Stanislaw Lem: Die Megabit-Bombe [Telepolis]

Rubrik » Buchkritik

buchcover_lem_megabitbombe.jpgHarter Tobak, was Stanislav Lem da in seinem Buch "Die Megabitbombe" an intellektuellen Gedanken herunterreisst. Mit rüstigen 81 Jahren scheint der polnische Schriftsteller immer noch nicht müde visionäre Gedanken auf ihre mögliche Realisation abzuklopfen.

In seinem Buch beschäftigt er sich in Essays zu unterschiedlichen Themen der Vernetzung, Virtualität und allen voran der Entwicklung, Zukunft und gegenwärtigen Auswirkung des Internets. Dabei formuliert der Internetskeptiker viele Hypothesen, Schwächen und beschreibt mögliche schadhafte Auswirkungen der globalen Vernetzung.

Ein wenig schrullig und immer mit einem gewissen Stolz nimmt Lem kontinuierlich Bezug auf erschienene eigene Geschichten und Bücher. Trotzdem wird einem der (Quer-)Denker dabei nie unsympathisch, sondern beeindruckt mit seinem umfassenden äußerst aktuellen Wissen.

"Die Megabitbombe" ist eine Sammlung von Texten, die nicht nur explosives Wissen vermitteln, sondern die immens komplexe Gedankengänge beschreiten und wissenschaftlich verwoben daherkommen.

Das Buch lässt sich nicht in einem Rutsch herunterlesen, sondern muss regelrecht studiert werden. Denn Stanislav Lem nimmt nicht nur auf viele Quellen Bezug, sondern erwartet von seinem Leser einen aufmerksamen Geist. Ohne Geduld und Zeit bleiben nach dem Lesen nur inselartige Eindrücke zurück. Doch selbst die könnten ihre Wirkung hinterlassen ;)
(Moritz Sauer)

Die Megabit-Bombe

Essays zum Hyperspace Stanislaw Lem Telepolis/ Heise Verlag 16 Euro ISBN 3-936931-00-3

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Kommentare

Danke für den Hinweis auf das neue Buch von Stanislaw Lem! Schön wäre es gewesen, zumindest kurz beispielhaft mal einen der Kritikpunkte oder Gefahren (?), die Stanislaw Lem in Bezug auf das Internet sieht, zu nennen. Damit man sich vielleicht eine ungefähre Vorstellung machen kann, auf welcher Ebene seine Kritik ansetzt.

meint: Lucomo am 27.05.04

@lucomo: als lem sieht z.b. eine bedrohung der sprachen-vielfalt. davon gibt es auf der erde ca. 4000 glaube ich. und das internet ist sehr stark von der anglizistischen kultur geprägt. ein anderer kritik-punkt ist z.b. die reduktion auf 256 verschiedene-schrift-möglichkeiten. auch glaubt lem, dass die "vernetzung" nicht wirklich stattfindet, sondern, dass nur teilbereiche sich zu in sich geschlossenen kreisen ausbilden. militär mit militär. musik mit musik. also die sogenannten link-zirkel. dass lässt sich ja auch andere dinge ausbreiten. hoffe dass sind ein paar interessante beispiele...

der mo.

meint: Moritz am 27.05.04

Ah! Vielen Dank für die Beispiele! Hört sich interessant an!

meint: Lucomo am 27.05.04

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