Peter Krieg - Die paranoide Maschine

Rubrik » Buchkritik

cover-paranoide-maschine.jpgComputer sind in sich geschlossene logische Systeme, die weder die Fähigkeit besitzen selbstständig zu denken noch die Eigenschaft aufweisen selbstständig Daten aufzunehmen. KI, künstliche Intelligenz, wurde uns immer im Zusammenhang mit der fortschreitenden Entwicklung der Rechner versprochen, kann jedoch nicht eingelöst werden. Peter Krieg beleuchtet in seinem Buch die Knackpunkte und beweist uns: Die derzeitige Computerentwicklung sitzt in einer unentrinnbaren Sackgasse. Die alten Konzepte sind sinnlos und müssen von Grund auf neu überdacht und aufgebaut werden.

Text: mo.

All zu oft fragt man sich, wenn der Computer mal wieder einfriert, der Drucker nur Nonsens ausspuckt oder das gesamte System zusammenklappt: Wofür taugen Computer eigentlich? Uns wird doch immer wieder versprochen: mit der nächsten Generation wird alles besser!?! Während wir uns wünschen, dass die Computer sich unseren Fähigkeiten anpassen, erzählt die Realität eine andere Geschichte. Die lautet: Ein stumpfer Rechenknecht - und nichts anderes ist ein Computer - ist immer so dumm, wie der, der davor sitzt. Der Mensch muss sich an den Rechner anpassen und es funktioniert nicht - wie gewünscht - andersherum. Da können die Betriebssysteme noch so schön aussehen, noch so aufgeblasen werden - eigentlich wird uns nur wieder alter Wein in neuen Schläuchen verkauft. Die Soft- und Hardware-Industrie rennt auf eine "rote Backsteinwand" zu, denn es gibt immer weniger Argumente für den Kauf eines neuen Computers.

Warum das so ist, und worin die Denkfehler und wo die Sackgassen liegen, damit beschäftigt sich Peter Krieg in "Die paranoide Maschine". Mit philosophischen Ansätzen geht er den 10 Computerplagen auf den Grund und leuchtet in die innere Logik der Maschinen.

Dabei beweist er, dass Computer mit mechanischen Maschinen wie zum Beispiel Motoren vergleichbar sind. Ein Motir ist nämlich ein in sich hermetisch abgeschlossener logischer Mechanismus, der nur auf eine Weise funktionieren und sich nicht verändern kann. Computer sind in diesem Vergleich lediglich große komplizierte logische Mechanismen (Chips). Die innere Logik des Entweder-Oders, des Null oder Eins, verhindert den Fortschritt. Denn Logik ist ein starres System, dass auf "willkürlichen" Axiomen beziehungsweise Urteilen, aufbaut und immer kausal von A nach B nach C fortschreitet. In seinem Buch beweist Peter Krieg jedoch, warum Logik eine Einbahnstraße ist und warum man mit Hilfe der Logik keine Innovation erzielt. Neue Erfahrungen und Anschauungen entstehen durch Synthese, also der Verbindung aus verschiedenen Dingen. Deshalb sind Computer nicht lernfähig. Denn der Schlüssel zum Neuen liegt nicht in der analytischen Logik, sondern in der kreativen Synthese.

Mit seinem Buch löst Krieg viele Gedankenknoten und erklärt uns, warum wir trotz fortschreitender Computerentwicklung nicht von dieser profitieren. In seinen Streifzügen zitiert er Philosophen und Denker wie Kant oder Maturana und beweist uns, dass es neuer Denkmuster bedarf, um den schöpferischen Computer zu entwickeln.

Die 180 Seiten von "Die paranoide Maschine" lassen sich nicht mal eben in einem Rutsch lesen. Aktives Denken und Verstehen sind hier maßgeblich, um den Schlußfolgerungen von Krieg zu folgen. Trotzdem richtet sich das Buch nicht nur an Geeks, sondern an technikinteressierte Menschen, die die innere Logik und die Problematik der Computernutzung und -entwicklung besser verstehen wollen. Das Buch sei all denjenigen empfohlen, die sich für die Auswirkungen der Rechenmaschinen auf unsere Gesellschaft sowie für die weitere Zukunft der Technologie interessieren - erhellende Momente und ein tieferes philosophisches Verständnis der Computerproblematik sind garantiert.

