Mathias Mertens - Kaffeekochen für Millionen

Rubrik » Buchkritik

mertens_buch.jpgGenau so mag ich es. Dieses Buch ist ein Wolf im Schafspelz. Schafspelz deswegen, weil es ein spannend geschriebenes Buch über die Geschichte des Internets ist, die anhand von "spektakulären" Ereignissen im World Wide Web erzählt wird. Wolf deswegen, weil es eigentlich ein wissenschaftlicher Band ist, der das Medium Internet aus medienwissenschaftlicher Sicht betrachtet und dabei auch nebenher die Problematik der Geschichtsschreibung streift.

Text: Martin Wisniowski

Zu Beginn des Buches stellt der Autor fest, dass es zwar eine ganze Menge Bücher und Abhandlungen über die Geschichte des Internets aus technischer Sicht gibt, die Relevanz dies Mediums jedoch erst durch bestimmte Ereignisse ausgelöst wird. So zum Beispiel das Livebild einer Kaffeekanne, das von 1993 bis 2001 in das Netz gestreamt wurde. Es gilt als das erste Livebild im Internet. Mathias Mertens Sprache ist sachlich und korrekt, kommt präzise auf den Punkt und serviert routiniert Pointen neben gut recherchierten Fakten.

In der Einleitung schreibt Mertens: "Diesem Buch liegt die These zugrunde, dass das Internet wegen seiner Transzendenz und Nicht-Materialität stärker als andere Medien auf Ereignisse angewiesen war und ist, um sich als Massenkommunikationsmittel zu etablieren." Als Ereignis beschreibt er in diesem Buch u.a. den Börsengang von Netscape (und damit den Beginn der New Economy), die rasend schnelle Verbreitung des Computerspiels Doom (und damit dem Beginn des Grafikkartenwettrüstens) oder SETI@home, die Suche nach ausserirdischem Leben auf dem eigenen Computer (und damit der ersten groß angelegten "distributed computing" Anwendung).

Es macht sehr viel Spaß dieses Buch zu lesen. Zum einen erfährt man einige wirklich skurille Geschichten aus der frühen Netzkultur, zum anderen werden Erinnerungen an Netzereignisse wach, an denen man selbst teilgenommen hat. Einen Kritikpunkt gibt es allerdings: das Buchcover ist ziemlich misslungen und erinnert an einen Chatroman auf "eMail für dich" Niveau. Schade, aber der Inhalt ist einen Kauf wert.

mmmain.jpgDer Autor Mathias Mertens ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Medien und Interaktivität der Universität Gießen sowie Lehrbeauftragter für Film- und Computerspielgeschichte an den Universitäten Hannover und Hildesheim. Wow, was für ein langer Satz! Computerspielgeschichte? Ja, die Spielkultur ist gerade dabei, an den Universitäten anzukommen. Mertens erstes richtig bekannt gewordenes Buch war übrigens "Wir waren Space Invaders. Geschichten vom Computerspielen." Den locker-flockigen Schreibstil hat er wohl durch jahrelange Übung und Schreiberschaft u.a. für GEE, De:Bug und Spex.

Info

Mathias Mertens - Kaffeekochen für Millionen
183 Seiten
Euro 19,90
Campus Verlag
Buch Info - Verlagsseite

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Kommentare

1. "die anhand 'späktakulären' Ereignissen" - anhand _von_ 'sp_e_ktakulären' Ereignissen; besser vielleicht "einschneidenden" Ereignissen - der Live-Stream einer Kaffeekanne ist meiner Meinung nach doch relativ unspektakulär...

2. "Zu Beginn des Buches stellt er fest" - wer noch gleich? Ach ja: der Autor, Herr Mertens...

3. "die Relevanz dieses Medium" - Genitiv: die Relevanz des Medium_s_...

4. "Live-Bild einer Kaffeekanne, das von 1993 bis 2001 in das Netz gestreamt wurde. Es gilt als das erste Livebild" - ja wie denn nun? Live-Bild oder Livebild?...

5. "und serviert routiniert Pointe neben gut recherchierten Fakten." - vielleicht eher Pointe_n_? Oder "routiniert_e_ Pointe_n_"?...

