Dani Siciliano: "My first project."

Rubrik » Interview Portrait

dani_siciliano.jpgDani Sicilianos ist nicht nur Herbert Matthews Freundin. Mit ihrem Debut tritt sie vollends aus dem Schatten des Produzenten"gotts". Mit "Likes..." zeigt sie, wie Jazz, Vocals, Elektronik und vielschichtige Soundcollagen harmonieren können und das die herbertsche Verschrobenheit auch aus ihrer Feder stammen könnte...

Wie kamst du zu diesem klangvollen Namen?
Das ist mein richtiger Name.Also bis du keine Engländerin?
Nein Amerikanerin. Mit italienischen Wurzeln?
Ja - Sizilianisch.Wann hast du angefangen Musik zu machen?
Angefangen…? Das ist eine abstrakte Frage. Man könnte sagen, dass ich mit meiner kleinen Schwester angefangen habe - so mit 4-5 Jahren, während wir mit Rollschuhen unterwegs waren.Und professionell?
Etwa Mitte bis Ende der achtziger kamen die ersten Schritte. Vor etwa 4-5 Jahren begann ich mit Mathew Herbert zu produzieren. Das war der Meilenstein - denke ich. Zwei Jahre später wollte ich meine eigenen Sachen machen und fing mit den ersten elektronischen Produktion an.dani_siciliano2.jpgIst das aktuelle- dein erstes eigenes Album?
Ja. Das ist meine Musik, die ich in meinem Homestudio produziert habe und die dann später in einem professionellen Studio überarbeite wurde.Was erwartet die Leute, wenn du live spielst? Singst du live zu deinen Platten, die du auflegst?
Nein. Nicht mehr. Das habe ich aber schon getan und würde es vielleicht auch wieder tun.
Ansonsten singe ich oder lege Platten auf.
Was hast du vor dem Musik produzieren gemacht?
Ich habe in San Francisco etwa 8-9 Jahre als DJane gearbeitet. Das war nicht immer einfach, denn um zu überleben, kamen noch einige Jobs, wie Fahrradkurier oder Kindermädchen dazu.Was läuft derzeit Musik mäßig in San Francisco?
Ich war schon fünf Jahre nicht mehr dort. Ich lebe in London. In San Francisco haben sich jedoch schon immer die unterschiedlichsten Stile entwickelt. Ich könnte mir vorstellen, dass es in den Clubs dort grade ziemlich spannend ist. Als ich früher dort lebte, war immer was los. Meine Platten für die Gigs kaufte ich in Secondhandshops und die fettesten Partys hingen alle irgendwie mit der Gaycommunity zusammen.dani_siciliano.gifWas möchtest du den Leuten mit deiner Musik vermitteln.
Ich denke, es ist eher eine Art Botschaft an mich selbst - nicht nur textlich, sondern auch musikalisch. Das ist das erste Projekt dieser Art, in welchem ich die Texte und die Musik selbst geschrieben habe. Es handelt von mir und wie ich versuche, mich in die Musik hineinzuversetzen.Was ist dein nächstes Vorhaben? Gibt es da vielleicht auch etwas anderes außer der Musik?
Ja. Ich würde gern Schuhe produzieren. Mmmhh…Was denn für welche?
Egal. Ich träume von Schuhen, die ganze Zeit. Da gibt es einen Schuster in London, der macht total geile Schuhe und den habe ich gefragt, ob ich nicht bei ihm arbeiten könnte -ohne Bezahlung, nur um es zu lernen. Aber das hätte sicherlich zeitlich nicht geklappt, da ich viel unterwegs bin. Na ja abgesehen davon, werde ich wohl mehr Musik machen.Was ist deine Lieblingsfarbe und mit welchen Farben würdest du dein Album in Verbindung bringen?
Meine Lieblingsfarbe ist rot. Und das Album hat irgendetwas mit braun oder rot zu tun. Das ist lustig. Ich habe einen Song geschrieben, der "red" heißt, der irgendwie in Verbindung mit Rotkäppchen steht.Der Name Mathew Herbert wird stets in Zusammenhang mit deinem Album genannt. Welche Rolle spielte und spielt Mathew Herbert in deinem Leben?
Er ist mein Ehemann.Welchen Traum würdest du dir gern erfüllen?
Nun es ist nichts persönliches, aber ich wünsche mir, dass sich auf diesem Planeten massiv etwas ändert - die Menschen sorgsamer miteinander umgehen.Und dein schlimmster Albtraum?
Wie sich derzeit alles entwickelt.dani_siciliano3.jpgWas denkst du über Georg und Arnold?
Ich schäme mich. Punkt. Ich schäme mich dafür, dass ein Land Georg W. Bush erlaubt hat, gewählt zu werden. Das hätte wirklich nicht passieren sollen. Das ist es, was über den derzeitigen Präsidenten denke. Unglücklicherweise war ich auch in London, als Bush kam und hatte am gleichen Tag eine Show. Ich beschloss, in einem schwarzen CIA-Anzug zu eröffnen und "he is in the country" zu sagen. Als ich im Anzug auf die Bühne kam, verstanden dies die Leute und es gab etliche Buhrufe. Unglaublich.

Arnold Schwarzenegger - das konnte ich nicht fassen. Seine Frau kommt aus einer demokratischen Familie - eine Kennedy und er ist Republikaner! Dieser ganze Wahlzirkus -unfassbar. Die Leute denken alle, dass Kalifornien ein sehr liberaler, offener Staat ist. Dabei war er immer schon sehr konservativ und stets in republikanischer Hand. Es geht um sehr viel Geld, um Banken und Hollywood. Es ist schon merkwürdig, dass Leute lieber jemanden wählen, den sie von einem Film oder Videospiel kennen, als jemand der sich mit geschriebenen Worten auseinandersetzt. Das ist traurig und etwas deprimierend.

Wir besuchten Dani am Abend des Interviews noch im Watergate, wo sie ein polysexuelles Set ablieferte. Ihren ersten Liveauftritt in Europa zu ihrem Album, am Tag darauf, konnte sie jedoch nicht wahrnehmen, da eine Erkältung ihre Stimme versagen ließ. Sehr schade wie ich finde, denn diese überaus sympathische und sehr natürliche Frau, beeindruckt nicht nur durch ihre eigene Meinung, sondern vor allem durch ihre Stimme.

Links:
Phlow-Plattenkritik


Das Interview führte Heiko Kunz und erschien bereits im Partysan.

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