in 10 Bildern erklärte, wie man durch die Aktivierung von Kabelradio ie. Evosonic ganz schnell in ungetrübten Musikgenuss kommen kann. Allerdings erinnere ich mich auch an einige panische Handyanrufe von Leuten, die gerade im Elektrogeschäft standen und per Handy nochmal nachfragten wollten, welche Schüssel sie denn nun bräuchten, um evo empfangen zu können =)
Sowohl die Kosten für die Kabelplätze als auch die Satellitenverbindung wurden von Telekom und RTL2 gestundet, um den Sendebetrieb zu erhalten und damit auch die Chance, vielleicht später Einkünfte zu generieren. Allerdings kam es dazu leider nie, jedoch gelang es auf diese Weise, evosonic zumindest bei den entsprechenden Musikliebhabern zum Kult werden zu lassen.
Viele Sendungen wurden getaped oder dann irgendwann auch im Netz mitgeschnitten, nachdem irgendwo in .de an einer Uni auch ein stream im netz realisiert wurde. Wer sich für das damalige Programm interessiert, kann sich über google und www.archive.org (way-back machine) mal schlauer machen, oder auch für konkrete shows in den div. filesharing-boersen umsehen.

Zur Debatte um radiostream generell:

auch mir gefallen Projekte wie last.fm zB. sehr gut, und ich bin immer auf der Suche nach neuen Formaten, also lasst mal ruhig noch mehr Tips raus ;D

mfg,
Thorus ( ex-webmaster evosonic - standort koeln )

meint: Thorus am 10.01.04

schoen dass langsam die diskussion in gang kommt!

wichtig ist mal festzustellen, dass die musikindustrie nicht nur durch cd kopieren an umsatz verliert sondern vor allem durch rotation und chartradio, direkte einflussnahme auf playlisten im radio, sich selbst ins grab
reitet.

wie soll denn jemand an musik rangefuehrt werden? durch das blosse lesen von reviews? hinzukommt der zynische umgang mit talentfoerderung, siehe das sehr deutsche dieter bohlen superarschloch phaenomen.

aber auch unser lieblingszeitschrift scheint nun langsam aufzufallen das sich nicht alles auf ipod reimt. http://www.de-bug.de/news/2194.html

vielleicht erinnert man sich woher drum and bass kam, und wo in detroit zuerst bambaata auf kraftwerk gespielt wurde. hat da jemand gesagt radio sei tot nur weil es hierzulande so klingt? london hat ueber 60 piratensender. kein wunder dass dabei hin und wieder auch ein neuer musikstil bei rauskommt.

auch in deutschland tut sich was, viele hervoragende elektronische musikformate verbergen sich in offenen kanaelen und freien radios, kooperieren mit kleinen labels, auch netzlabels.
die ravende gesellschaft mag vorueber sein und damit auch der traum massen zu erreichen, aber viele kleine nischen addiert ergibt auch eine ganze menge hoerer.

radio z mit audiopets und anderen in nuernberg, xmix frankfurt, bttb fsk hamburg usw. usw.

nur vom netz sollte man nicht zuviel erwarten,
erstmal ist streaming immer noch nicht ganz billig vor allem fuer die anbieter, wenn richtig
viele leute lange zuhoeren, aber die traffic preise fallen ja.. ausserdem ist die nutzung am bildschirm anders als unterwegs im auto, in der kueche oder sonstwo, radio ist als audio entgeraet in vielerlei hinsicht bisher unuebertroffen.

von der kombination netz und radio da ist was zu erwarten, vor allem was die produktion angeht, zwischen den studios, labels, redakteueren, djs.. gerade in dem moment in dem man eigentlich radio als ganzes abschreiben koennte,
fast so wie vinyl in den 80ern...

zeit fuer ein comeback der special interest formate.. free form radio... new electronica..


in berlin geht ein temporaerer sender online
am 1. februar mit der club transmediale und
live dj sets und vielen vielen uebrraschungen.


http://www.reboot.fm

meint: pit am 15.01.04

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