6. "die rasende Verbreitung von dem Computerspiel" - muss es nicht eigentlich "die rasend schnelle Verbreitung _des Computerspiels" heißen? Genitiv, ich komme!...

Einen Hinweis auf die Missachtung der Kommaregeln habe ich mir jetzt mal geschenkt. Ach nein, da war er ja doch noch. Wie wär's mit Korrekturlesen? Da soll sich nochmal jemand darüber wundern, wieso Netaudio qualitativ weit hinter den kommerziellen Releases zurückbleibt - wenn noch nicht einmal ein kleiner Artikel verbessert wird, wieso sollte dies dann bei umfangreicheren musikalischen Projekten der Fall sein? ;-)

Das soll natürlich keine Kritik an Martins Engagement sein, im Gegenteil, ich finde die Demokratisierung des Informationsraum sehr wünschenswert; aber wenn man schon ein Webmag betreibt, dann kann man doch wenigstens fünf Minuten in das Gegenlesen der Artikel investieren, oder nicht? Das ist man seinen treuen Lesern doch irgendwie schuldig...

meint: gonzo am 22.03.06

Ahh, ja! Typo's (Tippfehler, Retschreibfehler etc.) sind zu ziemlich mein Todfeind. Die verstecken sich auch immer in den kleinsten Ecken, ich kann da garnix tun. Leider muss ich jetzt sofort zum Bahnhof, denn ein Zug wartet auf mich. Heute abend habe ich hoffentlich Zeit die Fehler zu korrigieren. Danke gonzo!

meint: 020200 am 22.03.06

Ein paar Stunden und Kilometer weiter...

meint: 020200 am 22.03.06

hallo gonzo! wenn du wirklich so scharf drauf bist für phlow den lektor zu machen, warum machst du das nicht in zukunft besser ausserhalb von öffentlichen foren? machen die anderen "pros" doch genauso...

meint: usr am 26.03.06

"wenn du wirklich so scharf drauf bist für phlow den lektor zu machen" - sagt wer? Ich bin nur "scharf drauf" nicht in jedem Artikel über jede Menge unnötiger Rechtschreibfehler zu stolpern. Die zu beseitigen wäre wirklich eine Sache von Minuten.

"warum machst du das nicht in zukunft besser ausserhalb von öffentlichen foren? machen die anderen "pros" doch genauso..." - Entschuldige, ich wusste nicht, dass a) dies hier ein "öffentliches Forum" ist (es ist ein Magazin, mit Artikeln, ergo sollte man auf Rechtschreibung achten, es sei denn, es ist einem egal was die Leser denken) und b) dass die "Pros" nur für Geld kritisieren, wenn irgendwo die Rechtschreibung mit Füßen getreten wird. Aber wenn Du noch ein paar Euro übrig hast - sind immer sehr willkommen.

meint: gonzo am 26.03.06

Aber im Ernst - falls an einer Tätigkeit als "Lektor" Interesse besteht - das geht an Mo. - würde ich tatsächlich übernehmen, auch wenn meine Rechtschreibung sicher nicht einwandfrei ist ;-)

meint: gonzo am 26.03.06

Der mo. macht diesen Job des Lektors normalerweise immer sehr zuverlässig. Nur leider ist er gerade unterwegs und ziemlich offline. Ich entdecke im Normalfall meine Fehler auch immer wieder selbst. Aber in diesem Falle musste ich echt dringend auf den Zug, und hatte deswegen keine Gelegenheit für meine obligatorsche Reload-Debug session. Ich finde es aber wirklich schön, dass die Leser dieses Magazin sich um Qualitätsfragen kümmern. Ich glaube, dass ist echt eine Stärke von Phlow.

meint: 020200 am 26.03.06

Hey Martin, wie gesagt, das sollte auch keinesfalls eine Kritik an Deinem Artikel sein; gut, dass die Botschaft angekommen ist :-) Nur halte ich wie gesagt im Kontext eines "Magazins" ein halbwegs vernünftiges Sprachniveau für angebracht, gerade weil man im Licht der Öffentlichkeit steht und genau da ja auch stehen will.

meint: gonzo am 26.03.06

Alles okay soweit. Mich nähme das Buch an und für sich wunder. Hat es jemand von euch bereits gelesen?

meint: ozzy am 28.03.06

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