Tommy Jaud - Millionär

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tommy-jaud-millionaer-cover.jpg Wortgeballte Realsatire | Nach "Vollidiot" und "Resturlaub" erscheint mit "Millionär" der dritte Roman von Tommy Jaud. Und wieder verschafft der Autor uns einen kurzweiligen und irrsinnigen Trip durch das Leben von Simon Peters. Besonders die detailgetreuen und satirischen Beobachtungen gepaart mit jeder Menge Wortwitz fesseln die Aufmerksamkeit und kitzeln uns nicht selten ein Lachen aus dem Bauch.

Wie auch schon in seinem Roman "Vollidiot" sprießt auch in der Fortsetzung "Millionär" der Wortwitz. Während im ersten Roman der verpeilte Protagonist Simon Peters seinen trostlosen T-Online-Job verlor, rostet er zwei Jahre später als Hartz IV-Empfänger auf dem Abstellgleis fest. Frustriert und voller Bitterkeit beobachtet der "Loser", wie sich das Leben weiterdreht. Ohne ihn: das Geld fehlt.

Um seine Freizeit zu überbrücken, schlägt der Chaot seltsame Wege ein. Als "Pain-in-the-ass" nervt er Hotlines und beschwert sich über Produkte. Im "Aussendienst" grast er Discounter-Filialen ab und konfrontiert deren Lohnsklaven mit Hohn, abgelaufenen Produkten und seinem beissenden Humor.

Wie auch beim ersten Roman beweist Tommy Jaud ein weiteres Mal seine präzise Beobachtungsgabe. Voller Wortwitz und zahlreicher Pointen genießt man die Eskapaden des Vollidioten. Der, wird nur noch von seiner Wut aufrecht gehalten und tobt sich in Köln ordentlich aus. Auch wenn der Antiheld ein ultra-nerviger Mensch ist, so versteht man doch seine missliche Lage und will auf keinen Fall mit ihm tauschen. Mit Genuss biegt man so mit Tommy Jaud bzw. Simon Peters durch die Straßen der Rheinmetropole. Man merkt förmlich in jedem Satz, wie der Comedy-Autor die Domstadt voller Liebe umarmt.

Trotzdem entpuppt sich "Millionär" jedoch nicht als durch und durch schwarze Satire. Dafür weiss Tommy Jaud als Profi, dass seine Leser nach einem guten Ende dürsten und den Antihelden als Gewinner sehen möchten. Glücklicherweise dreht sich das reale Geschehen nicht zugunsten von Happy-End-Kitsch am Ende. Einziger Wehrmutstropfen ist das fast schon ruckartig kurze Ende. Auch wenn Tommy Jaud mit seiner Geschichte (fast) auf dem Teppich bleibt, so endet der Roman doch ein wenig abrupt. Das kann man auch als gutes Zeichen werten, schliesslich liest sich das Buch in einem Rutsch und nassgelachte Augen sind definitiv vorprogrammiert. Bitte noch eins!

Links zu Tommy Jaud, seinem Buch Millionär und so...

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