Buch

Peter Krieg
Die paranoide Maschine - Computer zwischen Wahn und Sinn
Telepolis/ Heise Verlag
219 Seiten, Broschur
16 Euro (D) / 16,5 Euro (A) / 28 sFr
ISBN 3-936931-18-6

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Kommentare

Ich studiere selbst Philosophie sowie Soziologie und beschäftige mich besonders mit Wissenschaftstheorie, Logik und Erkenntnistheorie. Vor diesem Hintergrund kann ich dem obigen Artikel kaum zustimmen, denn die Logik, die weitestgehend von Philosophen und philosophischen Mathematikern entwickelt wurde, hat seit knapp 1000 Jahren mit dem "Vorwurf" zu kämpfen, sie sei "nur" eine Methodenwissenschaft.
Eben mehr Methodentechnik, als eine Disziplin, die Wissen schaft.
Dies ist nicht korrekt, denn sehr wohl sind neuronale Netze, eine Anwendung der klassischen und der Metalogik, dazu in der Lage, sich das Lernen selbst beizubringen.
Wenn Sie die Debatte dieses originär philosophischen Themas auch fachwissenschaftliche vom konträren Blickpunkt aus betrachtet hätten, so wäre ihnen doch zumindest aufgefallen, dass der Begriff "paranoid" aus der Psychologie stammt und einen pathologischen Zustand eines Menschen beschreibt. Die Wortwahl des Autoren ist somit logisch - rein formalwissenschaftlich - , wie mir jeder Psychologe bestätigen wird, nicht korrekt. In ihrer Anwendung ist somit die philosophische Logik, sofern (bsp.) sie Wörter klassifiziert, was Computerprogramme, die auf neuronalen Netzen basieren, ebenfalls selbstständig lernen können, sehr wohl ein Mittel neue kreative Synthesen zu schaffen. Denn die Erkenntnis, dass etwas Unsinnig ist, ist genauso logisch deduzierbar, wie die Erkenntnis, dass etwas eine Bedeutung hat. (Bedeutung ist nicht identisch mit Sinn! - eine Erkenntnis von Frege).

Weiter ein Gedankenexperiment: Wie können sie etwas "kreativ" erschaffen? Nur indem sie Wahrnehmungen mit Begriffen in ihrem eigenen Informationsnetz speichern und die Begriffe nach einen bestimmten Prinzip rekombinieren. Wenn eine, wie auch immer geartete, Praktikabilität des Neuen gegeben ist, so wird der Begriff verwendet. So wie der Autor den Begriff der "Paranoidität" mit dem Begriff des Computers kombiniert, was ich in sehr groben Ansätzen logisch gezeigt habe, so wird auch diese Erkenntnis nur durch logisches Instrumentarium möglich.
Eben diese Sachverhalte zeigen doch wohl drei Fakten, die ohne die Logik niemals erreicht werden können.
1. Begriffsdifferenzierung.
2. Begriffskreativität
3. Begriffskorrektur
Darüber hinaus möchte ich auf das Buch "Logik in der Philosophie" (ISBN 3-935025-66-1) verweisen, welches zeigt, dass die Anwendungsbereiche der Logik wohl wesentlich größer sind, als es ihre Darstellung von Peter Kriegs Buch vermuten lässt.

Mit freundlichen Grüßen.

A. C.

meint: Alexander am 18.10.05

Hallo,

ich habe das Buch nicht gelesen.

Logische Maschinen sind IMHO sehr wohl in der Lage zu lernen, wenn auch nicht selbstaendig. Siehe Mustererkennung, neuronale Netze. In der Industrie werden solche Systeme im Alltag erfolgreich eingesetzt. Krieg hat allerdings Recht wenn er meint, diese Systeme waeren noch sehr beschraenkt.

Weiter entwickelte Computer arbeiten heute wirklich nicht wesentlich besser als vor fuenf Jahren. Sie sind nur leistungsfaehiger geworden. Wirklich neue Anwendungsbereiche sind nicht hinzugekommen. Wobei ich den Eindruck habe, dass 90% der Weiterentwicklung ausschliesslich Extrem-Spielern zugute kommt, die ohne mit der Wimper zu zucken 400 EUR fuer die neueste Grafikkarte und 900 EUR fuer die neueste x64-CPU ausgeben. Ich dagegen verdiene mein Geld mit einem Pentium III 700 MHz.

Allerdings halte ich die Gleichsetzung "Bessere Maschinen = mehr Innovation und Fortschritt" fuer falsch. Zur Zeit sollte es der Menschheit erstmal darum gehen, jedem Menschen den Zugang zur Informationsgesellschaft zu ermoeglichen (freie Software, guenstige Computer, guenstige Energie), damit moeglichst viele Menschen die gleichen Entwicklungschancen haben.

