Zeitschriften: echtzeit 04 - Ja, nein, vielleicht

Rubrik » Buchkritik

echtzeit 04Es ist eine Schande, die echtzeit 04 wartet seit Monaten auf ein Review, aber ihrerseits unverschuldet. Das macht aber nichts, denn unter dem Motto "Ja, nein, vielleicht" legt die echtzeit-Redaktion ein Juwel hin, eine Art Konzept-Kunst in Magazin-Form, die zeitlos ist und eins der wertvollsten Stücke in meiner Sammlung werden dürfte.


Text: Tadeusz Szewczyk

Die echtzeit ist nicht neu. Das Magazin ist in der Tat eine Zeitschrift, die bereits zum 4. mal erscheint. Während die erste Ausgabe, die ich damals in den Händen hielt, vor allem durch ihre ungebändigte Experimentierfreude auffiel, ist die Nummer Vier eine oder mehrere Stufen weiter.


In der Tat brauchte ich einige Zeit, um zu begreifen worum es geht oder eher wie das Heft funktioniert. Das ist umso erstaunlicher, als dass ich immer wieder solche Zeitschriften-Unikate betrachte. Die echtzeit 04 ist da gaaanz eigen. Das vorherrschende Konzept: 51 Fragen wurden an die unterschiedlichsten Menschen gestellt. Sie können dem Umschlag entnommen werden, wenn dieser aufgeklappt wird. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber doch sehr gut gelöst, denn die einzelnen Interviews bestehen dann lediglich aus Nummern und Antworten. Die Fragen reichen vom ethnografischen bis zum psychologischen und zeigen in erster Linie eins: Habitus und Sozialisation der Befragten sowie ihre Lebensphilosophie.


Doch sie vermitteln auch mehr. Es ist vielleicht nicht Identifikation aber doch gegenseitiges Verständnis. Wenn etwa die geschichtsrevisionistische Oma ihre anti-polnischen Ressentiments äußert, weiß ich nicht, ob ich als Pole empört sein oder als Mensch verständnisvoll nicken soll.


Die Zweisprachigkeit haben die echtzeit 04 Macher/innen ebenso innovativ eingesetzt. Es wird nicht übersetzt. Auf Englisch wurden andere Leute befragt als auf Deutsch.


Weiterer Clou: Das Papier ähnelt größtenteils dem von Adbusters Heft 56, es ist so offensiv recycelt, dass es meilenweit vom kommerziellen Hochglanz entfernt ist. Ein angriffslustiges Blau wirkt dem aber so diametral entgegen, dass dennoch das Gefühl des visuellen Luxus ensteht. Einige Foto-Seiten sind ganz normal Weiß. Die Bilder selbst sind kein Hochglanz-Möchtegern-Lifestyle.


Die Experimentierfreude ist den Studierenden der FH Potsdam bei all dem nicht verloren gegangen. Die Fülle und Ungewöhnlichkeit der Eindrücke zwingt mich immer mehrfach hinzusehen, um zu begreifen.


Mehr dazu, andere Beiträge: echtzeit Homepage.
Echtzeit bestellen. Kurzbeschreibung bei innovativ.in.
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