Biografie: Miles Davis

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cover-miles-davis.jpgIn seiner Autobiografie berichtet Miles Davis von seinem aufregenden und außergewöhnlichen Leben. Direkt, ehrlich und ungeschönt erzählt das Jazz-Genie von seinen Lieblingssüßigkeiten als Kind, redet sich in Rage angesichts des krassen amerikanischen Rassismus und betet fast in jeder Zeile seine Große Liebe die Musik an. Erstaunlich ist die Intensität und Sogwirkung die Miles Davis mit seiner direkten Ansprache des Leser erzeugt. Ein erstaunliches, spannendes Buch, dass sich wie ein Roman liest.

Text: mo.

Eins vorweg: Als Liebhaber elektronischer Musik steht derzeit lediglich ein einziges Miles Davis-Album in meinem Schrank. Das ist der Klassiker "Kind Of Blue", schlicht und einfach: ein wunderbares Album. Ich selbst, bin kein Miles Davis-Fan, weil ich einfach zu wenig von Miles gehört habe. Aber das wird sich ändern. Denn wie jedes spannende Buch kitzelt diese Autobiographie die Neugierde.

Das reale Leben entpuppt sich meist als spannender als so mancher Krimi oder Thriller und steckt voller Nuancen. Besonders dann, wenn ein Genie, ein Wundermensch von seinen Höhen und Tiefen berichtet. Natürlich ahnt man schon zu Beginn der Autobiografie, dass es sich um ein außergewöhnliches Leben handelt, von welchem da berichtet wird. Mit diesem wenigen Vorwissen spannt sich bereits die Neugierde. Denn man will wissen: Wie ist dieser Mensch dort hingekommen.

Ein weiterer Pluspunkt des mitreissenden Werdegangs ist die Tatsache, dass man als Leser die Finger am Puls einer der wohl spannendsten Musikepochen des vergangenen Jahrhunderts hat. Während Miles Davis von seinen jungen Jahren berichtet, von der 52nd Street, dem Minton's oder dem Three Deuces Club, so wünscht man sich als Musikliebhaber, dort gewesen zu sein. Dort in den kleinen Jazz-Clubs, wo sich allabendlich Musiker trafen, sich gegenseitig beobachteten, Musikstile weiterentwickelten und in einem Rausch jammten.

Mit Erstaunen liest man Tatsachen und erfährt interessante Fakten über den Ausnahmekünstler. Miles Davis lernte schon in frühen Jahren die Existenzialisten allen vorweg Sartre kennen. Erschreckt lernt man die Tatsache, dass Jazz zu Bebop-Zeiten stark durch Drogen angetrieben, bestimmt und beeinflusst wurde. Heroin, Alkohol und Tabletten spielten früh eine brutale Rolle und harte Drogen rafften so einige der größten Talente dahin...

Somit ist die Autobiografie nicht nur ein großartiger und gewaltiger Monolog, sondern beinhaltet zahlreiche subjektive Jazz-Fakten aus erster Hand. Wirklich lesenswert, auch für Nicht-Jazzliebhaber.

Miles Davis - Die Autobiographie
Miles Davis, Quincy Troupe
Verlag: Heyne
Broschiert: 620 Seiten
ISBN: 3453171772
Preis: 9,95 €

Informationen zum Künstler


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Kommentare

Zu 'Kind of Blue' gibt es übrigens auch ein Buch, das die Aufnahmesessions beschreibt. Und wenn Du Dich eher für elektronische Musik interessierst und gerne noch mehr Miles Davis hören möchtest, dann empfehle ich Dir mal 'Bitches Brew', das Album ist ein echter akustischer Trip. Aber es gibt natürlich noch viel mehr hörenswerte Sachen aus dem Universum von Miles Davis...

jimkim

meint: jimkim am 28.02.07

Ich empfehle dir die Alben "Ascenseur pour l'échafaud" (der kongeniale Soundtrack zum genialen Film von Louis Malle), "In A Silent Way", "On the corner" und "Pangaea". Damit hast du fast alle Schaffensphasen abgedeckt und einen Haufen gute Musik.

meint: walt am 01.03.07

hey ihr beiden :) danke für die tipps. grabe mich gerade ein und die diskografie ist ja nicht unbedingt klein und übersichtlich. da helfen eure tipps ungemein. vielen lieben dank!

meint: mo. am 01.03.07

....und wenn du fertig bist mit miles davis, muss john coltrane kommen. das beste buch zum wohl grandiosesten, intesivsten und sich selber immer wieter an die grenze des möglichen entwickelnden musikers überhaupt: lewis porter: john coltrane. his life and music, ann arbor 1998.

und unbedingt die platten "coltrane" und "a love supreme" als einstieg.

meint: walt am 02.03.07

@walt: "a love supreme" besitze ich ;) aber danke auch für den buchtipp. vielleicht liest man demnächst von diesem buch hier...

meint: mo. am 02.03.07

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