Danach kann man sich ja immernoch um ganzlich neue Maschinen Gedanken machen.

meint: rene am 18.10.05

hi!

ein programm ist immer nur so intelligent wie sein entwickler. egal ob mit dem bisherigen systemen oder die im jahre 2060 üblichen computer-topologien. das wird sich nie ändern, hier hat man ne klare grenze.

computer müssen programmierbar sein, und gerade daran scheitern all diese angeblich so modernen exotischen systeme. die mathematik kommt seit jahrtausenden mit den gleichen einfachen definitionen aus (gerade weil sie einfach sind), bei der informatik wird das auch nicht anders sein...

meint: fabien am 18.10.05

@rene: "Logische Maschinen sind IMHO sehr wohl in der Lage zu lernen, wenn auch nicht selbstaendig."

da widersprichst du dir eigentlich schon selbst ;) ich kann die ganze argumentation von krieg hier nicht abdrucken, aber computer können nicht im herrkömmlichen sinne lernen, wie wir menschen. sie können muster erkennen, anhand von software, die für mustererkennung geschrieben wurde. aber lernen bedeutet ja, selbstständig schlüsse zu ziehen und das können computer nicht. dafür sind sie einfach in diesem 0 und 1 prinzip gefestigt. als mensch kann man auch mal den "logischen" standpunkt wechseln und ein "muster" von einer anderen seite sehen. ein computer kann nicht aus sich selbst heraus. er bleibt immer im definierten system, so komplex er dass auch beherrscht. ein denkender und emotionaler computer wie HAL gibt es nicht.

mit dem zugang zu informationen hast du schon recht. aber das sind einfach unterschiedliche themen. ich kann dir das buch nur empfehlen.

meint: mo. am 18.10.05

klar können computer daten sammeln, irgendwie klassifizieren und bei neuen berechnungen berücksichtigen. das gabs aber schon vor 30 jahren...

was allerdings für den computer völlig unmöglich ist, ist die fähigkeit sich kreativ eigene aufgaben zu stellen, ganz ohne vorherige erfahrungswerte. ist es denn nicht genau das, was man bei computer als intelligenz bezeichnen sollte?

grundsätzlich haben all die neuronen-netze/fuzzy-kombinationen einige ernsthafte probleme:

-lernphase des programms ist NIE abgeschlossen.

-die ergebnisse sind niemals zu 100 richtig (!), man kann sich auf nichts verlassen und hat demnach immer(!) bugs... na dann viel spaß!

-schwierige, unlogische programmierung und keine vernüftige kompatibilität zu klassischen programmen.

-berechnungen scheitern oft an der komplexität. ab einer bestimmten größe, lassen sich neuronenetze gar nicht mehr berechnen.

man sollte mal betrachten, welche programmiertechniken sich im laufe der zeit entwickelt haben, und warum sie sich durchgesetzt haben. es hat vor allem mit usability, flexibilität und zuverlässigkeit (für den entwickler) zu tun, da haben solch exotische systeme kaum eine chance sich durchzusetzen...

...neuronennetze werden heute schon eingesetzt, die dabei gesammelten erfahrungen sind allerdings ziemlich ernüchternd...

wir werden in 50 jahren noch klassisch mit 0 und 1 arbeiten, da bin ich mir absolut sicher...

meint: fabien am 19.10.05

"lernphase des programms ist NIE abgeschlossen.
die ergebnisse sind niemals zu 100 richtig!
schwierige, unlogische programmierung.
berechnungen scheitern oft an der komplexität."

der mensch?

ich studiere übrigena auch philosopie; kenne das buch (noch) nicht, möchte alexander aber auf verdacht zustimmen.
induktion, abduktion, deduktion, wie sonst in der welt sollen dinge fassbar sein?

meint: /re am 19.10.05

@alexander:
computer und logik – ja!
computer und kognition – nein!

meint: bussibaer am 19.10.05

noch ein paar zitate aus dem buch:

"Doch paradoxerweise kann Logik allein nichts Neues hervorbringen, da sie nur innerhalb eines geschlossenen Systems anwendbar ist, das mit einer Theorie beginnt und lediglich Ableitungen aus ihr hervorbringt."

Albert Einstein wird zitiert: "Innovation ist nicht das Produkt logischen Denkens, obgleich das Ergebnis an logische Strukturen gebunden ist."

"Computer führen schlicht mechanisch-bürokratische und -mathematische Arbeiten aus. Sie sind daher auch nicht zum Irrtum fähig, denn innerhalb einer strikten und wohldefinierten logischen Ordnung gibt es keinen Irrtum."

"Gerade weil Computer NICHT irren können, sind sich auch nicht intelligent. Irrtum und Intelligenz bedingen sich und entstehen nur da, wo Entscheidungen getroffen werden können."

"Der SChlüssel zum Neuen liegt also nicht in der analytischen Logik, sondern in der kreativen Synthese."

Der westlichen Logik stellt der Autor die Polylogik der östlichen Kultur entgegen. Zum Beispiel das Yin Yan-Prinzip, dass jedem Element auch ein widersprüchliches hinzufügt.

