[Update] Mit "We The Media" hat Dan Gillmore die Blaupause für eine neue Generation des Graswurzel-Journalismus geschrieben. In seinem Buch zeigt er auf, welche Möglichkeiten das Internet im Bereich des Personal Publishing - des persönlichen Publizieren eines Jeden - bietet. Seine optimistische Analyse beweist, wie mit Werkzeugen wie Weblogs, RSS, mobilen Telefonen und Handhelds sowie modernen Redaktionssystemen generell eine neue Generation von Meinungsmachern heranwächst.Text: mo.
Zugegeben, ich habe das Buch von Dan Gillmore mit einem Jahr Verspätung entdeckt. Dabei handelt es sich genau um die Art von intelligenter Analyse und Lektüre, die ich liebe. Einerseits ist das Buch spannend mit zahlreichen Beispielen angehäuft, deren Entwicklung man nachträglich im Web nachspüren kann und andererseits schafft es der erfahrene amerikanische Journalist ein Medienphänomen auf den Punkt zu bringen, um seine Leser enthusiastisch in die Welt zurück zu schicken.
"We The Media" ist eine präzise und generell positive Analyse der neuen Veröffentlichungskultur, die mit dem Internet in unserem Alltag Einzug genommen hat. Auch wenn Dan Gillmore stets begeistert von den neuen Formen des Publizierens berichtet, beleuchtet er auch die Schattenseiten und appeliert für den Kampf um Meinungsfreiheit.

Nach Dan Gillmore bröckeln durch die neuen Publikationswerkzeuge - allen voran die Weblogs - nicht die Kirche, sondern die Big Media. Mit den Big Media meint er hierbei die Medien wie Fernsehen, Radio und die großen Zeitungen. Denn mit Hilfe von Foren, Weblogs und der allgegenwärtigen RSS-Technik lassen sich Nachrichten neu verteilen, lässt sich direkt miteinander kommunizieren und lassen sich Nachrichten in einem many-to-many-Medium verbreiten als auch konsumieren. Der Surfer wird mündig und bekommt mit dem Browser ein machtvolles Recherche- als auch Publikationswerkzeug in die Hand.
Schon alleine die jetzt erschienene Neuauflage als Taschenbuch zeigt, dass das Buch bereits Wirkung und zahlreiche Diskussionen hinterlassen hat. Wer sich für Medientheorie und die generelle Entwicklung der Medien interessiert, sollte in das englischsprachige Werk reinschauen. Wie oben beschrieben, verknüpft Dan Gillmore sein technisches Wissen mit wahren Begebenheiten und erklärt dem Leser, wie großartig Websites wie www.kuro5hin.org oder slashdot.org sind und wo ihr revolutionäres Potential liegt.
Auch wenn "We The Media" enthusiastisch geschrieben ist, verliert es nie den Boden unter den Füßen und wagt nicht nur Ausblicke in die Zukunft, sondern sensibilisiert uns für die neuen demokratischen Möglichkeiten der Berichterstattung. Denn auf mehr als 250 Seiten zeigt uns Dan Gillmore, wie der normale Bürger mit Hilfe des World Wide Web ein starkes Werkzeug für gelebte Diskussion, Demokratie und variantenreiche Berichterstattungen an die Hand bekommen hat. Persönliche Nischenberichterstattung und Watchblogs wie zum Beispiel das bildblog.de sind erst mit dem entstehen des Webs möglich geworden. Die zahlreichen Ereignisse inner- und außerhalb der so genannten "Blogosphäre", die die Welt ein wenig verändert haben und auch die großen Medien haben aufhorchen lassen, zeigen wie Recht er hat. Ein deutsches Beispiel hierbei ist zum Beispiel die wunderbare Jamba-Affäre, die Johnny Häusler eingeleitet hat. Diese lässt sich in Form eines PDFs noch einmal an anderer Stelle genauer nachlesen (siehe Link unten).
Update: Das Buch von Dan Gillmore ist übrigens auch in der Open Book Reihe von O'Reilly erschienen und jedes einzelne Kapitel ist les- und einsehbar.
Download: Open Book "We The Media" von Dan Gillmore.
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meint: kotzak am 28.02.06klingt interessant... da wird auch journalismus nicht das einzige gebiet bleiben, in dem dieses prinzip zur anwendung kommt. hoffen wirs doch
passt gerade gut, les zur zeit den vilem flusser (medienkultur) enthusiasmiert auch wunderbar
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