Wir können uns natürlich jetzt noch die Köppe heiss diskutieren, aber ich empfehle den Skeptikern unter Euch, einfach mal hineinzuschauen. Über ein paar Kommentare und in Textform lässt sich das sowieso alles sehr schwer diskutieren ;)

meint: mo. am 19.10.05

ich werd das buch, denke ich, mal lesen, aber ich glaube nicht, dass es mir elementares bringen kann.
was soll kreative synthese sein? wo kommt die her, wenn nicht von einer transzendentalen (göttlichen) kraft?
wir können uns aber auch gern mal aufn fläschchen rotwein treffen und das angemessen diskutieren *g*

meint: /re am 19.10.05

@mo: Doch, lernen koennen Maschinen durchaus. Beispiel: Du programmierst einen mobilen Roboter so, dass er bestimmte Bereiche eines Raumes meidet, sobald er dort "meistens" eins uebergebraten bekommt. Das Verhauen soll ihm nicht gefallen. Irgendwann wird er dann diese bestimmten Bereiche meiden. Das ist schon eine Art Lernen, aber eben sehr eingeschraenkt, die Maschine lernt nichts anderes.

Ach, ansonsten traue ich mir eine Diskussion mit Philosophie-Studenten nicht zu, seitdem ich mal eine glatte 6 fuer dieses Fach im Zeugnis hatte... :)

meint: rene am 19.10.05

Ich denke, dass hier auch die fälschliche Vorstellung vorhanden ist, Mathematik und Logik seien vollkommen aufeinander Reduzierbar. Dies ist nicht der Fall, wie es die Theoretika Mathamatica zeigen. Die Mathematik ist in bestimmten Bereichen gerade nicht logisch, genauso wie die Logik in bestimmten Bereichen, bei ihrer Anwendung des Beweisens, wirklich Kreativität benötigt.
Die Meinung, dass Computer nur "robotten" (im vollen Umfang des Wortes?!) stimmt in dem oben genannten Sinne also nicht.
Ebenfalls ist es grob fahrlässig die bimodale Logik (zweiwertige Logik - wahr falsch) mit der Modallogik über einen Kamm zu scheren. In der Logik gibt es durchaus Termini wie "Vielleicht", "Unwahrscheinlich" oder "knapp". Das Yin Yan - Prinzip, was (partiell) wie eine Verschmelzung von Dialektik und Modallogk verstanden werden kann, baut immernoch auf logischer Analyse auf! Eine Gegenüberstellung ist ähnlich, wie die Gegenüberstellung von Äpfeln und dem ihnen zugrundeliegenden Apfelbaum. Beide sind verschiedene Ausdrücke der gleichen elementaren Schlussformen (bzw. Axiome)...
Epistemologisch (Erkenntnistheoretisch), übernimmt das Irren keine Funktion, außer die, dass es korrigiert werden kann. Auch in der evolutionären Erkenntnistheorie wird die schnell deutlich, wenn man sich eine Antilope vorstellt, die nicht an die Existenz des Löwen glaubt: Sie wird gefressen - Kein Denken. Es ist immer besser, erst garkeine Fehler zu machen, als sie später kräftezehrend zu korrigieren.
Nur weil Menschen und andere Lebewesen Fehler so gut korrigieren können, heißt dies noch lange nicht, dass sie nicht intelligent wären, wenn sie keine Fehler machen! Weiter machen auch Computer Fehler und Programme sind unendlich verbuggt - sind deshalb Programme wie "Windows intelligent"? - Ich denke nicht...

meint: Alexander am 20.10.05

ja, wie ich schon sagte: der mensch ist die grenze, solche esoterischen vorstellungen kann niemand programmieren. ende.

meint: fabien am 24.10.05

ist doch immer wieder erstaunlich wie sehr der mensch überschätzt wird.

wir kapitulieren anscheinend immer noch vor den komplexen resultaten der hohen zahl immens vielschichtig miteinander interagierenden lösungsstrategien aus denen sich biologische intelligenz zusammensetzt.

wenn man versucht diese beobachtungen in ein zu einfaches modell zu pressen erhält man zwangläufig etwas das viel zu esotherisch ist als dass maschinen es erreichen könnten. die naiven zielvorstellung der frühen KI waren auf solchen modellen entstanden und konnten somit unmöglich erreicht werden, dies scheint krieg wohl nun den maschinen zur last legen zu wollen.

ich glaube das bisher im bereich des künstlichen geleistete könnte uns jetzt schon helfen das natürliche viel besser zu verstehen, allerdings setzt dies einen abschied von so mancher heiligen kuh vorraus und ich habe so meine zweifel ob unsereins dies noch erleben wird.

meint: usr am 24.10.05

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